E-Bikes zum Ausleihen: Alsdorf will Velocity-System einführen

E-Bikes zum Ausleihen : Alsdorf will Velocity-System einführen

Viele Nachfragen kamen aus der CDU, viele Bedenken aus der BfA-Fraktion: Doch letztlich stimmten alle gemeinsam dem Beschluss zu. Lange und sehr präzise hatte Florian Zintzen, Manager bei Velocity Aachen, das Projekt „Aufbau eines interkommunalen E-Bike-Sharingsystems“ erläutert. Das wird nun auch durch die Städte Alsdorf und Baesweiler angestrebt und ist im Rahmen des Förderprojekts „Kommunaler Klimaschutz NRW“ ausgeschrieben.

Der Alsdorfer Ausschuss für Stadtentwicklung hatte die Projektvorstellung jetzt auf die Tagesordnung genommen. Unter Vorsitz von Heinrich Plum (SPD) erfuhr der Ausschuss, dass für Alsdorf insgesamt zwei Velocity-Standorte mit je zwölf Stellplätzen und zehn Pedelecs vorgesehen sind. Die Stationen verfügen über ein sicheres Buchungssystem sowie über eine Lademöglichkeit an jedem Stellplatz.

Gemäß der Förderantragssystematik wird Velocity mit der Errichtung beauftragt und ebenfalls mit dem Betrieb der Stationen während der Projektlaufzeit von drei Jahren betraut. Während dieser Zeit wird die Stadt Alsdorf Eigentümerin der Stationen sein. Danach übernimmt Velocity die Stationen und die Unterhaltung für mindestens zehn Jahre. Weiter, so sieht es das Konzept vor, sollen Synergieeffekte genutzt werden, indem zehn Karten für Mitarbeiter der Stadt Alsdorf zur kostenlosen dienstlichen Nutzung der E-Bike-Stationen bereitgestellt werden. Gerade an diesem Punkt rieb sich Norbert Dovern (BfA). Er sieht darin eine mögliche und unerlaubte Vorteilsnahme für die Nutzer.

Florian Zintzen hatte zuvor unterstrichen, es handele sich um ein stationsbasiertes System, das komplett mit E-Bikes ausgestattet sein wird. Die gesamte Hard- und Software habe das von ihm vertretene Unternehmen Velocity selbst erstellt. Er ist sicher, „irgendwann wird das Projekt Geld abwerfen“.

Der Zugang zu den Rädern erfolgt über eine Smart-Card und eine App. Die Fahrräder, auch das stellte Zintzen heraus, seien „extrem komfortabel“. Es müssen lediglich zwei Bremsen und eine Klingel bedient werden. Die Räder haben keine Gangschaltung. Erfahrungen habe das Unternehmen bereits aus 120 aufgebauten Stationen. Zintzen: „Das ganze System ist fernsteuerbar. Die Registrierung erfolgt online.“ Vorgesehen ist zudem, keine Grundgebühren zu berechnen, lediglich die Nutzungsgebühr (1,50 Euro für 30 Minuten) werde erhoben. Verschiedene Modelle seien dabei möglich. So könnten beispielsweise Monats- oder Jahresabos abgeschlossen werden.

Das von Zintzen als „sehr spannendes und charmantes Projekt“ beschriebene Modell sei in sehr enger Zusammenarbeit mit der Stadt Aachen entstanden. Zintzen stellte außerdem die Sicherheitsaspekte und die Umweltfaktoren heraus. „Ziel ist es, die Leute vom Pkw aufs Fahrrad zu bekommen.“

Während Franz Brandt (CDU) die Praktikabilität und Anwendungsweise des kompletten Systems mehrfach hinterfragte, konnte sich Dovern ganz und gar nicht mit dem propagierten Schutz der Umwelt durch E-Bikes anfreunden. Das Thema Akku griff er auf und klagte an, es werde eine Werbeveranstaltung vorgenommen, die der Steuerzahler letztlich zu tragen habe. Gerade die (überwiegend im Ausland hergestellten Akkus) „sind ein großes Thema“.

Als mögliche Standorte für die E-Bike-Stationen sind der Bahnhofsplatz und das Rathaus in Alsdorf vorgesehen. Unter Berücksichtigung einer möglichen Förderung wurden für den 2018er-Haushalt Alsdorfs 105.000 Euro eingestellt. Inzwischen sind die Gesamtkosten auf 160.000 Euro gestiegen. Davon trägt Alsdorf — das erklärte die Technische Beigeordnete Susanne Lo Cicero-Marenberg eingehend — lediglich 10 Prozent Eigenanteil, also 16.000 Euro. Das mochten einige Politiker nicht so ganz verstehen. Einstimmig nahm der Ausschuss die Ausführungen zur Kenntnis und beauftragte die Stadt, den Aufbau von zwei Sharing-Stationen im Stadtgebiet weiter zu verfolgen.

(mas)
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