Aldenhoven: Zu Besuch bei den Kleingärtnern Jakob Triem Aldenhoven

Aldenhoven: Zu Besuch bei den Kleingärtnern Jakob Triem Aldenhoven

Johannes Rost steht vor seinem Gemüsebeet. Wo auch sonst? Hier steht er fast jeden Tag. Gute und schlechte Ernten hat Johannes Rost miterlebt. Er hat sich geärgert, als seine Kartoffeln von der Krautfäule befallen waren. Er hat sich gefreut, als seine Tomaten besonders groß wurden.

Es gibt so viel zu erzählen. Rost weiß gar nicht so recht, womit er anfangen soll. „Hier pflanze ich meine Kartoffeln an, dahinten Salat, Spitzkohl, Stangenbohnen, Sellerie, Möhren, Porree, Rotkohl, Rettich...”, startet er schließlich seine Garten-Präsentation und wandert zwischen Beet, Komposthaufen und Gewächshaus hin und her. „Auf dem Baum wachsen Mirabellen, auf dem Pflaumen.”

Johannes Rost, 69, ist Kleingärtner aus Leidenschaft. Fast jeden Tag verbringt er in der Anlage des Gartenbauvereins Jakob Triem Aldenhoven. „Schon im Januar jucken mir die Finger”, sagt er. Dann beginnt die Phase des Pflanzens.

„Ein Kleingärtner pflanzt das an, was er selbst essen kann - das reimt sich sogar”, sagt er und lacht. Die sommerliche Ernte sei einigermaßen gut, sagt er - trotz der vielen Regenfälle der vergangenen Wochen. „Zum Glück gab es im Frühjahr eine lange Trockenperiode, deshalb waren nicht viele Schnecken unterwegs.”

Selbst wenn es mal weniger Erträge gibt, bleibt Rost gelassen. „Der Landwirt muss davon leben. Wir nehmen einfach, was die Natur uns gibt.” Zurzeit stehen im Hause Rost vor allem Kartoffeln, Möhren, Salat, Tomaten und Gurken und Bohnen auf der Speisekarte. Natürlich geht es nicht nur um den eigenen Garten. Es wird auch geguckt, was die anderen so treiben.

Bei einem Rundgang über die Anlage wirft Johannes Rost gemeinsam mit Karl Sonnefeld, seit rund 16 Jahren Vereinsvorsitzender, und Gartenfreund Josef Willms einen kritischen Blick auf die Nachbar-Gärten. „Der Kleingärtner lernt eben nie aus”, erklärt Rost.

Jeder Gärtner hat seinen eigenen Stil. Vor allem, was die Gestaltung der Beete betrifft, treffen Tradition und Moderne aufeinander. Wichtig ist am Ende, was dabei herauskommt. „Jetzt schau dir mal die Tomaten da an!”, rufen sich die Männer auf dem Dahlienweg zu.

Karl Willms stoppt an seinem Garten, der nicht nur reich an Gemüse und Obst ist. Dahlien, Ringelblumen, Lavendel und Kornblumen machen seinen Garten zu einem kleinen bunten Paradies.

Willms ist der experimentelle Gärtner-Typ. Seine Erdbeeren hat er in diesem Jahr erstmals auf einem Hügelbeet gepflanzt. Im nächsten Jahr will er alte Tomatensorten anpflanzen und aus der Vergessenheit retten. Die Idee kam ihm bei der Bundesgartenschau.

Besonders beeindruckt sind die drei Männer von Jürgen Schmidts Erträgen. Schmidt ist in Aldenhovens Kleingarten-Szene auch als „mediterraner Gärtner” bekannt. „Der hatte im letzten Jahr riesige Bananen in seinem Garten”, erinnert sich Sonnefeld und winkt dem Nachbarn zu.

