Alsdorf: Facebook-Gruppe „AlsStones“ sorgt für bunte Funde in der Stadt

Facebook-Gruppe „AlsStones“ : Bunte Steine für eine schönere Stadt

Beim Internet-Trend „AlsStones“ geht es darum, kleine Kunstwerke für andere zu verstecken. Zuletzt gab es einen brisanten Fund.

Für Melissa Behamberger gehört das Bemalen von Steinen zur täglichen Routine – und damit ist sie gewiss nicht allein. Mit rund 2800 Menschen tauscht sich die Alsdorferin regelmäßig in der Facebook-Gruppe „AlsStones – Städteregion Aachen“ über ihr Hobby aus. Es geht darum, Steine bunt anzumalen und draußen für andere auszulegen. Ein Foto, das dann bei Facebook gepostet wird, soll für andere einen Hinweis geben, wo der Stein liegt, ähnlich wie bei einer Schnitzeljagd. Wer einen kleinen „bunten Schatz“ findet, postet ebenfalls ein Bild in die Gruppe.

Behamberger gehört zum Administratoren-Team und verwaltet die Gruppe, die zunächst nur für den Raum Alsdorf angelegt war. Weil der Internethype aber weit über Alsdorf hinausgeht und Mitglieder aus der ganzen Region hinzukamen, erweitere man schließlich das Gebiet.

„Ich habe einfach Spaß dabei, Steine zu gestalten und so die Stadt zu verschönern“, sagt Behamberger. „Man kann sehr kreativ sein und den Kopf abschalten. Aber vor allem ist es auch eine schöne Sache für die Kinder“, ergänzt die siebenfache Tante. Mit ihren Neffen und Nichten, die größtenteils im Grundschulalter sind, malt sie häufig zusammen und geht dann in die Natur, um die kleinen Kunstwerke auszulegen. „Wir sind dann viel draußen und die Kinder hängen nicht ständig am Handy, sondern bewegen sich an der frischen Luft“, sagt Behamberger. Sie gehe mittlerweile mit offeneren Augen durch die Stadt und sei aufmerksamer, was ihre Umgebung betrifft.

Wie die Steine bemalt werden, ist jedem selbst überlassen. Sie sollen nur möglichst mit umweltverträglichen Farben verziert und nicht mit Glitzer, Wackelaugen oder Stickern bestückt werden. Auch sollen die Steine nur im öffentlichen Raum ausgelegt werden, aber beispielsweise nicht auf Autos, Friedhöfen oder Denkmälern. Auch die unmittelbare Nähe zu Gewässern sollte aus Sicherheitsgründen vermieden werden.

Zuletzt sorgten die Gruppe sowie das Hobby für Aufsehen, weil an einem ausgelegten Stein eine Tablette angeheftet worden war. Nach einer Analyse der Polizei stellte sich heraus, dass es sich um Ecstasy handelte. In der Gruppe wurde sofort eine Warnung herausgegeben und über den Vorfall informiert.

„Ich wurde als erstes angeschrieben, dass die Tablette gefunden wurde. Ich war richtig geschockt, dass so etwas bei uns in der Stadt vorgekommen ist“, sagt die 23-Jährige. Sie informierte auch andere Gruppen, und von einigen sei sie beschimpft worden, dass es sich hierbei bestimmt um Falschinformation handele. Ein Irrtum, wie sich später herausstellte.

Der Großteil der Gruppenmitglieder zeigte sich ob des Fundes entsetzt und verärgert. „Jetzt müssen wir auch noch aufpassen, dass die Mäuse keine Steine alleine aufheben“, schreibt eine Nutzerin und macht sich Sorgen, um die Kinder, für die die „Stones“ eigentlich eine lustige Freizeitbeschäftigung sein sollen. Die Polizei rät, Kinder über solche Gefahren aufzuklären.

Bis auf diesen Fall von Anfang Oktober wurden keine weiteren Vorfälle bekannt. Ermittlungen gegen gegen Unbekannt seien eingeleitet worden, teilt die Polizei mit. Hinweise auf den oder die Täter gibt es bislang nicht. So können die Ermittler auch noch nichts zu einem möglichen Hintergrund sagen. „Völlig offen ist deshalb, ob es sich um eine gezielte Drogenübergabe oder um einen dummen, gefährlichen Scherz handelt“, erklärt Polizeisprecher Paul Kemen.

Sollte sich so ein Vorfall wiederholen, sei es am besten, den Stein liegen zu lassen und sofort die Polizei zu rufen, rät er. Die Zusammensetzung und konkreten Substanzen der aufgeklebten Ecstasy-Tablette könnten Hinweise auf den oder die Täter geben.

Trotz dieses Zwischenfalls hält der Hype um die Steinsuche an, nicht nur im Nordkreis. „Ich glaube, der Erfolg solcher Gruppen liegt am Zusammenhalt. Jeder freut sich über die Steine der anderen, die Bilder und vor allem darüber, wenn man etwas findet“, sagt Behamberger. Das Gefühl von Gemeinsamkeit, das einander fremde Leute teilen, trage zum Erfolg bei. Ein Stein aus dem Hause Behamberger habe es sogar bis nach Ostfriesland geschafft. Manche Steine landen aber auch in den Wohnzimmern anderer, denn so mancher möchte besonders schöne Exemplare behalten.

Grundsätzlich sei das auch in Ordnung, dann sollte das aber in der Gruppe kommuniziert werden. Und so kann sich jeder ein kleines Stück des Internet-Trends nach Hause holen.

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