Rosineneffekt bei Rüben: Zuckerfabrik Jülich erwartet „keine gute Ernte“

Rosineneffekt bei Rüben : Zuckerfabrik Jülich erwartet „keine gute Ernte“

Heinz Leipertz, beim Kölner Zuckerproduzenten Pfeifer & Langen Leiter Landwirtschaft der rheinischen Fabriken, hat auf seinem Dienstrechner in Jülich einen Ordner „trockene Rüben“ eingerichtet, in dem er Fotos aus dem landwirtschaftlichen Horrorkabinett gesammelt hat.

Zu sehen sind siechende Exemplare der Kulturpflanze mit schrumpeligem Körper und welkenden Blättern.

„Das Jahr ist verrückt“, sagt Leipertz. Er meint damit den Wetterverlauf, der für die Rübenbauern „unplanbare Kapriolen“ bereitgehalten habe. Nach der normalfrühen Aussaat hätten sich die Bestände sogar noch einen Tick besser als im Vorjahr entwickelt, so dass bereits zum Monatswechsel Mai/Juni der Reihenschluss als erster Frühindikator konstatiert worden sei.

Zunächst auf gutem Kurs

Dieser „sehr gute Kurs“ sei in den folgenden Monaten verlassen worden, weil es den Pflanzen schlicht an ausreichend Wasser fehlte, um das Wachstum anzukurbeln. Insbesondere bei den leichteren Böden, wo sich die langen Pfahlwurzeln vergeblich auf der Suche nach Wasser in die Tiefe bohrten, warfen die Knollen bereits im Juli als Notprogramm zum Schutz vor Verdunstung Teile ihrer Blätter ab. „Uns hat das Wasser als Wachstumsmotor gefehlt“, nennt Leipertz eine schlichte biologische Wahrheit. So kam es zum sogenannten Rosineneffekt: Die Rüben blieben klein, sind aber zuckersüß.

„Wir haben eine enorme Streubreite bei den Erträgen“, fasst Heinz Leipertz die Ergebnisse der bisherigen Proberodungen zusammen, die sich je nach Bodengüte stark unterscheiden. Dort, wo speicherfähiger Lösslehm vorherrscht, haben die Bestände zwar auch unter großem Hitzestress gelitten und hat der Wassermangel dem Rübenkörper zugesetzt, doch besonders schlimm sind die Ergebnisse in den Flussauen auf Sand- und Kiesböden.

„Wir haben keine gute Ernte“, spricht Leipertz von Ergebnissen „weit unter dem langjährigen Mittel“. Den Rückgang bei den Erträgen aufgrund der anhaltenden Dürre beziffert der Rheinische Rübenbauer-Verband mit rund 14 Prozent.

„Wir möchten ernten, was gewachsen ist und ernten, was noch wachsen kann“, gibt der Rübenexperte Heinz Leipertz die anstehende Kampagne noch nicht gänzlich verloren. So hofft er auf einen Altweibersommer mit ausreichend Niederschlägen. Das gäbe den Pflanzen die Möglichkeit, neue Blätter auszubilden, den Wachstumsprozess erneut anzukurbeln und in der Folge wieder neuen Zucker einzulagern.

„Ganz Europa leidet, aber unterschiedlich“, blicken Leipertz und die heimischen Rübenbauern auf die Auswirkungen auf die Preise auf dem deregulierten Zuckermarkt. Ob sich die Preisphantasien durch eine Angebotsverknappung realisieren werden, ist aber noch offen.

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