Würselen: 16-Jährige wird mit Heimlich-Griff zur Lebensretterin

Würselen: 16-Jährige wird mit Heimlich-Griff zur Lebensretterin

Sie musste innerhalb von Sekunden reagieren und machte dabei alles richtig: Die 16-jährige Alina Cvar hat mit beherztem Eingreifen einer Mitschülerin das Leben gerettet.

Es begann als Schultag wie jeder andere. Im Kunstunterricht am Heilig-Geist-Gymnasium in Würselen arbeitet Alina an einem ihrer Werke, als sie plötzlich mitbekommt, dass eine Klassenkameradin schwer atmet. „Ich dachte zuerst, sie hat eine Allergie“, erinnert sie sich. Die Schülerin wird vom Lehrer und einigen anderen Schülern an die frische Luft begleitet, Alina geht hinterher. „Als wir draußen waren, wurde ihr Atmen weniger“, sagt sie. Offensichtlich hatte ihre Mitschülerin einen Fremdkörper in der Luftröhre stecken. Ein Bonbon.

Drei Versuche

„Dann hat sie Panik bekommen. Irgendjemand hatte schon den Rettungsdienst gerufen, aber der kam einfach nicht“, erzählt Alina. Schließlich hört die junge Frau komplett auf zu atmen. Alina zögert nicht lange, greift von hinten um ihre Mitschülerin und wendet den so genannten Heimlich-Griff an. Doch zwei mal funktioniert er nicht. Vielleicht, weil sie zu zögerlich zudrückt, denkt Alina rückblickend. „Ich meinte dann nur, es tut mir leid, wenn ich dir jetzt die Rippen breche.“ Beim dritten Versuch gelingt es. Ihre Klassenkameradin übergibt sich, das Bonbon wird mit aus der Luftröhre befördert. Schlagartig geht es ihr besser. Kurze Zeit später trifft der Rettungswagen ein. Doch die Sanitäter müssen die Schülerin nicht einmal mehr ins Krankenhaus bringen. Hätte Alina nicht so schnell eingegriffen, wäre die Sache sicher nicht so glimpflich verlaufen.

Auszeichnung

„Es ist einfach ein schönes Gefühl, wenn man jemandem helfen kann“, sagt sie. Danach seien erst mal alle geschockt gewesen, aber fanden es gut, dass sie geholfen habe, erzählt Alina. Sogar der Direktor sei zu ihr gekommen, um sich zu bedanken.

Und nicht nur das: Alina erhält am Sonntag eine Auszeichnung für ihr Handeln. Die Grünen aus Würselen ehren sie mit dem Sozialpreis im Alten Rathaus — verbunden mit einem Preisgeld von 500 Euro. Das Geld möchte sie zurücklegen, um im kommenden Jahr ihren Führerschein zu machen. „Ich hätte nie gedacht, dass das Ganze so viel Aufmerksamkeit bekommt. Es war selbstverständlich für mich. Wenn ich das Wissen habe, sollte ich es auch anwenden.“

Gelernt, wie man in solchen Situationen handelt, hat die Zehntklässlerin bei ihrer Arbeit als Schulsanitäterin. Bereits seit zwei Jahren gehört sie zum Team, das rund 20 Schüler umfasst. Auf die Idee gekommen dort mitzumachen, ist sie, weil Freundinnen ihr davon erzählten.

Seitdem wird sie alle zwei Wochen von einem Sanitäter der Malteser in der Schule in Erste-Hilfe und der Versorgung von Verletzten geschult. In regelmäßigen Schichten versorgt sie die kleinen und größeren Verletzungen von Mitschülern in der Pause und auch während des Unterrichts. „Wir haben einen Pager, damit können uns die Sekretärinnen informieren, wenn etwas passiert ist“, erklärt sie. Meist seien das Kleinigkeiten, aber manchmal kümmere sie sich auch um Schüler, die in Ohnmacht gefallen seien. „Ich hatte auch mal einen, der hatte einen herausstehenden Handgelenksknochen“, erzählt Alina. Wichtig sei es in solchen Situationen, Ruhe zu bewahren, „denn die Person, die verletzt ist, hat eh schon Panik.“

Epileptischer Anfall

Ihr allererster Einsatz war im privaten Umfeld. Ein epileptischer Anfall. „Ich dachte nur: Okay, was hast du gelernt? Und bin dann im Kopf automatisch alles durchgegangen“, berichtet sie. Im Vorfeld hätte sie sich das schlimmer vorgestellt, aber als es soweit war, sei alles von alleine gegangen.

Ob sie nach dem Abitur Medizin studieren will, steht für die Alsdorferin, die in ihrer Freizeit beim Hoengener Turnclub Leistungsturnen macht, noch nicht fest. Auch Lehramt sieht sie als Option.

Wissen, was zu tun ist

Momentan spielt sie auch mit dem Gedanken, neben der Schule eine Ausbildung bei den Maltesern zu machen. „Das geht schon ab 16. Da kann man mitfahren und kleinere Aufgaben übernehmen“, erklärt sie. Wenn man die Möglichkeit habe, sowas zu lernen, sollte man sie auch nutzen, findet sie. Denn: „Wenn man als Angehöriger oder Freundin nicht weiß, was man machen muss, wenn etwas passiert, ist das richtig schlimm.“

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