Alsdorf, Schlosserstraße: Engstelle führt regelmäßig zu Unfällen

Engstelle in Alsdorf : Regelmäßig hängen Fahrzeuge in der Hauswand

Busse, Lkw, Autos – Rosi Blasius’ Haus an der Schlosserstraße haben sie alle schon beschädigt, weil die Straße zu eng ist. Nun wird geprüft, wie das gefährliche Nadelöhr entschärft werden könnte.

Wenn dieseliges Grollen das Herannahen eines Lastwagens oder Busses ankündigt, schnellt in der Schlosserstraße 2 ein Kopf nach oben. Dann lauscht Rosi Blasius. „Und dann harre ich der Dinge, die da kommen.“ Diese Dinge sind in der Regel große Fahrzeuge, deren Fahrer sich manchmal um ein paar entscheidende Zentimeter verschätzen. Frau Blasius merkt das ganz leicht: Ein lautes Krachen schallt dann nämlich durch ihre Wohnung, und vielleicht ragt ein großer Außenspiegel durch ein geborstenes Fenster in ihr Eßzimmer hinein.

Die Besitzerin und Bewohnerin des zweitältesten Hauses in Alsdorf (Baujahr 1782) wäre erleichtert, wenn die Stadt an den Verkehrsverhältnissen auf der Straße und dem kaum vorhandenen Gehweg vor ihrem Haus an der Ecke Schlosserstraße/Auf dem Pütz etwas verändern, etwas verbessern würde. Die Grünenfraktion hat das Thema auf die Tagesordnung des Stadtentwicklungsausschusses setzen lassen, die Kommunalpolitik beschlossen, dass sich gekümmert werden soll.

Tor und Tür und Fenster

Was man als „oft“ bezeichnen kann und was als „selten“ hängt wesentlich davon ab, über welche Art von Ereignis gesprochen wird. Zweimal in sechs Monaten Einkaufen ist selten. Zweimal in sechs Monaten ein Bus im Fenster ist oft. Das ist wie gesagt nur die Anzahl der Vorfälle in diesem Jahr. Dreimal insgesamt war das Fenster bereits kaputt, einmal war das Tor samt Eingangstür des Hauses „inne Fritten“ und „wie oft die schon mit Krachen in die Hauswand sind, hab’ ich nicht gezählt“, sagt Frau Blasius. Auch das Regenfallrohr an der Hauswand wurde diverse Male abgesäbelt, weil Autofahrer partout nicht warten wollten und im Begegnungsverkehr einfach zu wenig Platz ist, als dass zwei Fahrzeuge vernünftig aneinander vorbeikämen.

Schon dreimal musste das Esszimmerfenster repariert werden. Foto: Rosi Blasius

Ob auch 2016 eine verhängnisvolle Begegnung Ursache einer Überraschung war, die Frau Blasius erwartete, als sie nach Hause kam? Zwar war kein ganzer Bus mehr zu sehen, wohl aber einer der großen Außenspiegel. Er war oberhalb des Rahmens eingedrungen, hatte das Fenster aus den Angeln gehoben und sich verkeilt. Offenbar so unverrückbar, dass er nicht so einfach wieder herauszuziehen war.

Denn zwar hing der Spiegel noch, allerdings war keine Menschenseele weit und breit zu sehen, die etwas darüber hätte sagen können, wie der Spiegel dahin gekommen war. Immerhin fand Frau Blasius beim Blick in den Briefkasten einen Polizeibericht. Die Sache war also offiziell gemacht worden, und schließlich hatte sich auch die Aseag gemeldet und mitgeteilt, die Rechnung für die Reparatur doch bitte gleich an ihre Adresse senden zu lassen.

Radius zu großzügig

Nicht der einzige Fall, in dem es so oder so ähnlich gelaufen ist. Nur war nicht immer die Aseag Empfänger der Rechnung für Reparaturen an der malträtierten Hausfassade. Auch eine Karnevalsgesellschaft befindet sich unter den Rechnungsempfängern. Das zugehörige Missgeschick passierte dem Fahrer eines Busses, in dem sich eine Alsdorfer Karnevalsgesellschaft samt Tanzmariechen und allem, was dazugehört, zu einem Termin in der Session aufgemacht hatte.

Zu Beginn dieses Jahres war das, an einem Sonntagnachmittag, erinnert sich Frau Blasius. Der Bus war in großzügigem, zu großzügigem Radius in die Schlosserstraße eingeschwenkt und wurde von Frau Blasius’ Haus gebremst. „Das hat so dermaßen gekracht, dass Momo und ich fast vom Sofa gefallen sind. Aber dann sah ich den Bus am Fenster stehen und wusste: Es hat wieder geknallt.“ Dem Satz folgt ein Blick hinunter auf ihre Hündin. „Ja, wir führen hier schon ein spannendes Leben, stimmt’s Momo?“

Ein Bus biegt in die Schlosserstraße: Der Platz ist äußerst knapp, mit Gegenverkehr reicht Fingerspitzengefühl am Steuer allein oft nicht mehr aus. Foto: Thomas Vogel

Eine knifflige, eine gefährliche Lage sogar. Für Frau Blasius – natürlich. Aber auch für Fußgänger. Einer alleine könnte per pedes gerade so über den schmalen Gehstreifen balancieren. Ein Kinderwagen aber passt auf keinen Fall. Ideen, wie die gefährliche Engstelle beseitigt und für alle Verkehrsteilnehmer sicherer gestaltet werden könnte, hat Grünen-Fraktionsvorsitzender Horst-Dieter Heidenreich schon. Man könne etwa die Frage stellen, ob sich grundsätzlich Busse und Schwerlastverkehr durch dieses Nadelöhr pressen müssen, ob nicht der Linienverkehr anders geführt werden könne oder ein generelles Durchfahrtsverbot ab 3,5 Tonnen Fahrzeuggewicht Sinn mache. Oder eine Ampelregelung oder die Schlosser- zur Einbahnstraße zu machen. Es sei nun aber an den Verkehrsexperten in der Verwaltung, Möglichkeiten auszuloten. Heidenreich hofft, nach den Sommerferien die Ergebnisse der Prüfung in der Politik beraten zu können.

Die angesprochene Verwaltung hat sich bereits in Bewegung gesetzt, berichtet Frau Blasius. Am Montag seien drei Vertreter der Stadt in der Schlosserstraße gewesen, um sich die Verkehrsverhältnisse vor ihrem Haus anzuschauen. Auch einen Bus hatten sie kommen lassen, erzählt sie, um die knappen Platzverhältnisse gleich nachvollziehen zu können.

Den hätten sie im Grunde aber gar nicht gebraucht, immerhin rolle alle 15 bis 30 Minuten ein Linienbus vor dem Haus vorbei. Und morgens und am frühen Abend kämen etliche große Lastwagen dazu, erzählt Frau Blasius. „Man merkt schon, wenn Wochenende ist.“ Weniger Busse, kaum Lkw sind dann unterwegs, „da kann man mal ein bisschen durchatmen.“

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