Architekturwettbewerb von FH Aachen und S-Immo 2019

Architekturwettbewerb : Die alte Post in ein Weinhotel verwandelt

Ein toskanisches Dorf als Referenzstruktur für das alte Postgebäude im Herzen von Alsdorf – darauf muss man erst mal kommen, mag der ein oder andere denken.

Doch der Siegerbeitrag im Architekturwettbewerb von FH Aachen und S-Immo, der Immobilienmakler-Tochter der Sparkasse Aachen, setzte das in Perfektion um, was Professor Horst Fischer von seinen Studenten gefordert hatte.

„Die Aufgabenstellung war ja, ein Weinhotel zu entwickeln“, schildert Preisträgerin Hannah Torkler. „Mir war sofort klar, dass es sich hier um kein großes Bauvolumen handeln kann, sondern um kleinteilige Strukturen.“ Die Analogie zu dem toskanischen Dorf half ihr, diese Herausforderung zu meistern, und über ein Modell ergaben sich die Proportionen. Heraus kam eine anspruchsvolle und optisch höchst ansprechende Lösung in Form von kleinen Terrassen und Ebenen.

„Die Außenbereiche war mir wichtig“, betont die 24-jährige Studentin. Den Bezug zu Alsdorf stellte sie etwa durch den Einsatz des Fassadenmaterials her, ein helles Ziegelwerk. Stolz nahm die Architekturstudentin ihren symbolischen Siegerscheck entgegen. Strahlend erklärte sie: „Das ist mein erster Wettbewerb.“

Bei den Architekten durchaus gängig, übte sich die Aachenerin so früh für ihre spätere Karriere. Von ihrem Professor erhielt sie Vorschusslorbeeren: „Wir hatten jede Woche eine Interaktion. Manche Studenten muss man mehr an die Hand nehmen, andere weniger. Eine Hannah Torkler braucht da recht wenig Hinweise.“

Dietmar Röhrig, Geschäftsführer der S-Immo, lobte Vielfalt und Qualität der insgesamt 19 Wettbewerbsbeiträge. Drei Preise und zwei Anerkennungen vergab er und verkündete, dass die Jury intensiv, aber einvernehmlich beratschlagt habe. Die Arbeiten, so versprach er, sollen nach der Sommerpause in der Alsdorfer Sparkassen-Filiale präsentiert werden, damit sich auch die Alsdorfer Bürger ansehen können, welche Ideen die Fachhochschul-Studenten für das alte Postgebäude entwickelt haben.

Und noch etwas verriet Röhrig: dass die S-Immo den Architekturwettbewerb im nächsten Jahr auf jeden Fall weiterführen will, dann aufgehangen an einem anderen Objekt aus der Städteregion. Das hörte Professor Fischer gerne, der für den laufenden Wettbewerb die erste Herausforderung seiner Studenten darin manifestierte zu erkennen, dass das alte Gebäude schwierig in eine neue Form einzubinden gewesen war.

„Es gibt Beiträge, die das versucht haben, aber eher wenige. Das Projekt Weinhotel war damit schwierig in Einklang zu bringen.“ Fischer lobte nochmals den Siegerbeitrag: „Frau Torkler hat einen sehr ungewöhnlichen Ansatz gewählt, der den Nutzer überrascht. Trotzdem ist ihre Lösung kein Fremdkörper in dieser Umgebung. Es ist ein wirklich sinnlicher Beitrag zu einem sinnlichen Thema.“

Alsdorfs Technische Beigeordnete Susanne Lo-Cicero freute sich über so viele frische und wagemutige Ansätze, die für Alsdorf wie eine Vision daherkommen.

Ob tatsächlich mal ein Weinhotel dort entsteht, wo noch die alte Post steht, steht allerdings in den Sternen. Das Grundstück steht nach Wissen der Stadt weiterhin zum Verkauf. Möglich und durchaus gängig ist aber, dass ein potentieller Investor sich an die Stadt wendet. Dann käme womöglich die Idee des Weinhotels zur Sprache. Fasziniert war auch Lo-Cicero vom Siegerbeitrag: „Ganz anders, aber logisch und überzeugend ist dieser Beitrag. Mit den verschachtelten Terrassen wirklich etwas Besonderes“, schwärmte die Technische Beigeordnete.

(ust)
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