Alsdorf: „7x Sommer“: Leser werfen Blick hinter Tierpark-Kulissen

Alsdorf : „7x Sommer“: Leser werfen Blick hinter Tierpark-Kulissen

Drei Euro Parkgebühr und wahlweise ein paar Groschen für fertiges Tierfutter. Dass der traditionsreiche Alsdorfer Tierpark nur mit diesem Erlös und einigen weiteren Spenden seinen Besuchern unentwegt so viele schöne Stunden in der Natur bieten kann, wirkt beinahe unmöglich.

Tierparkleiter Stefan Heffels gewährte Lesern unserer Zeitung im Zuge der „7x Sommer“-Aktion einen einzigartigen Blick hinter die Kulissen des Alsdorfer Wahrzeichens.

Gerade im Eingangsbereich hat sich in den vergangenen Jahren viel getan. Der runderneuerte Spielplatz wird wöchentlich von Fachkräften auf etwaige Gefahren untersucht. Die alte Anna-Lok, die unter großem Aufsehen unlängst an ein Museum in Ostdeutschland abgegeben wurde, konnte diesen Ansprüchen in keiner Weise mehr entsprechen.

250.000 Besucher peilen Heffels und Kollegen für 2018 an — dafür wurde und wird Geld in die Hand genommen. Alleine 30.000 Euro muss der Park im Jahr für Tierfutter ausgeben.

An Temperaturen angepasst

Gerade für Freunde der Harry-Potter-Bücher und -filme wartete gleich im ersten Gehege eine besondere Tierart: Zwei Schnee-Eulen hatten es sich auf dem Boden ihres Geheges bequem gemacht. Die Vögel, die ihrem Namen entsprechend eigentlich in den Polarregionen beheimatet sind, trotzen ohne weiteres der rheinischen Hitzewelle.

„Die beiden sind in Deutschland geboren und haben sich den Temperaturen anpassen können“, erklärte Heffels den gespannt lauschenden Kindern. Für Botenflüge, wie sie Harry Potters Eule Hedwig macht, seien die Alsdorfer Schnee-Eulen jedoch nicht geeignet.

Tausendfach gepredigt — leider immer noch regelmäßig missachtet: Heffels erklärte seinen Gästen, welch fatalen Folgen das Füttern der Tiere mit Brot und anderen Speiseresten verursacht. 50 tote Enten und vier verendete Schwäne zählt die traurige Statistik der letzten Jahre.

Ihre Mägen und Verdauungstrakte seien mit dem Fremdfutter überfordert. Zu allem Überfluss kennt die „Kreativität“ einiger Besucher scheinbar keine Grenzen: Tatsächlich fand man in einem Gehege eine Portion Spaghetti Bolognese.

Füttern mit Brot ein Tabu

Negativen Einfluss hätte das „Überangebot“ an Nahrung außerdem auf das Verhalten der im Park lebenden Gänse. Unsere Zeitung berichtete vor geraumer Zeit über das „Gänse-Problem“ — Verunreinigungen durch Kot und ähnliches verursacht zusätzliche Kosten und behindert Besucher wie Pfleger.

„Solange die Gänse im Bereich des Rotwildgeheges bleiben, können wir damit leben. Das Füttern mit Brot veranlasst die Tiere jedoch, sich am Eingangsbereich und auf den Spielplätzen einzuquartieren“, zeigte sich Heffels besorgt. Die Gänse würden außerdem aus Gewohnheit nicht mehr von selbst auf Nahrungssuche gehen.

Weniger Sorgen bereitet den Parkverantwortlichen dafür die Wasserqualität des Entensees. Trotz der dem Klima entsprechend hohen Algenpopulation sei laut Heffels der Sauerstoffgehalt des Gewässer auf einem konstanten Niveau. Fische und andere Wassertiere seien nicht gefährdet.

Im Ernstfall könnte die Feuerwehr einschreiten und den Weiher künstlich belüften. Aber auch hier haben einige Unverbesserliche ihre Spuren hinterlassen. Ausgesetzte Schildkröten haben sich zu einer beachtlichen Kolonie von über 200 Exemplaren entwickelt.

„Dünne und dicke“ Erdmännchen

Kontrolliert „angesiedelt“ wurden 2014 die flinken Erdmännchen. Die pelzigen Gesellen sind laut Heffels „die gefährlichsten Bewohner des Tierparks“. Die nadelspitzen Zähne der Allesfresser hätten schon den ein oder anderen Finger der Tierpfleger malträtiert. Trotzdem verzauberte die putzige Art der Erdmännchen-Familie schnell die Herzen unserer Leser.

Ein paar Schritte weiter zeigte Heffels auch gleich die Präriehunde. Aufgrund eines noch fehlenden Gehegeschilds sei schon mehrfach der Satz vernommen worden: „Schau mal, hier leben die dicken Erdmännchen.“ Heffels räumte mit solchen „Vorurteilen“ auf und beantwortete geduldig die vielen Fragen unserer Leser.

Vorbei an den Lamas, Pfauen und Fasanen ging es auf die Anhöhe, die in Richtung der ehemaligen Realschule zeigt. Hier hatte Heffels ein besonderes Highlight eingebaut. Auf einmal fand sich der Tross inmitten des Geheges wieder, umgeben von Kamerunschafen und Damwild. Damhirsch Rudolph wagte den ersten Schritt und genehmigte sich ein saftiges Stück Apfel aus den Händen der Kinder.

Für die nahe Zukunft planen Heffels und Kollegen bereits einen weiteren, elementaren Schritt. Gegenüber vom Lama-Areal soll der älteste Gehegeteil des Parks neu gestaltet werden. Ein „Vogelparadies“ mit vielen neuen Arten soll in wenigen Monaten den Tierpark dort bereichern.

Unsere Leser ließen den interessanten Abend bei Eis und kühlen Getränken auf der anderen Seite der Theodor-Seipp-Straße ausklingen. Auf Einladung von Inhaber Oliver Bergrath machte sich die Gruppe ein Bild von der neugestalteten Minigolf-Anlage und den sogenannten „BBQ-Tretbooten“, auf denen man „auf hoher See“ grillen, trinken und entspannen kann. Geschickt wurden dann auch gleich die ersten Löcher im Minigolf getroffen. Besonders die Hanglage erforderte viel Gefühl im Schläger.