Aachen: Kleinkind erblindet, Mutter vor Gericht

Schütteltrauma : Kleinkind erblindet, Mutter vor Gericht

Der heute zweieinhalbjährige Junge wird wohl blind bleiben. Das tragische Schicksal des Kindes ist nach Ansicht der Ärzte durch ein Schütteltrauma verursacht worden. Deswegen muss sich seit Mittwoch die 27-jährige Mutter des Jungen, der bei einer Pflegefamilie untergebracht ist, vor dem Aachener Schwurgericht wegen des Vorwurfs des versuchten Totschlags verantworten.

Der 31-jährige Vater und Ehemann der Angeklagten erklärte auf die bohrenden Nachfragen des Vorsitzenden Richters Roland Klösgen in einer herzzerreißenden Zeugenaussage: „Ich kann mir das überhaupt nicht vorstellen. Sie war immer liebevoll mit dem Kleinen, so wie auch mit den beiden anderen Kindern.“ Und weiter: „Daran zerbricht unsere Ehe“. Die beiden anderen Kinder, beide im Kindergartenalter, leben bei der Mutter. Sie hat im Prozess bislang keinen Kommentar zu den Vorwürfen abgeben, ihre Anwältin hat ihr Schweigen verordnet. Bei den Vorermittlungen hatte sie die Vorwürfe abgestritten.

Doch woher stammen die schweren Verletzungen in beiden Hirnhälften, die der kleine Junge am frühen Nachmittag des 19. Dezember 2016 erlitt? Die behandelnden Kinderärzte im Aachener Uniklinikum schlugen bei der Einlieferung des damals gut drei Monate alten Babys Alarm, nachdem sie beidseitig Blutergüsse im Kopf festgestellt hatten. Das Kind wurde umgehend notoperiert und auf der Intensivstation weiterbehandelt.

Im Prozess schilderte am Mittwoch eine Anzahl behandelnder Ärzte des Kindes ihre Einschätzung, dass der Junge bei den routinemäßigen Untersuchungen U3 und U4, die kurz vorher stattgefunden hatten, völlig gesund gewesen sei, einzig ein grippaler Infekt hatte den Kleinen im kalten Winter erwischt. Bei der Einlieferung am 19. Dezember 2016, veranlasst durch die Notarzt-Crew, sah die Diagnose jedoch bedrohlich aus, wie der Leitende Oberarzt der Kinderklinik, Dr. Mark Schoberer, dem Gericht erläuterte.

Geschwollene Fontanelle

Man habe an der geschwollenen Fontanelle, dem bei Kleinstkindern noch weichen Bereich zwischen den beiden Hirnhälften, bemerkt, dass da etwas nicht stimme. Weitere Untersuchungen bestätigten die schlimmen Befürchtungen. Bereits bei der Not-OP habe man bemerkt, dass das Augenlicht des Kindes kaum bis gar nicht mehr vorhanden war. Eine Vertreterin des Jugendamtes bestätigte im Gericht, dass der Junge vermutlich für immer blind bleibe, sich ansonsten aber gut entwickele.

Die Kammer wird am Freitag, 15. März (9 Uhr Landgericht), zu entscheiden haben, ob die Mutter die Verletzungen verursacht hat. Ein Schöffengericht hatte den Fall im Herbst abgegeben, im Schwurgericht erfolgte dann die Anklage wegen versuchten Totschlags.

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