Alsdorf: Kommt das Rathaus bald zum Bürger statt umgekehrt?

Behördengänge : Kommt das Alsdorfer Rathaus bald zum Bürger?

Der sogenannte Bürgerkoffer könnte Alten und Kranken den ein oder anderen Behördengang ersparen. Die Junge Union hat in Alsdorf nun einen entsprechenden Antrag gestellt. Vorbilder sind die Städte Stolberg und Düren, wo man den Bürgerkoffer schon hat - und nicht mehr hergeben möchte.

Jauchzen und Jubelschreie lösen Anträge, die vom behördlich verwalteten Bürger auf dem Amt zu stellen sind, nicht aus. Das haben sie noch nie. Eher als lästiges Übel empfunden hat sich der junge gesunde Mensch aus fehlendem Anlass bisher wahrscheinlich selten Gedanken darüber gemacht, dass die Beantragung eines neuen Personalausweises oder einer Meldebescheinigung eine nicht unerhebliche Hürde bedeuten kann – für Alte, Kranke, Gehbehinderte.

Keine zusätzliche Schulung

Ob sich das Sinnieren darüber nicht lohne, jenen Amtskunden mit eingeschränkter Bewegungsfreiheit das Leben ein wenig einfacher zu machen, fragte sich die Junge Union in Alsdorf und traf bei der Recherche auf ein Angebot in Düren und Stolberg. Auch dort kommt der Bürger in der Regel zum Amt, allerdings kann das Amt ausnahmsweise auch mal zum Bürger kommen – mit einem Koffer in dem alles enthalten ist, um etwa bestimmte Anträge zu stellen.

„Wir haben uns mit dem ehemaligen Bürgermeister in Stolberg, Tim Grüttemeier, unterhalten, weil wir wissen wollten, wie viel Mehraufwand die Arbeit mit einem solchen Bürgerkoffer verursacht“, sagt Lena Pütz, Vorsitzende der Jungen Union Alsdorf. Unter Grüttemeiers Ägide als erstem Bürger der Stadt war der mobile Bürgerservice in Stolberg noch initiiert worden.

Die Auskunft, die sie bekamen, ist aus ihrer Sicht ein weiteres Argument, ein solches Angebot auch in Alsdorf zu schaffen: Für die Arbeit mit dem Koffer seien keine zusätzlichen Schulungen nötig, um die Hausbesuche bei den Bürgern kümmerten sich dieselben Mitarbeiter, die entsprechende Aufgabe auch stationär im Bürgerbüro übernähmen. Große Investitionen seien für die Schaffung eines derartigen Angebots ebenfalls nicht nötig, zumindest was die Anschaffung des Bürgerkoffers angeht. In Stolberg seien seinerzeit 10.000 Euro dafür im Haushalt eingeplant worden, die jedoch nicht ausgeschöpft werden mussten, erzählt Pütz von einer entsprechenden Auskunft aus Stolberg.

Anfang vergangener Woche hat die Junge Union nun einen Antrag auf „Einrichtung eines mobilen Bürgerservices“ an Bürgermeister Alfred Sonders gesendet mit der Bitte, den Vorschlag wohlwollend zu prüfen. Benötigt würde eine Ausstattung mit Laptop, Drucker, Kamera und einem Fingerabdruckscanner, um Anträge für Personalausweise, Wohnsitzanmeldungen oder Meldebescheinigungen unterwegs bearbeiten zu können.

Erfolgsgeschichte in Düren

Das Beispiel Düren zeigt, wie die Praxis aussehen kann. Dort reicht ein Anruf beim Amt aus: Namen hinterlassen, Anliegen und die eigene Telefonnummer hinterlassen, und das Team des mobilen Bürgerservice meldet sich schnellstmöglich, um einen Termin zu vereinbaren. Das Angebot ist dort eine Erfolgsgeschichte. Seit November 2016 war ein Bürgerkoffer zunächst angemietet worden, um ihn für ein paar Monate zu testen. Der Probelauf verlief so positiv, dass die Stadt den Koffer im Anschluss gekauft hat.

Steigende Nachfrage in Düren

Gleich zu Beginn der Testphase waren sechs Anliegen mobil bearbeitet worden, im März 2017, nicht einmal ein halbes Jahr später, waren es bereits 18, im Mai darauf 23. Der Service war damals außerdem in Seniorenheimen, bei Hausärzten und ambulanten Pflegediensten vorgestellt worden – denn auch dorthin kommt das mobile Bürgerbüro bei Bedarf.

Das könnte in nicht allzu ferner Zukunft auch in Alsdorf so sein, wenn die Politik sich auf die Umsetzung einigen kann, denkbar auch hier vorläufig in einer Testphase. Die Chancen auf Umsetzung könne sie nicht wirklich einschätzen, sagt Pütz. In der Vergangenheit sei der Erfolg von Anträgen der Jungen Union überschaubar gewesen.

Der Weg zum Rathaus bleibt bis zur Entscheidung aus ebendiesem Gebäude also erst einmal für alle Bürger gleich – egal, wie gut oder schlecht sie zu Fuß sind.

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