Alsdorf: Tennisclub Rot-Weiß 1919 feiert 100-jähriges Bestehen

Tennisclub Alsdorf Rot-Weiß 1919 : Seit 100 Jahren Spiel, Satz und Sieg

Den Tennisclub Alsdorf Rot-Weiß 1919 e.V. gibt es seit einem Jahrhundert und ist damit der älteste Tennisclub im Nordkreis. Der Verein steht vor großen Herausforderungen für die Zukunft.

Wenn die Zahl der Mitglieder so hoch ist, dass ein Aufnahmestopp droht, dann stimmt die Vorstandsarbeit im Club. Wenn Kids von ihren Eltern eigentlich um 16 Uhr abgeholt werden sollten, am Ende aber alle – Kinder und Eltern – bis in den Abend bleiben, dann stimmt das Klima im Club. Wenn in einem Jahr zehn Mannschaften aufsteigen, dann stimmt es auf sportlicher Ebene im Club. Überhaupt muss in einem Club viel stimmen, wenn er seit 100 Jahren besteht – so wie der Alsdorfer Tennisclub Rot-Weiß 1919, über den all das Vorangestellte bereits viel sagt.

Könnte der Vorstand des ältesten Tennisclubs im Nordkreis im Jahr des großen Jubiläums also glücklicher kaum sein? „Ja und nein“ lautet die Antwort des 1. Vorsitzenden Roland Hilgers. Vieles ist prima gelaufen und tut es nach wie vor. Der Club hat sich aus schwierigen Zeiten, die man auch am Bodelschwinghweg erlebt hat, aus eigener Kraft wieder berappeln können. Aber es gibt für die nahende Zukunft noch ein, zwei größere Fragezeichen, die Hilgers und sein Vorstandsteam umtreiben.

Nach der Flaute wieder Höhenflug

Der Blick auf die Mitgliederzahlen freut. Es droht der Aufnahmestopp, weil die Plätze aus allen Nähten platzen. Bei mehr als 250 steht man derzeit. Hilgers kann sich an andere Zeiten erinnern, als mit unter 100 Mitgliedern noch viel Luft nach oben war. Nach der großen Flaute war das, als Steffi und Boris nicht mehr spielten und Tennis irgendwie vom Radar verschwand, massiv an öffentlicher Aufmerksamkeit einbüßte. Auf der anderen Seite wurde das Freizeitangebot immer größer und der Sport musste mit immer mehr Angeboten konkurrieren.

Als die Mitgliederzahlen sanken, war Hilgers bereits im Vorstand. Damals, erinnert er sich, habe der Verein vor der Entscheidung gestanden, überhaupt noch einmal alle sechs Plätze instandsetzen zu lassen. Obwohl man die laufenden Kosten schon drastisch reduziert hatte, reichten die Einnahmen aus Mitgliedsbeiträgen nicht aus, um kostendeckend arbeiten zu können. Die Zeiten, als der „weiße Sport“  ein Sport für Reiche war, sind passé. Zum Glück, meint Hilgers, kann heute jeder mitmachen. Allerdings hat das auch Auswirkungen auf die Finanzierung. Die schwarze Null über Beiträge kann man mit vielen Mitgliedern vielleicht erreichen. Zusätzliche Angebote, für Kinder etwa, und der Ausbau des Vereins ließen sich aber nur mit Hilfe von Sponsoren realisieren, denen Hilgers dafür sehr dankbar ist.

Zwei-Komponenten-Trendwende

Die Trendwende für Rot-Weiß hatte zwei Komponenten: 2014 übernahm Hilgers den Vorsitz. „Als sich der Verein in eine falsche Richtung entwickelte und dem allgemeinen Abwärtstrend in der Sportart folgte, habe ich es als meine Pflicht und Herausforderung angesehen, den Verein wieder in die richtige Richtung zu lenken und dem allgemeinen Negativtrend im Tennissport gegenzuhalten.“ Natürlich sei das keine One-Man-Show und nur mit dem Vorstandsteam machbar. Die gesunde Mischung aus Alt und Jung sei von großem Vorteil, man habe die Erfahrung der Alten und die Ideen und Energie der Jüngeren.

