Alsdorf: Avos-Mitarbeiter demonstrieren im Gewerbegebiet

„Wir sind am Ende!“ : Avos-Mitarbeiter demonstrieren im Alsdorfer Gewerbegebiet

Mit Trillerpfeifen, Bannern und Fahnen ausgerüstet: Rund 70 Mitarbeiter der Firma Avos, ehemals bekannt unter dem Namen Cinram, sind am Freitag in Alsdorf auf die Straße gegangen, um ihre Löhne einzufordern.

Özcan Fettah weiß, wie es ist, jeden Tag zur Arbeit zu gehen und dennoch jeden Monat auf seinen Lohn zu warten. „Man muss immer wieder ans Limit gehen, man bittet Verwandte um Hilfe, man bittet Bekannte um Hilfe, man geht in den Dispokredit“, sagt er. Fettah wohnt in Eschweiler und heuerte 2005 bei der Firma Cinram in Alsdorf an, die vor zwei Jahren im Rahmen eines Insolvenzverfahrens durch die Firma Avos übernommen wurde. CDs und DVDs werden schon lange nicht mehr hergestellt, Avos macht in Logistik und betreibt eine Druckerei. Die, die dort arbeiten, erhalten ihr Gehalt schon seit dem vergangenen Jahr immer unregelmäßiger.

Fettah hat noch an die 250 Kollegen, denen es ähnlich geht wie ihm, rund 70 von ihnen gingen am Freitag im Alsdorfer Gewerbegebiet auf die Straße. Von der Joseph-von-Fraunhofer-Straße aus, wo die Avos-Druckerei liegt, zogen die Demonstranten durch das Gewerbegebiet, ausgestattet mit Trillerpfeifen, Fahnen und Plakaten. „Spart euch die Lügen! Bezahlt uns Lohn“, war da  zu lesen. Oder: „Habe Arbeit, brauche Geld“. Oder: „Fridays for Money“. Oder: „Wir sind am Ende!“. Özcan Fettah fragt: „Wie kann es sein, dass man die Firma einfach so weiterlaufen lässt?“

Diese Woche hatte unsere Zeitung öffentlich gemacht, dass rund zwei Jahre nach der Cinram-Insolvenz auch der Nachfolger Avos in Schieflage geraten zu sein scheint. Die Löhne werden immer unregelmäßiger ausgezahlt, es gibt mittlerweile Angestellte, die vorgeben, nicht mehr nur auf ein, sondern auf zwei Monatsgehälter zu warten. Bei einigen, die freigestellt wurden, sollen es sogar drei sein. Am Arbeitsgericht in Aachen stapeln sich die Klagen. All das sind Hinweise darauf, dass die Firma überschuldet ist. Ein Insolvenzantrag wurde nach allem, was man weiß, bisher nicht gestellt, weder durch die Firma selbst noch durch andere Akteure wie Krankenkassen oder Finanzamt, die dazu ebenfalls berechtigt wären, sollten auch sie kein Geld bekommen.

„Alle fassen Avos mit Samthandschuhen an in der Hoffnung, dass die Situation sich doch noch bessert“, sagte am Freitag Jörg Erkens von der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE). „Für die Mitarbeiter wird die Situation dadurch aber eher noch schlimmer.“ Denn würde Insolvenz angemeldet, spränge die Arbeitsagentur ein und würde Insolvenzgeld zahlen. So aber setzt die zermürbende Situation sich fort: Die Belegschaft geht Monat für Monat arbeiten. Und sie wartet Monat für Monat auf ihr Geld. „Hoffnung hat ihr kaum noch einer“, sagt Jörg Erkens.

Eine weitere Betroffene ist Martina Müller aus Übach-Palenberg. Sie ist dem Betrieb sogar schon seit 1988 treu, seit mehr als 30 langen Jahren. So schlimm wie momentan sei es nicht einmal bei der Cinram-Insolvenz 2017 gewesen, sagt sie. „Ich komme nur noch arbeiten, weil mir die Kunden leidtun, die mit runtergezogen werden. Und für die Kollegen.“

Das Unternehmen ignorierte diese Woche mehrere Anfragen unserer Zeitung vollständig. Damit blieb auch die Frage, ob Avos insolvent ist oder eine Insolvenz zumindest droht, unbeantwortet. Auch Gewerkschaftssekretär Erkens und die Belegschaft beklagen, dass Kommunikation kaum mehr stattfinde. Einen Hinweis darauf, dass die Überschuldung droht, hat das Unternehmen trotz aller Intransparenz selbst gegeben. In einem aus drei Sätzen bestehenden Schreiben an die Belegschaft von September, das unserer Zeitung vorliegt, steht, dass man auf den Eingang eines Eigentümerdarlehens warte. Eigentümerdarlehen werden in aller Regel dann erbeten, wenn eine Überschuldung droht, sie haben kapitalersetzenden Charakter. Ob das Darlehen zwischenzeitlich gewährt wurde, ist unklar.

Falls dem so sein sollte, hat es jedenfalls nicht die wünschenswerten Auswirkungen nach sich gezogen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Alsdorfer Avos-Mitarbeiter fordern ausstehende Löhne ein

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