Kindesentführung in Jülich: Sicherheitsverwahrung gefordert

Hauptangeklagter mit pädophilen Motiven : Sicherungsverwahrung nach Kindesentführung gefordert

Die Staatsanwaltschaft sieht in pädophilen Neigungen den Grund für die Tat in Jülich. Die drei Mittäter seien über wahre Motive getäuscht worden.

Bis zu zehn Jahre Haft und anschließende Sicherungsverwahrung hat gestern die Aachener Staatsanwaltschaft für den Hauptangeklagten (31) im Prozess um die Entführung von zwei kleinen Kindern aus einer Jülicher Pflegefamilie gefordert. Am 19. Februar 2018 hatten der Hauptangeklagte und drei weitere Helfer, darunter die leibliche Mutter der beiden Kinder, die Pflegefamilie in Jülich-Selgersdorf überfallen, waren ins Haus eingedrungen und hatten die Pflegemutter sowie eine Haushälterin mit Waffengewalt überwältigt und gefesselt. Sie entführten die damals eineinhalb und zwei Jahre alten Kinder ins belgische Spa.

Der Hauptangeklagte hatte die Mittäter davon überzeugt, die Kinder vor einer vermeintlich unfähigen Pflegefamilie bewahren zu müssen. Dabei waren die insgesamt vier Kinder ein halbes Jahr zuvor aus der Solinger Familie genommen worden, weil das Jugendamt den Verdacht hatte, dass der Stiefvater die Kinder sexuell missbraucht. Die zwei Jüngsten kamen in Jülich unter.

Für die drei Mittäter forderte die Staatsanwaltschaft gestern Freiheitsstrafen von unter zwei Jahren auf Bewährung. Denn für die Staatsanwältin wie für die Verteidiger der drei Helfer war am Ende des langwierigen Prozesses klar, dass der Hauptangeklagte einzig wegen seiner pädophilen Neigungen die Mittäter so manipuliert habe, dass sie zu der Entführung bereit waren. Von der Pädophilie des Haupttäter hätten sie nichts gewusst oder nichts wissen wollen.

Die Staatsanwaltschaft hält den sexuellen Missbrauch des Zweijährigen durch den Hauptangeklagten für bewiesen. Sie fordert dafür fünf Jahre Haft, danach soll eine weitere fünfjährige Haftstrafe für die Entführung greifen. Das Urteil wird am 22. Januar ab 10 Uhr im Aachener Landgericht gesprochen.

(Wolfgang Schumacher)
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