Der dann eingeschlagene Weg erwies sich als goldrichtig: Mehr als Tennis bieten und eine konsequente Ausrichtung auf die Clubmitglieder, und zwar von Kindesbeinen an, um wieder mehr Menschen für den Verein zu gewinnen. Von den mittlerweile über 250 Mitgliedern sind mehr als 70 Kinder. „Wir sind wie eine große Familie und pflegen das Clubleben enorm – durch Sommerpartys, Aufstiegspartys, Zelten mit den Kindern.“ Kindertennis und Seniorentennis spielen eine sehr große Rolle. Aktuell geht Hilgers mit dem Gedanken schwanger, sogar Tennis für Behinderte anzubieten. Die Ausrichtung schlägt sich nieder: „Ich merke das an vielen neuen Mitgliedern, die aus anderen Vereinen zu uns kommen. Die sind total begeistert und sagen: ‚Man ist gerade mal drei, vier Wochen im Club und fühlt sich schon mittendrin.‘ Bei anderen Vereinen scheint es das so nicht zu geben.“

Es gebe viele Vereine, die deutlich mehr Mitglieder haben – aber mit Karteileichen könne man schlecht arbeiten. „Unser Club lebt. Wir haben zum Beispiel für Kinder ein Angebot in den Ferien. Das geht morgens um 9 Uhr los mit einem kleinen Snack, danach können die Kids spielerisch Tennis lernen, mit ein bisschen Wettkampf und Technikschule. Dann gibt es jeden Tag mit allen 30 Kindern ein gemeinsames Mittagessen. Gegen 16 Uhr werden sie eigentlich abgeholt, aber wenn die Eltern kommen, kriegen sie die Kinder nicht von der Anlage runter. Die sind dann oft um 20 oder 21 Uhr immer noch hier ... total Tennis-verrückt. Das schöne ist: Die Eltern finden sich dann auf der Terrasse ein, trinken zusammen etwas. Da sind schon viele neue Freundschaften entstanden.“

Eine historische Aufnahme aus längst vergangenen Tagen: gleicher Verein, aber anderer Standort und andere Mode. Foto: Tennis-Club Alsdorf Rot-Weiß 1919 e.V.

Die Breiten- und Freizeitsportler, die Familien sind das stabile Fundament des Clubs, auf dem das leistungsorientierte Tennis aufbaut. 22 Mannschaften hat der Club gemeldet. Die Herren 30 spielt Regionalliga, vier Mannschaften sind in Verbandsligen unterwegs, im laufenden Jahr sind zehn Mannschaften aufgestiegen. An der Stelle kommt Komponente 2 ins Spiel, die dem Club zu einem neuen Höhenflug verhalf: Tomas Behrend, ehemaliger Davis-Cup-Spieler und einstige ATP-Nummer 74, eröffnete seinen Stützpunkt bei Rot-Weiß. „Ein großes Glück für uns“, sagt Hilgers. Behrend hatte und hat in Tenniskreisen einen riesen Namen und der Einzug mit seiner Tennis-Academy bei Rot-Weiß habe den Verein deutlich nach vorne gebracht.

Und die Vision für die Zukunft des Vereins? Die hängt von einer ganz wesentlichen Entscheidung ab. Die kommenden Jahre werden für den Verein spannend, in traditioneller Manier, könnte man mit Blick auf die Geschichte (siehe Box) sagen: Es wird um den Standort gehen. Ein Großteil des Geländes gleich hinter dem Luisenbad hat die Stadt Alsdorf von der evangelischen Kirche gepachtet, Rot-Weiß ist Unterpächter bei der Stadt. Der Pachtvertrag läuft im Dezember 2027 aus. „Bis dahin ist es nicht mehr so sehr lange“, sagt Hilgers.

