Alsdorf: 7. Alsdorfer Fachtag „Jugendhilfe/Schule“: Stärken bündeln

Alsdorf: 7. Alsdorfer Fachtag „Jugendhilfe/Schule“: Stärken bündeln

Akteure aus Schule und Jugendhilfe zusammenführen — das ist das Ziel des Fachtags „Jugendhilfe/Schule“. Letzte Vorbereitungen trifft derzeit unter anderem Claus-Ulrich Lamberty, Diplom-Psychologe und Leiter der Katholischen Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche der Caritas in Alsdorf. Im Interview spricht er über die Möglichkeiten und Chancen des Angebots für die Teilnehmer und die sich veränderten Anforderungen an pädagogische Fachkräfte.

Der Fachtag wird zum 7. Mal angeboten. Wie ist die Resonanz? Wer sind die Veranstalter?

Lamberty: Er wird von der Arbeitsgemeinschaft „Jugendhilfe in Alsdorf“ und dem Alsdorfer Jugendamt organisiert und veranstaltet. Norbert Steffens, Rektor der Europahauptschule, stellt uns die geeigneten Räume zur Verfügung. Denn mit bis zu 120 Teilnehmern brauchen sie schon eine Schule, um alle unterzubringen.

Teilnahmeberechtigt sind Fachkräfte. Was ist das Ziel einer solchen Veranstaltung?

Lamberty: Wir greifen im Eröffnungsvortrag gerne Themen auf, die sich für die Zukunft abzeichnen oder zurzeit noch weniger im Blickfeld sind. So haben wir uns schon früh mit Unterstützung durch das Schulamt der Städteregion über das Thema Inklusion informiert. Ein anderes Thema waren Kinder als pflegende Angehörige. Mit Prof. Michael Borg-Laufs haben wir dieses Jahr einen Referenten, der zwar die Gefahren von Internet und sozialen Netzwerken sieht, aber auch die Bedürfnisse aufzeigt, weshalb sich Jugendliche so intensiv damit beschäftigen. Er wird berichten, welche Rolle diese Erfahrungen für die Identitätsentwicklung von Jugendlichen spielen. Es reicht nicht, nur vor den Gefahren zu warnen. Wir wollen auch erfahren, wie man Jugendliche diesbezüglich fördern kann, welche Chancen und Möglichkeiten diese Medien auch bieten.

Kommt man untereinander ins Gespräch oder stehen die Workshops im Fokus?

Lamberty: Gespräche unter Kollegen oder gemeinsames Lernen? Wir verbinden beides miteinander. Sicherlich werden viele Kollegen ihre Kontakte untereinander erneuern. Auch dafür ist Zeit. Aber in den Workshops sitzen Lehrer, Sozialarbeiter, Erzieherinnen, Familienhelfer, Berater und andere Fachkräfte zusammen. Im gemeinsamen Interesse für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen lernen sie neue Projekte, Methoden, Ideen von Kollegen aus der Städteregion kennen. Dass daraus hier und da ein gemeinsames Projekt wird, über die Grenzen von Schule und Jugendhilfe hinweg, ist durchaus in unserem Sinne.

Sollte die Zusammenarbeit zwischen einzelnen Akteuren von Schule, Kita und Jugendhilfe ausgebaut werden? Wie haben sich die Anforderungen an pädagogische Kräfte verändert?

Lamberty: Die Arbeitsbereiche Schule und Jugendhilfe haben in den vergangenen Jahren immer mehr Berührungspunkte und Überschneidungen bekommen. Schüler verbringen heute viel mehr Zeit in der Schule, in offener Ganztagsschule und regulärem Ganztagsunterricht. Die Lehrer kommen aus dem Schulbetrieb, die Schulsozialarbeiter, Betreuer, Anbieter von AGs und anderer Aktivitäten kommen aus der Jugendhilfe oder der Jugendarbeit. Heute kann man nicht mehr aneinander vorbei arbeiten. Das Bundeskinderschutzgesetz verpflichtet Lehrer genauso wie Mitarbeiter der Jugendhilfe, auf das Wohl der Kinder zu achten. Bei Bedarf sollen sie auf Hilfen im sozialen und Jugendhilfebereich hingewiesen, auf deren Inanspruchnahme hingewirken. Da muss man wissen, wo es welche Unterstützung gibt. Und am besten kann man vermitteln, wenn man die weiter helfende Fachkraft persönlich kennt.

Auch Sie führen im Alltag Beratungsgespräche. Welche Probleme werden dort häufig angeführt? Sind dies welche, die durch eine spezifischere Betreuung im Bereich der Kinder- und Jugendarbeit aufgefangen werden könnten?

Lamberty: Auch in unseren Beratungsgesprächen geht es immer wieder darum, Familien Hilfen zu vermitteln. Auch das geht nur, wenn man weiß, was wo von wem angeboten wird. Und der Fachtag vermittelt wichtige Impulse für die eigene Beratungsarbeit. Und wenn man die Anregungen aus den Workshops vertiefen oder weiterentwickeln will, kennt man einen Ansprechpartner. Denn unsere Moderatoren sind Kollegen aus der Städteregion, zu denen man auf kurzem Wege Kontakt aufnehmen kann.

Warum muss überlegt werden, wie Kinder und Jugendliche lernen, eigenständig ein Leben zu gestalten und Hilfe organisieren? Werden die Kompetenzen nicht seitens des Elternhauses vermittelt?

Lamberty: Bestimmt kennen Sie den Satz: „Für alles gibt es eine Schule, eine Lehre, einen Ausbildung, nur für das Elternsein nicht.“ Da Schule mittlerweile einen großen Raum im Leben von Kindern und Jugendlichen einnimmt und unsere Kleinfamilien kaum noch Gelegenheit geben, zum Beispiel das Elternsein und den Umgang mit Kleinkindern am Beispiel anderer Familienangehöriger kennenzulernen, nimmt Schule auch diesen Bildungsauftrag an. Wie lautet noch der Spruch: „Nicht für die Schule, für’s Leben sollst Du lernen.“ Warum sollte Schule dann nicht genau das beibringen?

Was wünschen Sie sich als Erfolg für den Fachtag?

Lamberty: Dass wir wieder die Interessen vieler Lehrer und Fachkräfte treffen. Dass sie die Chance nutzen, neue Ideen und Impulse zu bekommen. Und dass sie in Zukunft häufiger sagen können: „Da kenn’ ich jemanden hier in Alsdorf, der kann Dir/Ihnen bestimmt weiter helfen.“