Der öffnet sein Törchen und fragt nach Getränkewünschen. So läuft das eben unter Gartenfreunden, die Geselligkeit gehört dazu. Schmidt schimpft über den schlechten Sommer. Der hat ihm die Bananen-Ernte versaut. Aber immerhin sind seine Zitronen-Melonen gewachsen. Das tröstet ihn.

Nicht jeder nimmt das Kleingärtnern mehr so ernst wie die älteren Gartenfreunde. „In den 50er Jahren galt noch das Kleingartengesetz. Da musste jede Parzelle zwei Drittel Nutzfläche enthalten.” Rost, Sonnefeld und Willms halten sich noch heute daran.

Sie haben sich auch nicht auf einige bestimmte Gemüsesorten spezialisiert, sondern bauen das ganze Sortiment an. „Wir Alten haben ein riesiges Know-how”, sagt Rost. Deshalb findet er es schade, dass viele auf den Rat der erfahrenen Gärtner keinen Wert mehr legen.

In der Gemeinschaft der Kleingärtner nämlich geht es nicht nur um das Gärtnern an sich. Es geht um ein Lebensgefühl. „Man muss sehr tolerant sein, das ist das A und O”, sagt Rost. „Wir wollen eine große Familie sein.”

Dazu gehört zum Beispiel, dass sich der eine um des anderen Garten kümmert, wenn der in Urlaub fährt. Oder, dass der eine dem anderen einen Spitzkohl schenkt und dafür einen Kopfsalat bekommt.

Doch wer zur Gartenfamilie gehören will, der muss einige Regeln einhalten, der muss zum sauberen Erscheinungsbild der Anlage beitragen. Wer seine Parzelle nicht pflegt, dem raten die Vorstandsmitglieder, seinen Garten wieder zu räumen.

Als Jakob Triem, früher Direktor des Eschweiler Bergwerksverein (EBV), den Gartenbauverein 1954 gründete, waren es hauptsächlich Bergleute, die eine Parzelle mieteten. Fünf haben heute noch ihren Garten in Aldenhoven.

Damals war der Gartenbauverein noch an der ehemaligen B 56 zwischen Aldenhoven und Pattern beheimatet, 1989 musste er dem Braunkohlentagebau weichen. „Das war schlimm”, erinnert sich Sonnefeld. „Damals sind viele Freundschaften auseinandergegangen.”

Rund 60 Prozent der Kleingärtner zogen um in die neue Anlage „An der Bergsmühle” in Aldenhoven. Inzwischen ist das Klientel sehr vielfältig. Junge und alte Menschen kommen hier zusammen, und es sind längst nicht mehr nur deutsche Kleingärtner. „Wir sind richtig multikulti geworden, das funktioniert sehr gut”, sagt Johannes Rost, der schon seit 1969 Kleingärtner ist.

Rost, Sonnefeld und Willms sind stolz darauf, was aus der Kleingartenanlage geworden ist. „Die Verbundenheit ist groß”, sagen sie. Und jeder, der die drei Männer dort am Gemüsebeet sehen kann, lachend und fachsimpelnd über die beste Pflanztechnik, der wird verstehen, was sie meinen.

Die Anlage des Gartenbauvereins Jakob Triem Aldenhoven erstreckt sich über eine Fläche von insgesamt 4,4 Hektar. Sie ist aufgeteilt in 74 Parzellen von je 400 oder 200 Quadratmeter. Sie verfügt über eine große Gemeinschaftsfläche mit einem Vereinsheim, einer Grillhütte und einem Kinderspielplatz.

Traditionelle Veranstaltungen des Vereins sind Sommerfest, Frühschoppen, Ostereiersuche oder Nikolausfest. Am 29. September feiern die Gartenfreunde ihr Oktoberfest.

Wer Interesse an einer Parzelle hat (drei sind frei) und sich bewerben möchte, oder mehr über die Aktivitäten des Gartenbauvereins erfahren möchte, findet viele Informationen auf der Homepage des Vereins.

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