Alsdorf: Zu wenig Landesförderung für Familienprojekte

Alsdorf : Absage aus Düsseldorf sorgt für großen Frust

Keine Landesförderung: Sechs von sieben beantragten Projekten zur Unterstützung von Kindern aus benachteiligten Familien in Alsdorf sind abgelehnt worden. Das sorgt für entsprechende Verärgerung.

„Ich hoffe, es ist deutlich geworden, wie verärgert ich bin.“ Wenn der Leiter eines städtischen Referates solch einen Satz zu den Mitgliedern eines politischen Ausschusses sagt, dann muss dem schon eine gewisse Frustration zugrunde liegen. Dem widerspricht Manfred Schmidt auch gar nicht. Der Leiter von Alsdorfs Referat Jugend, Schulen und Sport ist unzufrieden mit einer Entscheidung des Ministeriums für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes NRW. Von sieben Projekten, für die sich die Stadt um eine Förderung beim Land beworben hatte, wurden sechs abgelehnt. Mit einer Begründung, die Schmidt nicht wirklich nachvollziehen kann. Als die ehemalige NRW-Landesregierung das Programm „Starke Quartiere – starke Menschen“ auflegte, wollte sie damit die „präventive und nachhaltige Entwicklung von Quartieren und Ortsteilen“ erreichen, Armut und Ausgrenzung bekämpfen. Städte und Gemeinden sollten sich um eine Förderung bewerben, wenn sie entsprechende Projekte planten. Dass man Passendes im Portfolio hat, überlegte sich auch die Stadt.

Klarer Entwicklungsbedarf

Folgerichtig wurden mehrere Projekte eingereicht mit dem Ziel, für die Umsetzung finanzielle Unterstützung vom Land zu erhalten. Der Rat hatte im Mai 2017 ein integriertes Handlungskonzept (InHK) „Starkes Quartier Alsdorf-Mitte“ im Rahmen des Landesaufrufs beschlossen, darüber hinaus aber Entwicklungsbedarf mit Blick auf frühkindliche Entwicklung und die Unterstützung von Kindern und Jugendlichen aus benachteiligten Familien ausgemacht. In der Folge wurden diverse Projekte entwickelt, gemeinsam mit unterschiedlichen Trägern, die Jugendliche etwa bei der vorberuflichen Orientierung unterstützen, den schulischen Bildungsweg von Kindern aus benachteiligten Familien verbessern oder schulische und berufliche Qualifizierungschancen von Schülerinnen und Schülern und ihres sozialen Umfeldes mit Risikofaktoren stärken sollen. Allein, der Plan misslang. Größtenteils jedenfalls. Schmidt: „Die Projekte, die wir eingereicht haben, sind vom Land nicht als förderwürdig anerkannt worden.“ Genauer gesagt: von sieben im Rahmen des InHK mit diversen Trägern entwickelten Projekten wird nur eines die erhoffte Förderung aus Düsseldorf erhalten. Es handelt sich um das Projekt „PräBeBi – Prävention durch Beratung und Begleitung für eine sichere Bindung“. Träger ist der Sozialdienst katholischer Frauen (SkF). Die Zielgruppe sind junge Mütter mit „problematischem biographischen oder bildungsfernen Hintergrund“, wie es in einer Vorlage für den Jugendhilfeausschuss heißt, sowie alleinerziehende oder werdende Eltern ab der 32. Schwangerschaftswoche. Im besten Fall, so die Hoffnung, könnten mit dem Angebot Problemlagen durch eine frühe Elternschaft vermieden, zumindest jedoch reduziert werden. Es ist ein Angebot das, ebenso wie die anderen sechs, angelegt ist, Kinderarmut zu vermeiden. Für Schmidt ist das eindeutig erkennbar. Kinderarmut entstehe nicht automatisch und nicht nur in Familien mit geringem Einkommen. Dafür könnten auch andere innerfamiliäre Verhältnisse verantwortlich sein. „In dem Moment, in dem diese Familien beraten, entlastet, begleitet werden, ist das garantiert ein Mittel, das sich eignet, Kinderarmut zu vermeiden“, stellt der Referatsleiter fest. Umso unverständlicher, dass die Begründung zur Ablehnung des Großteils der eingereichten Anträge war, die Projekte eigneten sich eben nicht dazu, Kinderarmut zu bekämpfen. „Wir werden mit dem Ministerium diesbezüglich noch einmal den Kontakt suchen.“

Genereller Mangel

Nicht der einzige Umstand, der Schmidt im Zusammenhang mit der Landesförderung Sorgenfalten auf die Stirn treibt. Es gibt aus seiner Sicht einen generellen Mangel im System. Weil gerade die Kommunen, die sich in einem Haushaltssicherungskonzept (HSK) befänden oder Mitglied im Stärkungspakt seien, den zu leistenden Eigenanteil kaum aufbringen könnten oder bei Einplanung der Mittel von der Kommunalaufsicht einen Klaps auf die Finger bekämen, könne Geld „am wenigsten dahin fließen, wo es am nötigsten ist“.

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