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Alsdorf liegt unter dem Landesdurchschnitt: 1,2 Millionen Euro mehr für erzieherische Hilfen

Alsdorf liegt unter dem Landesdurchschnitt : 1,2 Millionen Euro mehr für erzieherische Hilfen

Das Jahr 2019 hat für das Jugendamt und dem allgemeinen sozialen Dienst (ASD) des Jugendamtes Alsdorf schon bislang einiges an Arbeit und Mehrkosten mit sich gebracht. Bereits in den letzten Jahren stiegen die Fallzahlen im Bereich der Hilfen zur Erziehung immer weiter.

Und auch dieses Jahr ist der Bedarf an erzieherischen Hilfen und Beratungen weiterhin hoch. Der Jungendhilfeausschuss empfiehlt dem Rat der Stadt, den Mehraufwendungen in Höhe von rund 1.2 Millionen Euro zuzustimmen.

Im dritten Quartal 2019 wurden insgesamt 475 Hilfen zur Erziehung und Eingliederungshilfen gewährt und umgesetzt. Zusätzlich wurden weitere 305 Familien durch den ASD begleitet.

„Die hohen Zahlen sehen wir natürlich auch positiv. Das heißt, dass wir allein im dritten Quartal fast 500 Familien erreicht haben, die wir unterstützen dürfen und die unsere Hilfe annehmen“, betont Michael Raida, stellvertretender Amtsleiter. Unter der Hilfe zur Erziehung versteht man verschiedene Formen der beratenden, begleitenden und betreuenden sozialpädagogischen Unterstützung in unterschiedlicher Intensität. Hier steht an erster Stelle, das Familiensystem zu stärken und die Kinder in das Familienleben zurückzuführen.

Rechtsanspruch

„Die steigenden Fallzahlen und der damit steigende Bedarf der Hilfen resultieren aus der sozioökonomischen Entwicklung bei der Inanspruchnahme erzieherischer Hilfen. Darauf hat die Kinder- und Jugendhilfe keinen Einfluss“, sagt Raida, Denn nach dem Kinder- und Jugendhilfegesetz haben Personensorgeberechtigte einen Rechtsanspruch auf Hilfen zur Erziehung für sich und ihr Kind, wenn ein entsprechender erzieherischer Bedarf erforderlich ist und die Hilfe für die weitere Entwicklung geeignet und notwendig ist. Auch junge Volljährige können die entsprechende Unterstützung erhalten. Mit dem anfallenden 1,2 Millionen Euro liegt die Stadt Alsdorf unter dem Landesdurchschnitt.

Das Jugendamt arbeitet eng und konstruktiv mit den freien Trägern der Jugendhilfe zusammen. Für die Familien und Jugendlichen gibt es verschiedene Angebotsformen, die von ambulanten Hilfen bis hin zu stationären Hilfen führen. Ambulante Hilfen bestehen zum Beispiel aus Erziehungsberatungen oder sozialer Gruppenarbeit.

Die Teilstationäre Hilfe beinhaltet eine Tagesgruppe. In der stationären Hilfe werden die Kinder und Jugendlichen entweder gemeinsam mit der Familie in verschiedenen Wohnformen untergebracht, oder in Vollzeitpflege oder im Heim betreut.

Die letzte Stufe der stationären Hilfe ist die intensive sozialpädagogische Einzelbetreuung. Dabei handelt es sich um eine Hilfsform, die sich an seelisch behinderte bzw. von seelischer Behinderung bedrohte Kinder und Jugendliche richtet, deren gesellschaftliche Teilhabe am Leben beeinträchtigt ist.

Ein Teil der Mehraufwendungen resultieren auch aus unvorhergesehenen Abbrüchen der Unterbringung in Pflegefamilien und dem Wechsel in kostenintensivere therapeutische Spezialeinrichtungen der Jugendhilfe. „Hier handelt es sich besonders häufig um Jugendliche in der Pubertät. Oft kommen vorher erlebte Traumata in der Pubertät wieder hervor“, sagt Raida.

Nicht außer Acht lassen darf man außerdem die starke Steigerung der Meldungen zu Kindeswohlgefährdungen. Bis September 2019 wurden 224 Meldungen überprüft und bearbeitet.

Zum Vergleich: 2018 gingen 141 Meldungen von Kindeswohlgefährdungen ein. „Jeder Meldung wird nachgegangen, und alle Meldungen werden nach dem Vier-Augen-Prinzip überprüft. Wir sind immer in der Lage, im Einzelfall individuell zu reagieren. Die Steigung der Meldungen bringt natürlich auch eine erhebliche zusätzliche Arbeitsbelastung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit sich. Durch die Zunahme von Inobhutnahmen und Fremdunterbringungen im Rahmen kindeswohlgefährdender Situationen sind natürlich auch hier die Kosten weiter gestiegen“, ergänzt Raida.

In der Sitzung des Jugendhilfeausschusses wurde dem Stadtrat empfohlen, die überplanmäßigen Aufwendungen mit Gewerbeeinnahmen zu kompensieren.