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Fitnessstudios in der Corona-Krise: Zwischen digitalem Heimtraining und Renovierungsarbeiten

Fitnessstudios in der Corona-Krise : Zwischen digitalem Heimtraining und Renovierungsarbeiten

Die Betreiber von Fitnessstudios versuchen, ihren Mitgliedern trotz Schließung möglichst guten Service zu bieten. Das ist allerdings nicht einfach, zumal für die ausgefallene Leistung auch finanzieller Ausgleich fällig wird. Zwei Betreiber in Jülich und Düren berichten, wie sie die Situation bewältigen.

An den Moment, als plötzlich Mitarbeiter des Dürener Ordnungsamtes in seinem Fitnessstudio standen, kann Marco Spieß sich noch gut erinnern. „Es waren noch Mitglieder da, alle mussten sofort nach Hause. Und wir mussten schließen. Danach habe ich wirklich in meinem leeren Studio gestanden und geweint. Das war ein Gefühl wie in einem schlechten Film.“

Marco Spieß betreibt seit 19 Jahren ein Fitnessstudio an der Arnoldsweilerstraße in Düren. Im November hat er mit einem Kollegen noch ein zweites in Heimbach eröffnet. Spieß hat rund 20 Mitarbeiter, fünf davon arbeiten im Büro und machen sauber. Einige sind als freiberufliche Kursleiter aktiv. „Etwa eine Handvoll ist fest angestellt. Außerdem habe ich zwei Auszubildende“, sagt Spies. „Für meine festen Kräfte habe ich Kurzarbeit angemeldet. Für die Azubis natürlich nicht.“

Spieß bietet seinen Kunden in Zeiten der Krise Trainingspläne für zu Hause und eine kostenlose Ernährungsberatung an. „Einige nutzen das auch“, sagt er. „Aber das ist im Augenblick noch die Ausnahme.“ Gleichwohl, ergänzt Spieß, erlebe er derzeit eine große Solidarität. „Bis jetzt hatte ich noch keinen, der die Zahlung seines Mitgliedsbeitrages aussetzen möchte, weil wir im Augenblick ja keine Leistung bringen. Das ist schon toll.“

Bietet seinen Mitgliedern alternative Möglichkeiten: Ingo Geuenich sorgt dafür, dass die Menschen weiterhin in Bewegung bleiben. Foto: MHA/Caroline Niehus

Gleichwohl weiß natürlich auch Spieß nicht, wie die Situation sich entwickelt. „Wir kämpfen sowieso schon gegen die großen Ketten an“, sagt er. „Und wir gewinnen natürlich gerade keine neuen Mitglieder. Das macht uns vielleicht in einigen Wochen oder Monaten zu schaffen. Die Weiterentwicklung des Studios bleibt jedenfalls auf der Strecke.“

Selbstverständlich hat Spieß auch Soforthilfen beim Land NRW für seinen Familienbetrieb beantragt, die Gelder werden aber vermutlich nicht reichen. „Die Miete muss gezahlt werden, Leasing- und Wartungsverträge für die Geräte laufen auch weiter. Das summiert sich schnell zu einem nicht unerheblichen Posten.“

Marco Spieß nutzt die Zeit der Zwangspause zum Großreinemachen und Renovieren. Gleichwohl hofft er sehr auf den 20. April. „Ich wünsche mir sehr, dass wir dann wieder öffnen können. Wir bieten Reha- und Gesundheitssport an. Und eins ist auch klar: Sport ist wichtig, um sein Immunsystem zu stärken. Und ein gutes Immunsystem brauchen wir jetzt mehr denn je.“

In Jülich und Linnich gibt es Alternativangebote

Für Ingo Geuenich, Leiter zweier Fitnessstudios in Jülich und Linnich, ist die aktuelle Situation ebenfalls eine große Herausforderung. Er musste einen Großteil seiner insgesamt 35 Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken. Doch er und sein Team haben sich neue Wege einfallen lassen, die Mitglieder trotzdem fit zu halten. „Wir stellen zum einen gefilmte Kurse online“, sagt er, „es gibt aber auch eine Fitness-App, in der Hunderte Übungen zu finden sind.“

Mit der App können die Trainer einen besonderen Service bieten. Wer sich im Studio meldet, erhält einen individuellen Trainingsplan für das Training zu Hause, abgestimmt auf die persönliche Vorgeschichte. Zudem konnten sich Mitglieder an fest vereinbarten Terminen kostenlos Geräte wie Hanteln ausleihen. „Diese Angebote haben schon zahlreiche Kunden in Anspruch genommen, wir haben täglich mehrere Nachfragen“, berichtet Geuenich.

Für den Mitgliedsbeitrag hat er sich auch schon etwas überlegt. Es gibt vier Pakete, aus denen sich die Kunden eins aussuchen können. So könne das Geld in Gutscheine umgewandelt oder zu einem späteren Zeitpunkt zurückerstattet werden. „Die Solidarität ist überwältigend, aber da wir voraussichtlich Beiträge auf irgendeine Art zurückgeben, werden wir das finanziell stark spüren“, befürchtet Geuenich.

Dass er seine Studios in knapp zwei Wochen wieder eröffnen kann, glaubt er nicht. Fitnessstudios gehörten schließlich zu den Einrichtungen mit regem Publikumsverkehr, ähnlich wie Museen oder Volksfeste. „Hier gehen normalerweise mehrere Hundert Personen am Tag ein und aus“, sagt er. Für eine mögliche Öffnung unter erhöhten Hygienestandards hat er aber auch schon Ideen: „Man könnte zum Beispiel nur jedes zweite Gerät zur Nutzung freigeben und die Anzahl der Trainierenden im Studio begrenzen“, erläutert Geuenich.

Bis dahin erledigt er Renovierungsarbeiten. Kürzlich wurden zum Beispiel Silikonarbeiten im Duschbereich durchgeführt. Auch die Wartung der Geräte steht in Zeiten des Coronavirus auf dem Programm. „Das sind aber alles Sachen, die man eigentlich auch zwischendurch machen kann“, findet Geuenich. Der Betrieb in der angeschlossenen Physiotherapiepraxis läuft zwar noch, die Behandlungen beschränken sich aber zum größten Teil auf medizinisch wirklich notwendige.

Ob die ab 18. Mai geplanten Events im Rahmen von „Sport im Park“ stattfinden können, steht zurzeit noch in den Sternen. Geuenich hofft darauf, dass die Veranstaltung im Freien mit genügend Abstand genehmigt werden kann. „Das wäre schön für alle, denn ich habe in den letzten Wochen schon häufig mitbekommen, dass vielen Menschen einfach das Zusammensein fehlt.“