Eine wichtige Frage für den Club

Bislang sei der Vertrag nicht verlängert worden. Allerdings hängt für Rot-Weiß viel von der Frage ab, ob man am aktuellen Standort bleiben kann, vor allem mit Blick auf nötige Investitionen. Sollte die Kirche den Pachtvertrag tatsächlich nicht verlängern, und danach sehe es im Moment aus, gebe es eine Variante B. „Ich bin mit Bürgermeister Alfred Sonders im Gespräch. Er hat früher bereits gesagt, sich für uns einsetzen zu wollen und ich nehme ihn da auch beim Wort.“ Mit der Stadt gebe es außerdem einen rechtskräftigen Vertrag, der besagt, dass, wenn der Pachtvertrag für das aktuelle Gelände aufgekündigt wird, sie im Gegenzug in genau dieser Größenordnung inklusive Clubhaus für Ersatz sorgen muss. „Dem werden sie auch nachkommen“, ist Hilgers sicher.

Ein Standortwechsel könnte wohl Vorteile haben, weil man vielleicht wieder Platz habe zu wachsen und damit mehr Menschen, die bei Rot-Weiß Tennis spielen wollen, das zu ermöglichen. „Wir sähen es aber auch mit einem weinenden Auge. Das ist hier ein Filetgrundstück in Alsdorf, die Anlage ist super, wir haben hier so viele Feste und Erfolge gefeiert, hier ist so viel Asche und sind so viele Schläger rumgeflogen – da hängen wir natürlich dran.“ Dennoch müsse man realistisch sein: Die Stadt könne ein Grundstück in einer solchen Lage ganz anders vermarkten – gerade mit Blick auf das Nachbargrundstück, auf dem noch das Luisenbad steht, das mittelfristig aber abgerissen wird. „Ich mache mir für die Zukunft trotzdem keine existenziellen Gedanken. Die Stadt hat mit dem Vertrag eine Verpflichtung, uns eine passendes Sportanlage zur Verfügung zu stellen, ich habe das Wort von Alfred Sonders und niemand wird 250 sportbegeisterte Tennisspieler, darunter 70 Kinder, in eine ungewisse Zukunft schicken.“

Sollte Rot-Weiß hinter dem Hallenbad bleiben können, wird der Vorstand sich überlegen müssen, wie man dringend anstehende Arbeiten an Gelände und Inventar anpackt. „Wir müssten an die Duschen mal ran, an die Terrassen auch“, sagt Hilgers. Und die Plätze sind in keinem guten Zustand, weil in der Vergangenheit nie das Geld dagewesen sei, um bei der Frühjahrsinstandsetzung die alten Ascheschichten abzutragen. Stattdessen sei immer nur eine neue aufgetragen worden. Etwa 35.000 Euro koste es allein, die wieder vernünftig hinzubekommen.

Geld, dass der Verein einfach nicht hat. „Das wird er auch in fünf Jahren nicht haben. Aus eigener Kraft können wir das nicht stemmen.“ Vor kurzem ist ein Netzpfosten in sich zusammengeklappt, weil er durchgerostet war, die Netze sind teilweise kaputt, das kostet alles Geld – „aber man bekommt keine Unterstützung“. Jedem Fußballverein werde ein neuer Kunstrasenplatz vom allerfeinsten hingestellt, der Club aber sei auf Gönner angewiesen.

Nach nun 100 Jahren läuft es rund bei Rot-Weiß, auch wenn es keinen Anlass gibt, sich auf dem Erreichten auszuruhen. Das aber wolle im Club auch niemand, weder Mitglieder noch Vorstand, sagt Hilgers. „Nur so kommt man zum Erfolg, den Verein nicht nur zu erhalten, sondern auszubauen.“

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