Alsdorf: Langjähriger SPD-Landtagsabgeordneter Hans Vorpeil gestorben

Langjähriger Landtagsabgeordneter Hans Vorpeil gestorben : „Er war ein Kämpfer für unsere Sache“

Große Trauer herrscht im Aachener Nordkreis: Der langjährige und hoch engagierte Landtagsabgeordnete Hans Vorpeil ist nach langer schwerer Krankheit gestorben. Er wurde 82 Jahre alt.

Wenn man ihm in den vergangenen Monaten begegnete, zum Beispiel am Rande einer Karnevalssitzung, dann machte man sich doch ein wenig Sorgen. Dünn war er geworden, gezeichnet von einer schweren Krebsoperation. Und doch war der Blick im Gespräch immer nach vorne gewandt. Ein Optimist. Ein Kämpfer halt. In der Politik. Wie im Leben. Nun ist das sozialdemokratische Urgestein, der ehemalige langjährige Landtagsabgeordnete Hans Vorpeil, gestorben, bereits in der vergangenen Woche, im Alter von 82 Jahren.

Alsdorfs Bürgermeister Alfred Sonders (r.) verlieh Hans Vorpeil im Januar 2012 die Ehrenbürgerrechte. Foto: Wolfgang Sevenich

Soziales Engagement

Aus seinem letzten gewichtigen Amt hat sich Vorpeil erst zum 31. Januar dieses Jahres zurückgezogen, bis dahin war er 34 Jahre lang Vorsitzender des von ihm mitgegründeten Vereins für allgemeine und berufliche Weiterbildung (VabW). Bis 2020 wollte er noch Mitglied des Vorstands bleiben. Und seinem Nachfolger weiterhin mit Rat und Tat zur Seite stehen. Jetzt ist er schon vorher abberufen worden.

Die gute Integration beruflich Benachteiligter war ihm wichtig.Vorpeil engagierte sich auch als Schöffe und in der Arbeiterwohlfahrt, war Mitglied in vielen sozialen, caritativen und gesellschaftlichen Verbänden. Für sein soziales Engagement ehrte ihn der SPD-Unterbezirk 2006 mit der Kurt-Koblitz-Medaille.

Doch Hans Vorpeil hat noch viel mehr bewirkt. 20 Jahre lang vertrat er den Aachener Nordkreis im Landtag, mit Sachverstand, Vehemenz – und nachhaltigem Erfolg. Landtagsabgeordnete Eva-Maria Voigt-Küppers (Würselen/SPD) fasst zusammen: „In seine Zeit als Abgeordneter fiel das Ende der Steinkohle und damit der größte Umbruch, den das Wurmrevier seit Kriegsende erfahren musste.“ Diesen Strukturwandel habe Vorpeil „mit großem Ehrgeiz, mit Fleiß und viel Geduld“ mitgestaltet und so maßgeblich dazu beigetragen, „dass Alsdorf, Baesweiler, Herzogenrath und Würselen gestärkt aus dem Ende der Steinkohle hervorgegangen sind“. Auf sein persönliches Wirken hin sei 1987 das Landeskabinett unter Ministerpräsident Johannes Rau in die Region gekommen, um sich einen Eindruck davon zu machen, welche Bedeutung die Kohle für das Wurmrevier hatte.

Zum früheren Ministerpräsidenten und späteren Bundespräsidenten Johannes Rau (r.) pflegte Hans Vorpeil (3.v.l.) eine lange Freundschaft. Foto: Wolfgang Sevenich

Motor des Strukturwandels

Seinem unermüdlichen Einsatz entsprechend groß ist die Anteilnahme im Nordkreis: „Hans Vorpeil ist Ehrenbürger der Stadt Alsdorf, er war aber nicht nur für seine Stadt, sondern für etliche Städte im ehemaligen Kohlerevier Motor des Strukturwandels“, betont Alsdorfs Bürgermeister Alfred Sonders, Parteifreund und langjähriger Wegbegleiter. Ohne Vorpeil hätte es keinen Technologiepark in Alsdorf, Herzogenrath oder Baesweiler gegeben, so Sonders. Besonders geschätzt habe er dessen Akribie und Fleiß sowie die uneingeschränkte Einsatzbereitschaft: „Hans Vorpeil war nicht nur mit Rat zur Stelle, sondern vor allem auch mit Tat.“

