Herzogenrath/Würselen: AG Wurmtal fordert: Waldflächen nicht bewirtschaften

Herzogenrath/Würselen: AG Wurmtal fordert: Waldflächen nicht bewirtschaften

Die Mischung aus Fachvorträgen und Berichten über die eigene Naturschutzarbeit im Wurmtal war auch diesmal Garant für eine gut besuchte und erfolgreiche Jahresversammlung der Arbeitsgemeinschaft Wurmtal. Vize-Vorsitzender Dr. Hans-Jürgen Weyer mahnte bei der Begrüßung eine stärkere Unterstützung der Naturschutzarbeit durch die Politik an.

Der Politik fehle es oftmals an Mut, sich zum Naturschutz nicht nur verbal, sondern auch durch Taten zu bekennen.

Eine wertvolle Arbeit: AG-Vorsitzender Günter Kalinka führte auch Leser unserer Zeitung im Rahmen der Sommer-Aktionen durch das Wurmtal. Foto: Georg Pinzek

Dr. Henrike Körber stellte die heimischen Fledermausarten vor, zeigte ihre Lebensgewohnheiten und die Möglichkeiten zum Schutz der bedrohten Arten auf. Die heimischen Arten seien in ihrer Existenz bedroht, weil sich ihr Lebensraum verkleinert und ihre Ruhestätten oftmals durch Unwissenheit zerstört würden. Alte Bunker und Bergbauhinterlassenschaften, aber auch einfache Mauerritzen dienten ihnen als Schlaf- und Ruheorte sowie als Winterquartiere.

Schon allein durch das Betreten beispielsweise einer Höhle, in denen Fledermäuse überwintern, könnten die Tiere derart gestört werden, dass sie nicht überlebten. Mit den vielen Windkraftanlagen, die im Zuge der Förderung der regenerativen Energien in die Landschaft gestellt würden, sei eine neue Gefahr für die Fledermäuse aufgekommen.

Hier sei besonderes Augenmerk auf den richtigen Standort zu legen. Ein falscher Standort für Windkraftparks sei für die Fledermäuse eine tödliche Falle. Umsiedlungen von Fledermauskolonien seien bisher meist nicht gelungen. Auf großes Interesse stießen die vorgestellten Möglichkeiten, beispielsweise durch einfache bauliche Maßnahmen den kleinen Tieren Ruhestätten zu bieten.

Ein großes Arbeitspensum

Der Vorsitzende der AG Wurmtal, Günter Kalinka, schilderte die Besonderheiten der Arbeit der Naturschützer, die nahezu alle aus Herzogenrath und Würselen stammen. Im vergangenen Jahr stand insbesondere die Arbeit auf den vom Verein gepachteten und gekauften Flächen im Vordergrund der Tätigkeit.

Naturschutz nur vom Schreibtisch aus, so wichtig dies auch sei, sei nicht machbar. Der direkte Kontakt zur Natur, zum Beispiel durch Führungen, Bestandsaufnahmen, Einzäunungen, Anbringen von Nistkästen und deren Kontrolle, Säuberungen und vieles mehr, sei nicht nur wichtiger Bestandteil der Naturschutzarbeit, sondern ohne die Arbeit in der freien Natur würden auch die für die Motivation notwendigen Erfolgserlebnisse fehlen.

Diese seien auch sehr nötig, so Kalinka, denn an Rückschlägen mangele es nicht. So war die Gruppe auch in den zurückliegenden Monaten stark mit den verheerenden Rodungen im Wald des Naturschutzgebietes Wurmtal beschäftigt. Auch hier gilt es, die Politik zu motivieren. Kalinka wiederholte die Forderung des Naturschutzes, mindestens zehn Prozent des Waldes gänzlich aus dem Wirtschaftsbetrieb herauszunehmen.

Auf eine Zeitreise in die ferne Vergangenheit nahm Dr. Franz Richter in seinem Vortrag über die Entstehung der heimischen Steinkohle die Zuhörer mit. Dr. Franz Richter ist Geologe und war bis zu seiner Pensionierung vor wenigen Monaten beim Geologischen Dienst Nordrhein-Westfalens in Krefeld tätig.

Mit anschaulichen Bildern zeigte er die Verteilung von Land und Meer während der geologischen Formation des Karbons. Das Karbon begann vor etwa 350 Millionen Jahren und endete vor rund 290 Millionen Jahren. Nahezu die gesamte Steinkohle auf der Welt wurde gegen Ende des Karbonzeitalters gebildet. Die Zuhörer waren verblüfft, als sie erfuhren, dass zu dieser Zeit das heutige Westdeutschland auf der Höhe des Äquators lag.

Entsprechend heiß war das damalige Klima. Besonders beeindruckten Abbildungen von Versteinerungen aus dieser Zeit, so zum Beispiel der größten jemals existierenden Libellenart, die eine Flügelspannweite von über 70 Zentimeter erreichen konnte. Ebenso verblüfften die gezeichneten Abbildungen der damaligen Wälder, in denen bereits Farne wuchsen, die sich kaum von den heutigen Arten unterscheiden. Die Vorträge brachten viele neue Erkenntnisse und Anregungen.

(fs)