Alsdorf: Begau und Warden warten auf schalltechnische Berechnungen

In Begau und Warden : Keine Bewegung in der Lärmschutzfrage an der A44

Seit drei Jahren warten Begau und Warden an der A44 auf eine neue schalltechnische Berechnung von Straßen NRW. Auf eine Kleine Anfrage im Landtag kommt eine Replik, die wenig zufriedenstellend ist.

Motorgeräusche auszumachen, ist nicht wirklich möglich in Begau, unmittelbar an der Autobahn 44. Es ist ein ständig präsentes Rauschen, das in sich leicht verändernden Intervallen durch die Straßen der Siedlung hallt. Der Strom an Fahrzeugen reißt nie ab. Zwar gibt es Lärmschutzwände, die viele der Anrainer soweit vor dem Lärm schützen, dass gesetzlich vorgeschriebene Grenzwerte eingehalten werden. Das gilt aber – zumindest des Empfinden nach – nicht für alle Bewohner Begaus und Wardens.

Über weitere Lärmschutzmaßnahmen wird bereits seit Jahren diskutiert. Anwohner verlangen sie, wendeten und wenden sich in ihrem Verdruss an das Rathaus. Bürgermeister Alfred Sonders vergeht nach drei Jahren, in denen eine versprochene neue schalltechnische Messung vom Landesbetrieb Straßen NRW immer wieder verschoben wird, in diesem Thema langsam die gute Laune. Im Düsseldorfer Landtag wurde innerhalb kurzer Zeit die zweite Kleine Anfrage in der Sache gestellt.

Wenig überzeugend

Bereits am 5. Dezember hatte die SPD-Landtagsabgeordnete Eva-Maria Voigt-Küppers die Landesregierung gefragt: „Wann werden die Anwohner in Alsdorf-Begau vor dem Lärm der BAB 44 geschützt?“ Durch den Ausbau der einstigen Bundesstraße zur Autobahn befinde sich zum einen die Wohnbebauung ungewöhnlich nah an der Trasse, gleichzeitig sei die Lärmbelastung durch den zunehmenden Verkehr drastisch gestiegen. Die Antwort von NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst – aus Voigt-Küppers Sicht wenig überzeugend.

Sie lautet auf die Fragen, ob die Landesregierung eine Notwendigkeit von Lärmschutzmaßnahmen an entsprechender Stelle sieht und wann die schalltechnische Berechnung durchgeführt werde: Eine solche Messung im Jahr 2014 habe „Auslösewerte der Lärmsanierung“ nur an wenigen Gebäuden ergeben. „Die Herstellung von aktiven Lärmschutzmaßnahmen stand aufgrund der geringen Anzahl der Überschreitungen in keinem Verhältnis zum Schutzzweck.“ Oder mit anderen Worten: Unter zu viel Lärm leiden Menschen dort zu selten, um für Schutz zu sorgen. Eine neue lärmtechnische Berechnung werde der Landesbetrieb Straßenbau NRW „in Kürze“ durchführen. Eine Interpretation, was „in Kürze“ bedeutet, wäre vor dem Hintergrund, dass die Stadt auf die Berechnung schon seit bald drei Jahren wartet, reine Kaffeesatzleserei.

„Wir sind immer wieder bei Straßen NRW vorstellig geworden“, sagt Sonders, „aber wir kommen nicht weiter.“ Er vermutet, dass der Landesbetrieb den Zeitpunkt der Messung hinauszögern will, bis der Ausbau des Autobahnkreuzes Aachen abgeschlossen ist, in der Hoffnung, dass die Lärmwerte sich anschließend positiv verändern. „Aber warum nicht eine Messung jetzt und nach Fertigstellung des Kreuzes eine Vergleichsmessung?“ Beim Landesbetrieb war am Freitag niemand erreichbar, der sich zu dem Thema äußern wollte.

In der Antwort zur ersten kleinen Anfrage von Voigt-Küppers hieß es außerdem, über mögliche Maßnahmen und deren Umsetzungszeitraum könne erst entschieden werden, wenn Ergebnisse von aktualisierten lärmtechnischen Berechnungen vorlägen. Rosige Aussichten. Und eine Antwort, die weiterhin im Unklaren darüber lässt, was gemacht wird und wann es gemacht wird. „Die Situation ist für uns unbefriedigend“, sagt Sonders.

Das ist sie auch für Voigt-Küppers, die nach den Ausführungen der Landesregierung gleich eine weitere Kleine Anfrage im Landtag gestellt hat – noch einmal konkreter als die erste. Sie lautet: „Wann wird die schalltechnische Berechnung durchgeführt (bitte mit Angabe von Jahr und Monat)?“ Die Antwort auf die Anfrage vom 14. Januar steht noch aus.

Probleme an den Rändern

Probleme mit dem Lärm hätten weniger die Menschen, die unmittelbar hinter der Wand wohnten, sagt Sonders. Die seien relativ gut geschützt. Anders sehe das an den Rändern aus, dort, wo die Schallschutzwände enden und der Lärm zu den Seiten in die Wohngebiete drängt. Und weiter hinter den Wänden, über den der Schall seinen Weg in einem Bogen nehme. Welche Maßnahmen ergriffen werden könnten, um dem Problem beizukommen, müsse gutachterlich festgestellt werden. Vielleicht Flüsterasphalt oder eine Geschwindigkeitsbegrenzung. Vielleicht längere Schallschutzwände. Vielleicht aber auch gar nichts. „Bestimmte Grenzwerte muss man tolerieren“, sagt Sonders.

Alles hänge von den Ergebnissen der Berechnungen ab, die deshalb nun endlich vorgenommen werden müssten. Damit die Anwohner Klarheit darüber haben, was passiert und wann es passiert. Selbst, wenn Grenzwerte überschritten werden, wird der Zeitpunkt für die Umsetzung weiterer Maßnahmen im Anschluss von der Einstufung der Dringlichkeit und der Platzierung auf der Prioritätenliste für Maßnahmen dieser Art bestimmt.

Dass auch in dieser Hinsicht wieder Geduld nötig ist, steht für Sonders außer Frage. Aber selbst, wenn es heißt, Begau und Warden können erst 2023 mit zusätzlichen Schallschutzmaßnahmen rechnen – „dann hätten wir endlich Klarheit“.

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