Hambach: Zahl der Kinder, die als Sternsinger Geld sammeln, sinkt auch in Hambach

Hambach : Zahl der Kinder, die als Sternsinger Geld sammeln, sinkt auch in Hambach

„Wir suchen noch dringend Sternsinger!“, war in zahlreichen Pfarrbriefen und/oder Internetauftritten der Pfarrgemeinden im Jülicher Land zu lesen. Wer einen Besuch der Sternsinger wünscht, muss sich mancherorts dafür im Pfarrbüro anmelden.

Es ist die Tendenz, die auch vielen Vereinen das Leben schwer macht: Es gibt immer weniger Menschen, die bereit sind, sich ehrenamtlich zu engagieren.

Seit über 30 Jahren sammeln auch in Hambach Kinder und Jugendliche im Namen des Kindermissionswerkes „Die Sternsinger“ Spenden für den guten Zweck. Die Idee entstand damals vor dem Hintergrund des Hin- und Herschenkens zwischen den Kommunionkindern.

„Die Mütter haben überlegt, was man Sinnvolleres mit dem Geld machen könnte. Ich habe dann das Kindermissionswerk angeschrieben und um ein Projekt gebeten. So sind wir auf Schwester Christa gestoßen“, erzählt Marga Rosenkranz, die das Dreikönigssingen in Hambach von Anfang an organisiert. Denn das in Hambach gesammelte Geld kommt den Projekten von Schwester Christa in Bolivien zugute. „Das ist ja das Schöne daran: Wir wissen genau für wen und was wir sammeln“, so Rosenkranz weiter.

Suche nach Kindern

Mit ihren Mitstreiterinnen Maria Sieben und Simone Krupp geht Rosenkranz in die Schule und den Kindergarten des Dorfes, sie schreiben Kommunionkinder und Messdiener an und sprechen gezielt mit weiteren Kindern und Jugendlichen, die in Frage kommen könnten. Allen erzählen sie von der Not der Kinder in Bolivien und wie diese durch eine kurze Sammelaktion in Hambach ein wenig gelindert werden kann und was bereits alles dort bewegt worden ist.

Aber immer weniger junge Menschen erklären sich dazu bereit, und auch erwachsene Betreuer zu finden, wird immer schwieriger. „Früher hatten wir so viele Kinder, dass wir gar nicht jedem ein Kostüm geben konnten“, erinnert sich die Ehrenamtlerin. Doch in den letzten fünf Jahren nimmt die Zahl der Kinder rapide ab.

Bei der Ursachenforschung sind sie und ihre Kolleginnen sich einig: Es sind die Eltern, die nicht mehr dahinterstehen und nicht mehr gewillt sind, ihrem Nachwuchs auch zu erklären, dass mit dem „Opfer“ einer rund zweistündigen Sammelaktion vielen Mädchen und Jungen, denen es bei weitem nicht so gut geht wie deutschen Kindern, Unterkunft, Essen und Bildung ermöglicht werden können. Erst recht käme wohl nicht in Frage, gar drei Tage lang sammeln zu gehen.

So war es nämlich zu Beginn des Dreikönigssingens in Hambach — da waren gerade einmal vier Kinder unterwegs, erinnert sich Marga Rosenkranz. Doch da war die Motivation wohl noch eine andere als heute. Bislang hat es in der Pfarrgemeinde St. Antonius indes immer noch genug Sternsinger gegeben, um das ganze Dorf abzulaufen, was sicherlich auch mit der Organisation zusammenhängt.

Selbstgenähte Kostüme

Die Kinder und Betreuer werden in mehreren Treffen vorab vorbereitet und die Lieder werden geübt. Die Mädchen und Jungen erhalten liebevoll von vielen Müttern im Laufe der Jahre genähte Kostüme, die von Marga Rosenkranz und ihren Mitstreiterinnen nummeriert, aufbewahrt, übers Jahr gegebenenfalls ausgebessert und dann — den Größen entsprechend — an die Kinder verteilt werden.

Gemeinsam besucht die Gruppe den Aussendungs- und den Dankgottesdienst in Niederzier und am Tag der Sammlung erhalten alle Sammler, Betreuer und Helfer als kleinen Dank ein warmes Mittagessen im Pfarrheim, wofür weitere Helferinnen ehrenamtlich zur Verfügung stehen.

Hilde Stockschläder ist hier auch schon seit 30 Jahren dabei. In der gemütlichen Runde lassen sich alle ihre Stärkung schmecken und den Vormittag Revue passieren. Wo haben die Kinder den Text vergessen, wer hat die Erwachsenen zum Eierlikör eingeladen, welche Gruppe war am längsten unterwegs? Die meisten haben viel Schönes erlebt, denn immer noch freuen sich viele Menschen über den Besuch und den Segen, den die Sternsinger zum Beginn des neuen Jahres bringen.

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