Alsdorf: Neonkunst als Denkmal für die Grubenarbeiter im Energeticon

Ein Denkmal für die Grubenarbeiter : Im Energeticon erglüht jetzt der „Mijn Berg“

Die Installation der niederländischen Künstlerin Diana Ramaekers war schon im Ruhrgebiet und in Kerkrade zu sehen. Nun kommt sie als Dauerleihgabe nach Alsdorf.

„Licht aus!“ Die Sonnenschatzkammer des Energeticons samt gespanntem Premierenpublikum taucht ins Dunkel. Langsam erglühen leuchtend rote Neonstäbe, die wie einst die Kettenaufzüge in der Waschkaue an der Decke hängen. Unterschiedlich lang, in strikten Reihen angeordnet und eine umgekehrte Halde symbolisierend. „Mijn Berg“.

Bewusst hat die Kerkrader Künstlerin Diana Ramaekers ein Wortspiel als Titel ihres Werks gewählt – das niederländische „mijn“ kann ins Deutsche übersetzt „Zeche“ und „mein“ gleichermaßen bedeuten. Die Neoninstallation, die am Donnerstag als Leihgabe der Künstlerin offiziell in die energiegeladene Ausstellung des Energeticon integriert wurde, hat bereits Geschichte: Ursprünglich hatte Ramaekers das Werk für die Ausstellung „Into the Dark“ im Kerkrader Cotinium im Jahr 2015 geschaffen, als „Ode an die Arbeit unter Tage“. Danach war „Mijn Berg“ Bestandteil der großen Ausstellungsreihe „Kunst & Kohle“ 2018 im Ruhrgebiet. Im Zentrum für Internationale Lichtkunst war eine vergrößerte Fassung der Neonskulptur ein halbes Jahr lang in Unna zu sehen. Und jetzt Alsdorf.

Nicht nur Ramaekers selbst ist „froh und dankbar“, dass ihr Werk nun eine „temporäre Heimat“ im Energeticon gefunden hat. Auch Bürgermeister Alfred Sonders und Energeticon-Geschäftsführer Thomas König sowie die offiziellen Vertreter aus Kerkrade, Vize-Bürgermeister Tim Weijers und Jo Schlangen, unter anderem Wethouder für Kultur, äußerten ihre Freude über eine kulturelle Brücke, die über die Grenze hinweg geschlagen wird – auch angesichts der gemeinsamen Kohlevergangenheit. „Man muss wissen, wo man herkommt, wenn man wissen möchte, wo man hin will“, verdeutliche Sonders. Und Schlangen bekundete: „Wir sind stolz auf Diana Ramaekers.“ Die Herkunft präge den Menschen, das dürfe man nicht vergessen, konstatierte auch er und erinnerte an die Grube Domaniale in Kerkrade, in der schon vor 50 Jahren die letzte Kohle gefördert worden war. In den Schacht Nulland, so warb er am Rande, ist am kommenden Sonntag von 11 bis gegen 18 Uhr zum Tag der offenen Tür geladen. Anna 2 in Alsdorf indes, auf deren Fläche jetzt regelmäßig „Mijn Berg“ erglühen wird, wurde 1983 als erste Zeche in Deutschland geschlossen. Und mit Prosper Haniel im vergangenen Jahr die letzte.

Besonderer Dank aller Beteiligten galt Josef Zentis, dem Ehrenvorsitzenden des Alsdorfer Kunstvereins, der letztlich die Kontakte zwischen Künstlerin Ramaekers und dem Energeticon geknüpft hatte.

Der Alsdorfer Kunstverein ist Mitinitiator des seit 1997 alle drei Jahre ausgeschriebenen Stipendiums „Kunst für Alsdorf“. Und „Mijn Berg“ erreichte im vergangenen Jahr hinter den als Bergmannsfußabdrücke konzipierten Geschichtsplatten den zweiten Preis, war aber so beeindruckend, wie Sonders darlegt, dass man sich entschieden habe, das Werk dauerhaft auszustellen. Was letztlich auch mit Hilfe von Sponsoren möglich wurde.

Im Energeticon zu erleben ist „Mijn Berg“ dienstags bis sonntags, 11 bis 17 Uhr. (bea)

www.energeticon.de/

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