Alsdorf: ABBBA spielt in der Luisenpassage

Alsdorf: ABBBA spielt in der Luisenpassage

Noch geht es recht beschaulich in der in weiten Teilen leerstehenden Luisenpassage im Alsdorfer Zentrum zu. Nahe dem Eingang am Henningsdorfer Platz sitzen ein paar ältere Alsdorfer gemütlich in der Außengastronomie einer Bäckerei am Tisch, trinken Kaffee und sprechen über gute alte, aber auch über bessere neue Zeiten.

Die sind jetzt gewiss, denn die Bezirksregierung in Köln hat per „vorzeitigem Maßnahmebeginn” grünes Licht für die Vorbereitungen des Umbaus der Luisenpassage gegeben. Die Träger des Projekts ABBBA werden in die zur Verfügung stehende Ladenlokale einziehen und das Konzept „Soziale Stadt” mit Leben und Angeboten füllen.

ABBBA steht hierbei nicht etwa für die Wiederauferstehung einer schwedischen Kultband mit einem zusätzlichen fünften Musiker, sondern für „Alsdorfer Bildungs-, Beratungs- und Begleitungs-Angebote”, wie Manfred Schmidt vom Jugendamt der Stadt erläutert. Hinter ihm und seinen Kollegen Günter Thimm und Rosi Steiner liegt eine Menge Arbeit, und ein weiterer Berg an Aufgaben will nun erledigt sein.

Noch vor ein paar Monaten schien das ehrgeizige Vorhaben zum Scheitern verurteilt, nachdem die große Politik die Förderkriterien mal kurzerhand geändert hatte. Aber in enger Kooperation mit der Bezirksregierung Köln und dem „politischen Raum” gelang es, eine neue Förderkulisse zu bauen. Das hat jetzt die Aufsichtsbehörde davon überzeugt, den „vorzeitigen Maßnahmenbeginn” zu erlauben.

Rund 750.000 Euro werden für den Umbau der Ladenlokale in Büroflächen aufgebracht. Davon steuert die Stadt 150 000 Euro bei, der Löwenanteil sind Mittel aus dem Stadterneuerungsprogramm des Landes NRW. Maßgeblich beteiligt ist laut Schmidt die MWM-Planungsgruppe in Aachen. Der Architekt muss nun die Maßnahmen konkret fassen. „Wir hoffen, dass wir den gültigen Förderbescheid bis Ende des Jahres haben”, sagt Schmidt.

Spätestens im Frühjahr sollen die Umbauarbeiten beginnen. Das Vorhaben ist natürlich mit dem Eigentümer der Luisenpassage, der Archon Group Deutschland GmbH in München, abgeklärt. Nun gilt es, die mit den 13 Trägern von ABBBA vorbereiteten Verträge zu schließen und den gleichnamigen Trägerverein zu gründen, beschreibt der Mann vom Jugendamt die nächsten Schritte. Bis zum Jahresende soll das Quartiermanagement personell besetzt sein (zwei Personen), unterstützt von einer Verwaltungsfachkraft. Schließlich wollen die Aktivitäten der Träger von ABBBA in der Luisenpassage koordiniert und gegenüber dem Fördergeber nachvollziehbar dokumentiert sein.

Die ganze Alsdorfer Bevölkerung und auch das Umland werden von ABBBA profitieren, ist sich Schmidt sicher. Ein eindeutiger Beweis dafür ist zum Beispiel der geplante Einzug der Verbraucherberatung, die derzeit noch an der Bahnhofstraße untergebracht ist. Diese Einrichtung erfreut sich einer regen Nachfrage quer durch die gesamte Bevölkerung. „Die neuen Räume stellen einen Quantensprung für diese wichtige Einrichtung dar”, freut sich der Verwaltungsmitarbeiter.

Zu den Einrichtungen, die ABBBA mit Leben füllen werden, gehört laut Schmidt der evangelische Kindergartenverein Eva (Familienzentren Alsdorf-Mitte und Ofden), der dort Elternberatung hochbegabter Kinder anbieten soll. Das Diakonische Werk Aachen in Kooperation mit der Pfarre St. Castor organisieren ein Müttercafé, das sich an eine besonders junge Klientel wendet. Vor Ort wird auch ein Streetworker-Büro eingerichtet, mit diskretem Außenzugang.

Das DRK will sich laut Jugendamtsmitarbeiter um die Beratung von Eltern mit Kindern kümmern, die Handicaps haben. Der Sozialdienst katholischer Frauen, so der Plan, kommt mit dem Projekt Familienpaten und dem Programm Via Lingua (Förderung der Sprachkompetenz in Familien). Natürlich will auch der Verein für Berufliche und Allgemeine Weiterbildung (VABW) aktiv werden.

Gedacht ist wohl an eine spezielle Servicekraft mit eigenem Café, wie Schmidt ausführt. Engagiert sein werden demnach auch die evangelische Kirchengemeinde Ofden, die Katholische Arbeiternehmer Bewegung (KAB), die Frauen für die Erwerbsarbeit stärken will, sowie der Verein zur Förderung der Caritasarbeit (Elternführerschein, vorschulische Sparförderung) und der Caritasverband (Jugendmigrationsdienst, Bildungsmentoren und -paten). Zudem wird auch der Staatsanwalt vor Ort in der Luisenpassage ein Büro haben.

Abgerundet wird das breit gefächerte Betreuungs- und Beratungsangebot mit Konferenz- und Tagungsräumen - „auch für andere Vereine und Verbände”, wie Manfred Schmidt betont. Synergieeffekte verspricht man sich mit der benachbarten Agentur für Arbeit, der Fachstelle gegen häusliche Gewalt und dem Café Baustein (Suchtberatung) im ehemaligen und nahen Globus-Center. „Wir realisieren hier kurze Wege und können so praktisch Ratsuchende an die Hand nehmen”, sagt Schmidt.

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