Gute Beziehungen hatte Hans Vorpeil (2.v.r.) auch zu Norbert Blüm (2.v.l.), damals Bundesarbeitsminister, der zur letzten Schicht auf Emil Mayrisch am 18. Dezember 1992 nach Siersdorf kam. Foto: Wolfgang Sevenich

Besonders in Erinnerung geblieben sei ihm, so Sonders, ein Satz, den Johannes Rau seinerzeit bei einem Besuch in Alsdorf gesagt habe: „Hans Vorpeil kann man durchs Fenster hinausschmeißen, der kommt garantiert durch die Tür wieder rein.“

Diesen Einsatz lobt auch Professor Dr. Willi Linkens, Bürgermeister in Baesweiler: Vorpeil habe sich stets für die Städte im Nordkreis engagiert, „auch für die, die nicht SPD-geführt waren. Das habe ich ihm immer hoch angerechnet.“ Mancher Förderantrag sei in Düsseldorf wohl deshalb so rasch positiv beschieden worden, weil man wusste, dass Vorpeil mit seiner vehementen Art sowieso keine Ruhe geben würde. Linkens weiter: „Er war ein Kämpfer für unsere Sache und ein toller Mensch, mit dem ich mich sehr gut verstanden habe.“

Über Parteigrenzen hinweg

Dass der „Vollblutpolitiker“ Vorpeil es über Parteigrenzen hinweg verstanden habe, „Menschen zusammenzubringen“, erkennt auch Christoph von den Driesch an, Bürgermeister in Herzogenrath: „Insbesondere hat er 1989 mit dafür gesorgt, dass auf dem Gelände der Grube Laurweg der Technologiepark Herzogenrath entstehen konnte, der bis heute das Symbol erfolgreicher Strukturwandelpolitik für die Region ist.“ Und: „Wenn wir heute den Umbau der L223 erleben, dann verweise ich gerne darauf, dass Hans Vorpeil als MdL dafür gesorgt hat, dass dieser Umbau in den Straßenbedarfsplan des Landes kam, das war 2004.“ Vor kurzem noch, so von den Driesch, sei er bei Vorpeils Verabschiedung vom VabW dabei gewesen: „Ich hätte ihm sehr gegönnt, nun endlich einen erfüllten Unruhestand zu erleben.“

Im Januar 2009 wurde Vorpeil mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet. Überreicht durch den damaligen Landrat Carl Meulenbergh, der sich am Dienstag von der Todesnachricht ebenfalls betroffen zeigte: „Die politische Zusammenarbeit mit Hans Vorpeil war über viele Jahre sehr gut und sehr ausgewogen. Das habe ich stets geschätzt.“

Auch Professor Bernd Mathieu, ehemaliger Chefredakteur unserer Zeitung, würdigt Hans Vorpeil: „Wir waren gemeinsam Ehrenlöwen der Stadt Baesweiler und Ehrenmitglieder der Alsdorfer Prinzengarde. Was für eine Persönlichkeit; denn Hans Vorpeil sagte stets ohne jedes Brimborium, was er tun würde, und tat, was er gesagt hatte. Auf sein Wort, sein Engagement, seinen Rat, seine Gradlinigkeit und seine großartige Haltung war immer Verlass.“

Seine Erinnerungen aufgeschrieben hat Hans Vorpeil auch, in einem vor gut einem Jahr erschienenen 72 Seiten starken Buch. Bewusst keine Memoiren, vielmehr eine Dokumentation über den Strukturwandel der ehemaligen Bergbaustadt zum Wirtschaftsstandort sollte es sein. Titel: „Wie Phoenix aus der Asche“. Nur 75 Stück hat er auflegen lassen, in der Stadtbücherei, so sagte er damals im Gespräch mit unserer Zeitung, werde man Exemplare finden können.

In aller Stille

Hans Vorpeil wird in aller Stille und Zurückhaltung im engsten Familienkreis beigesetzt. Es sei sein ausdrücklicher Wunsch gewesen, bittet die Familie um Verständnis.

Irgendwie passt das zu ihm. Zu diesem unermüdlichen Macher, der sich um die Region und ihre Menschen verdient gemacht hat. Er wird fehlen. Sein Rat. Und seine Tat.

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