Alsdorf: Zeitzeuge Jack Aldewereld berichtet in der Gesamtschule

Erschütternder Zeitzeugenbericht: Zeitzeuge Jack Aldewereld berichtet in der Gesamtschule

Jack Aldewereld aus Brunssum hat seine jüdischen Eltern nie kennengelernt. Er wurde als Säugling versteckt, während seine Eltern im Dritten Reich bei einer Razzia der Nationalsozialisten verhaftet und deportiert wurden ...

Jack Aldewereld ist wahrlich niemand, der auf den Mund gefallen ist. Der patente Herr aus Brunssum liebt die Unterhaltung, das Miteinander. Als Sohn jüdischer Eltern überlebte er die Schrecken der nationalsozialistischen Besatzung nur dank der selbstlosen Hilfe von Freunden und Nachbarn.

Zeitlebens hat ihn diese Erfahrung nicht losgelassen. Seit Jahrzehnten erforscht und enthüllt er die Schicksale zahlloser Menschen jüdischen Glaubens, die in Brunssum während der Nazi-Herrschaft gequält, verfolgt und ermordet wurden. Auf Einladung von Bürgermeister Alfred Sonders traf sich Aldewereld am Jahrestag der November-Pogrome mit Schülern der Gustav-Heinemann-Gesamtschule zum regen Austausch.

Im Zuge der langjährigen Städtepartnerschaft zwischen Alsdorf und Brunssum hatten sich Sonders und Aldewereld kennen und schätzen gelernt. Der Einladung folgte der Holocaust-Überlebende gerne – Worte und Interaktion würden laut seiner Aussage mehr bewirken, als das bloße Aneignen von Wissen aus Schulbüchern.

Aldewereld begann mit einer kleinen Einführung in die Geschichte aus der Sicht seiner Heimatstadt. Die Besetzung der Niederlande durch die Wehrmacht verursachte eine Lebensmittelrationierung, die die normale Bevölkerung hart traf. Auch die niederländische Gesellschaft sei gespalten gewesen – viele Landsleute meldeten sich freiwillig zur Wehrmacht oder denunzierten jüdische Mitmenschen. „Viele wurden von der ersten Minute an zu Mittätern“, mahnte Aldewereld.

Er selbst hatte Glück: Als er ein Säugling war – geboren im März 1943 –, erfolgte in seinem Elternhaus eine Razzia durch die Nationalsozialisten. Mutige Nachbarn versteckten den kleinen Jack und bewahrten ihn so vor der Deportation. Seine Eltern aber konnte der Junge nicht mehr kennenlernen, sie wurden in Vernichtungslagern ermordet. Zwei Brüder, eine Schwester und er selbst überlebten den Genozid.

Neben zahlreichen Andenken und Quellenmaterialien hatte Aldewereld auch drei unscheinbare Besteckteile mitgebracht. Das Silber seiner Eltern hatten Nachbarn aufbewahrt und übergaben es ihm nach dem Krieg.

Während seine Schwester nie über den Krieg reden wollte, hat es sich Jack zur Lebensaufgabe gemacht, das jüdische Schicksal nachzuzeichnen. Auch viele Jahrzehnte nach Ende des Krieges gibt es immer noch neue Entdeckungen. Erst kürzlich erreichte ihn ein Dokument der Regierung, welches Informationen über das Leben seiner Eltern enthielt.

Aldewereld mahnte seine Zuhörer, dass auch nach einer so langen Zeit immer noch Kinder in der Welt Hunger und Gräuel ertragen müssen. Man solle nie das aktuelle Elend in Syrien, dem Jemen oder in Afrika vergessen. „Es ist nie zu spät, sich gegen Ungerechtigkeit und Not auf der Welt zu stellen.“

Einladung nach Brunssum

Seine Berichte fesselten die Schüler – er hätte mit Sicherheit noch Stunden weiter erzählen können. Dafür lud er die versammelte Gruppe spontan nach Brunssum ein. Am 4. Mai kommenden Jahres können sich Interessierte auf den Weg ins Nachbarland machen und zusammen mit den Brunssumern den niederländischen Gedenktag für die Opfer des Zweiten Weltkriegs begehen.

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