Linnich: Zehnmal Kunst beim neuen Skulpturenweg an der Rur

Linnich : Zehnmal Kunst beim neuen Skulpturenweg an der Rur

Zehn sehr vielfältig gearbeitete Skulpturen am naturbelassenen Linnicher Rurufer bilden den „Skulpturenweg“, der zu den Höhepunkten des Linnicher Kultursommers zählt und sein zehnjähriges Jubiläum feiert. 2009 organisierte das Künstlerpaar Bina Placzek-Theisen und Wilfried Theisen aus Rurdorf das beliebte Event zum ersten Mal. Das Jubiläum steht unter dem Motto „Das Zwischen“ und wurde von jedem Künstler anders interpretiert.

Die Installationen des Organisationspaares bilden Anfang und Ende des Skulpturenweges, der parallel zur Rurallee bis zur ehemaligen Linnicher Polizeischule reicht.

50 rote Kugeln schwingen als oberer Abschluss auf einer hohen Metallinstallation nahe der Rurbrücke. Sie bewegen sich „im Zwischen“ des Mit- und Gegeneinanders, wobei der äußere Anstoß eine Norm vorgibt, „der man nur schwer entgehen kann, und doch sind Freiheiten möglich“, wie Bina betont. Im „Plattenbau“ ihres Mannes zum Thema „Zwischen Raum zwischen durch“ winden sich weißglänzende Schläuche durch die rote Architektur.

Ein hölzerner Schwarm aus 25 Fischen schwimmt zwischen „Stadt-Land-Fluß“ und demonstriert die vielfältige Verbindung von Statik und Dynamik in der einzigen Installation am anderen Rurufer. Sie wurde gestaltet vom Frauenstammtisch Linnich, Initiatorin ist Agnes Hasse. „Aufsteiger“ nennt Elke Bürger aus Erkelenz ihre bunten Figuren verschiedener Größe und Körperhaltung, die zwischen den Welten an einem Baum pendeln.

„Die Pubertät zwischen Kindheit und der Welt der Erwachsenen“, also zwischen „dickem Fell und dünner Haut“, interpretiert Sandra Struck-Germann aus Düsseldorf ihre zweiteilige Installation „Hüllen“. Der Pfeil des „A(r)mor“ schießt aus einer Spalte im Bereich zwischen Wurzel und Stamm eines Baumes hervor. Das „R“ kippt aus der Reihe der aufgesetzten Holzbuchstaben nach hinten. Es macht den Unterschied aus zwischen „Amor omnia vincit“ (die Liebe besiegt alles) und „Armor omnia vincit“ (die Rüstung besiegt alles). Gestaltet ist das Kunstwerk vom Amsterdamer Künstlerduo „A+B“, Albert van Loon und Bea Peter.

„Weltenfresser“ taufte Angelika Keller aus Aldenhoven ihr Skulpturenduo aus einer augenlosen Büste mit Haartolle, die in Richtung einer Weltkugel gewandt ist. Damit gestaltet die Künstlerin eine politische Botschaft und ruft auf, die Zeit zwischen der aktuellen weitgehenden Versorgtheit und einer zukünftig großen Veränderung zu nutzen, „die Stimme zu erheben“. „Nach dem Crash“ hat Willi Arlt aus Lindern seine 1,75 Zentimeter hohe Eisenplastik genannt.

Ein kleiner Figurenreigen aus Bronze spiegelt inmitten eines Aufpralls die beiden Seiten eines Crashs wider, Betroffene und Helfer. „Verboote“ heißt die Skulptur von Steffi Mosburger Dalz und Martin Dalz aus Wegberg. Zu sehen ist ein aus Ästen gebundenes boothaftes Konstrukt, das von nur stückhaft lesbaren Wörtern auf weißen Fahnen umweht wird.

Das Innenleben eines einfachen Fisches, sowie dessen äußerliche Formvariationen spielen in zwölf Zeichnungen auf einem Banner mit dem Assoziationswillen des Betrachters. Es handelt sich um Zeichnungen des 2008 verstorbenen Künstlers Hans-Peter Tramperts, Gründer des Künstlertreffs Hückelhoven-Millich.

Linnichs Bürgermeisterin Marion Schunck-Zenker eröffnete vor vielen Gästen die Schau, die bis zum 7. Oktober zu sehen ist, an der Treppe zum Rurufer in Höhe Trumpgen­straße.

Bis auf einen Obolus des Stadtmarketingvereins „Wir in Linnich“ tragen die Künstler ihre Werke unentgeltlich bei.

(ptj)
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