Alsdorf: Realschule im Kubiz muss jeden zweiten Schüler ablehnen

Realschule im Kubiz : Jeder zweite Schüler muss abgelehnt werden

Die Realschule im Kubiz muss jedes zweite Kind ablehnen, weil einer sehr hohen Zahl von Anmeldungen zu wenig freie Plätze gegenüberstehen. Grund sei, dass der Einrichtung vor wenigen Jahren die Zweizügigkeit verordnet worden ist, sagt Schulleiterin Reinhild Behr-Bennemann.

Sie kritisiert fehlende Flexibilität in der Gestaltung der Schullandschaft und Verteilung der Plätze.

„Wir haben genug Anmeldungen, um vierzügig zu sein“ sagt Behr-Bennemann, „dürfen aber nur zwei Klassen bilden.“ Damit sei die Realschule die kleinste Schule in Alsdorf mit den meisten Anmeldungen. Die Stadt, sagt die Rektorin, poche auf den Schulentwicklungsplan. Der sieht insgesamt fünf Realschulzüge für Alsdorf vor, die sich auf zwei Schulen verteilen: zwei Züge für die Realschule im Kubiz (mit Ganztagsangebot), drei für die Realschule in Mariadorf, die Marienschule (ohne Ganztagsangebot). Vor dem Umzug ins Kubiz, als die Realschule in Ofden residierte, war sie noch dreizügig.

Kein einmaliges Ereignis

Die Realschule müsse viele Kinder ablehnen, auch aus dem benachbarten Neubaugebiet Annapark, dabei sei das Quartier Neubürgern einst unter anderem mit Hinweis auf die sehr gute Schulanbindung schmackhaft gemacht worden, meint Behr-Bennemann. Diese sieht sie nun aber nicht in vollem Umfang gewährleistet. Schon im vergangenen Jahr hätten sich an der Realschule viel mehr Schüler angemeldet als Plätze vorhanden sind. Seitens der Stadt habe es damals geheißen, es handle sich um ein einmaliges Ereignis. Das sei aber – der in diesem Jahr erneut große Andrang beweise es – eine falsche Einschätzung gewesen.

Behr-Bennemann fordert wegen der wieder hohen Nachfrage nun von der Politik, die zwangsweise Zweizügigkeit aufzuheben. Sie habe genug Lehrer, und die Räume reichten ebenfalls, um direkt einen dritten Zug einzurichten. Zwar müsse die Realschule Räume an das benachbarte Gymnasium abtreten, wenn dort wegen des Wechsels von G8 auf G9 ein Mehrbedarf entstehe. Dieser Mehrbedarf werde aber erst 2026/2027 Wirkung entfalten, und die Realschule muss auch dann erst Räume an das Gymnasium abgeben. Mit ihrem Vorstoß wird Behr-Bennemann, eine Nachfrage im Rathaus legt das nahe, voraussichtlich jedoch wenig Erfolg haben.

Es gehe um den Schulabschluss, nicht um die Schulform, sagt Bürgermeister Alfred Sonders. „Wir können jedem Kind den Wahlschulabschluss bieten, aber nicht zwingend an der Wunschschule.“ Auch die Marienschule müsse Schüler abweisen, insofern bestehe zwischen den beiden Schulen keine Ungleichbehandlung. In Mariadorf sei die Realschule allerdings das einzige weiterführende Schulangebot, wenn die Hauptschule ausgelaufen ist, deshalb seien dort drei Züge gerechtfertigt. Zudem wohnten in
Mariadorf und Hoengen fast die Hälfte der Alsdorfer Bevölkerung.

Träger bestimmt die Zügigkeit

Es sei verständlich, dass die Schulleiter vor allem die Situation ihrer Schulen im Blick hätten, Aufgabe der Stadtverwaltung sei jedoch der Gesamtblick auf die Stadt. In Alsdorf würden immerhin noch fünf Realschulzüge angeboten, während es in vielen anderen Städten gar keine mehr gäbe. Es meldeten sogar Eltern aus Nachbarkommunen ihre Kinder an den Realschulen in Alsdorf an, weil es in ihrer Stadt keine Schule dieser Form mehr gibt.

„Wir können aber nicht für andere Städte die Schulformen vorhalten“, sagt Manfred Schmidt, Leiter des Referats Jugend, Schulen und Sport. Die Zügigkeit der Schulen wird vom Schulträger bestimmt. Im Falle der Realschule im Kubiz ist das die Stadt. Um einen dritten Zug einrichten zu können, bedürfe es eines politischen Beschlusses. Allerdings gebe es in Alsdorf ausreichend Plätze, um jedem Schüler den Realschulabschluss zu ermöglichen, wenn er dies wolle.

Wenig aus anderen Kommunen

Im Nordkreis gibt es Realschulen nur noch in Alsdorf und Baesweiler. Letztere wird im kommenden Schuljahr rund 100 Schülerinnen und Schüler in vier Zügen aufnehmen. In Herzogenrath lief die Realschule 2017 nach fast 50 Jahren Betrieb aus, in Würselen ist ihr Ende bis zum Jahr 2019/2020 besiegelt, neue Klassen werden nicht mehr eingerichtet.

An der Realschule im Alsdorfer Kubiz ist der Anteil an Anmeldungen aus anderen Kommunen jedoch eher gering. Etwa fünf von ihnen hätten die Realschule in diesem Jahr erreicht, sagt Behr-Bennemann. Insgesamt seien 113 Schülerinnen und Schüler angemeldet worden. Die Anmeldefrist ist vergangene Woche ausgelaufen.

Das große Interesse an der Realschule im Kubiz führt die Schulleiterin darauf zurück, dass es eine Ganztagsschule ist, es sich um einen Neubau handelt, an dem es kaum Unterrichtsausfälle gebe und ein gutes Konzept Anwendung findet – etwa mit der Lernzeit in der dritten Stunde, in der Schülerinnen und Schüler bei offener Tür selbstständig arbeiteten.