Herzogenrath: Ärger mit der Knappschaft: Der Kampf um einen Rollstuhl

Herzogenrath: Ärger mit der Knappschaft: Der Kampf um einen Rollstuhl

Das Sozialgericht hat Franz-Josef Voss einen Multifunktionsrollstuhl zugesprochen. Doch die Knappschaft will nicht zahlen. Sein rechtes Bein wurde über-, sein linkes unterhalb des Knies amputiert. Rechts ist er halbseitig gelähmt, zudem Dialysepatient.

Die Krankengeschichte von Franz-Josef Voss liest sich schlimm genug. Er lebt seit sechs Jahren im Seniorenheim „Am Bockreiter” und möchte nur eines: Den Tag ohne Schmerzen durchstehen, am Leben teilhaben. Letzteres ist allerdings ein Problem, zumal Voss seit mehr als einem Jahr mit der Deutschen Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See um einen Multifunktionsrollstuhl kämpft.

Dieser wurde ihm laut Urteil des Sozialgerichts Aachen von November 2009 zugesprochen. Doch bis heute wartet der 69-Jährige auf das für ihn so wichtige Hilfsmittel. Ingrid Kremer, seine Betreuerin vom Vormundschaftsgericht, ist es langsam leid. „Ich habe öfter mit der Knappschaft zu tun. Es gibt immer nur Ärger.” Für sie ist die Art und Weise, wie mit Franz-Josef Voss umgegangen wird, nicht mehr nachvollziehbar.

Schon im Januar 2009 wurde dem Pflegebedürftigen der Multifunktionsrollstuhl verordnet. Es folgte ein Hin und Her von Ablehnung durch die Knappschaft, Widerspruch durch Ingrid Kremer, bis hin zum jüngsten Urteil. De facto sitzt Franz-Josef Voss immer noch in seinem alten, reparaturbedürftigen Rollstuhl, der vor allem durch die nicht ausreichende Breite der Sitzfläche zu Schmerzen in den Beinstümpfen führt. „Ich bin froh, wenn ich abends um 19 Uhr ins Bett gehen kann. Nach zwölf Stunden sitzen im Rollstuhl schmerzt einfach nur noch alles.”

Franz-Josef Voss hat die Pflegestufe II, ist aber geistig noch absolut fit. „Dadurch, dass er mit diesem Rollstuhl nicht das Haus verlassen kann, ist seine Lebensqualität komplett eingeschränkt. Er ist im Seniorenheim gefangen”, sagt Ingrid Kremer. Selbst mit der Hilfe einer weiteren Person wäre es dem Senior unmöglich, in diesem Gefährt seine Umgebung zu erkunden. Dies sei viel zu gefährlich, da die Sitzfläche zu kurz sei und Voss aus dem Rollstuhl herausrutschen könnte, erklärt sie weiter.

So sah es auch das Gericht. Durch eine Vielzahl gesundheitlicher Störungen sei Voss in seiner Mobilität und in den Aktivitäten des täglichen Lebens gravierend beeinträchtigt. Aufgrund der Halbseitenlähmung sei er weder in der Lage, einen Rollstuhl aus eigener Kraft zu bewegen, noch sei es ihm möglich, den vorhandenen Elektro-Rollstuhl sicher im Straßenverkehr zu führen, heißt es in der Urteilsbegründung. Dabei wäre neben der Schmerzfreiheit ein wenig Mobilität ein großer Wunsch von Franz-Josef Voss: „Ich würde sehr gerne einmal nur bis zum Markt fahren können, um einen Bratfisch zu essen.”

Ingrid Kremer erhebt weitere Vorwürfe gegen die Knappschaft: Diese habe im vergangenen Jahr das aktuelle Rollstuhlmodell gegen eines ersetzen wollen, das Voss aus eigener Kraft bewegen sollte - und dies halbseitig gelähmt. Auch wartet er noch auf die Erstattung der außergerichtlichen Kosten. Die hat laut Urteil ebenfalls die beklagte Knappschaft zu tragen.

Zu einer Stellungnahme zeigte sich auf Anfrage die Knappschaft nicht bereit. Diese teilte durch die Pressestelle lediglich mit, dass gegen das Urteil des Sozialgerichts Widerspruch eingelegt wird und daher innerhalb eines laufenden Verfahrens keine Auskunft erteilt werden könne.

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