Alsdorf: „aix:Art“: Vom Theater zurück in die Arbeit

Alsdorf: „aix:Art“: Vom Theater zurück in die Arbeit

Der 32-jährige Roland B. ist sich sicher. „Doch, dieses Projekt bringt mir sehr viel. Ich sehe meine Situation nun aus einer anderen Perspektive und will mich beruflich jetzt auch anders orientieren.“ Roland B. ist einer der 20 Teilnehmer des Projekts „aix:Art — Arbeit, Rat & Tat“, das derzeit in Alsdorf in den Räumen des VabW in Alsdorf läuft.

Das Projekt wird in Kooperation mit dem finanziellen Förderer, dem Jobcenter, dem VabW und defakto durchgeführt. Die Frauen und Männer im Alter zwischen 28 und 52 Jahren gelten als Langzeitarbeitslose, sind im Durchschnitt zehn Jahre ohne Anstellung und daher schwer noch zu vermitteln, wie Sandra Jung, Maßnahmebetreuerin vom Jobcenter erklärt. Ziel von aix:Art ist — wie bei den meisten Angeboten dieser Art auch — die Wiedereingliederung der Teilnehmer in die Gesellschaft und in den ersten Arbeitsmarkt, doch geht das Projekt einen ungewöhnlichen Weg: „Über das Theaterspielen, dem Gestalten und Mitgestalten sollen die Beteiligten sich selbst entdecken, Zutrauen gewinnen“, erklärt Uwe John, Theaterpädagoge und Regisseur des Stückes „Die Gesellschaft eine Schere — der geplatzte Traum einer Generation“, das die Truppe auch zur Aufführung bringen wird.

In dem Theaterstück werden textliche Vorgaben mit biografischen Erlebnissen der Teilnehmer kombiniert, so dass es letztlich eine Gemeinschaftsproduktion aller ist.

Doch Theaterspielen ist nicht alleiniger Inhalt des achtmonatigen Projekts. Außerdem werden die Langzeitarbeitslosen ganz intensiv betreut und beraten. Julia Kalder vom VabW macht sich in dieser Zeit auf die Suche nach Praktikumsstellen, Kollegin Melissa Steinz coacht die Teilnehmer und begleitet sie bei ihren Bewerbungen. Erstes Ziel ist es, die Mitglieder in ein zweimonatiges Praktikum zu vermitteln. Auch in Berufen, die sie vorher nicht auf der Agenda hatten. „Die Teilnehmer sollen herausfinden, ob es für sie auch in eine ganz andere Richtung gehen kann, über neue Potenziale, die sie durch das Projekt in sich entdeckt haben“, erklärt VabW-Geschäftsleiter Frank Numan. Roland B. etwa ist gelernter Maler- und Lackierer, hat vor vier Jahren seine Anstellung verloren, weil sein Arbeitgeber den Betrieb schließen musste, dann ging es auch privat bei Roland B. bergab: „Es gab viel Scheiß mit der Familie.“ Diese Zeiten sind nun vorbei, hofft er. „Das Projekt bietet mir neue Chancen und Perspektiven“, sagt er.

Er kann sich nun, ganz ab vom handwerklichen Beruf, die Arbeit mit behinderten Menschen gut vorstellen und hofft jetzt auf ein Praktikum. Die Aussichten für den gelernten Handwerker sind dabei gar nicht schlecht. In vergleichbaren Projekten konnten bis zu 40 Prozent der Teilnehmer in sozialversicherungspflichtige Jobs vermittelt werden, ein weiterer Teil ging in Qualifikationsmaßnahmen. „Das ist eine tolle Bilanz: Wir müssen uns schließlich vor Augen halten, dass diese Kunden nach vielen Jahren der Arbeitslosigkeit wieder integriert werden müssen. Es handelt sich hier um Menschen, bei denen andere Maßnahmen nicht erfolgreich waren“, erläutert Sandra Jung das finanzielle Engagement des Jobcenters in dieses Projekt.