Jülich: Wuschelige Begegnung in der Stadtbücherei Jülich

Jülich : Wuschelige Begegnung in der Stadtbücherei Jülich

„Das letzte Wort über die Wunder des Hundes ist noch nicht geschrieben“, behauptete vor rund 100 Jahren der US-amerikanische Schriftsteller Jack London. Bis heute mag dieser Satz seine Gültigkeit erhalten haben.

Was jedoch ein kuscheliges Fell, eine kalte Schnauze oder ein treuer Hundeblick bei Kindern mit Gewissheit bewirken kann, erleben die Mitglieder des Jülicher Vereins „Tiere als Therapeutische Begleiter“ seit zwölf Jahren in ihrer ehrenamtlichen Arbeit. Tiere, vor allem Hunde, bewerten die Menschen nicht. So helfen sie Kindern und Jugendlichen mit sozialen Integrationsproblemen, ihr Selbstwertgefühl zu steigern und erleichtern dadurch den zwischenmenschlichen Dialog. „Tiere bilden hier eine wichtige Kontaktbrücke“, erklärt die Vorsitzende Dr. Josefine Heckhausen-Reinartz.

Bei der Veranstaltung „Lesen mit Hund“ in der Jülicher Stadtbücherei übernahmen die zotteligen Vierbeiner diesmal eine besondere Aufgabe. „Das Heranführen der kleinen Leser an die Literatur“, hätte das Kommando lauten können. Die fünf Therapiehunde führten es bravourös aus. Es war sehr still in einer kuscheligen Ecke der Bibliothek, wo die Kinderschar neben den kleinen und großen Hunden einer Buchvorlesung lauschte.

Die von den Kindern selbst gewählte Lektüre erzählte natürlich von den Abenteuern eines Hundes und seiner kleinen Freundin. Das Buch „Willi der Strandhund“ von Wolfram Hänel, gelesen von der Vorlesepatin Edith Deneffe-Buchkremer, zog die Zuhörer in seinen Bann. Dabei wurde mit vielen kleinen Händen gekrault, gestreichelt und gekuschelt. „Gib dem Menschen einen Hund, und seine Seele wird gesund“, empfahl schon im zwölften Jahrhundert die Universalgelehrte Hildegard von Bingen. Die entspannten, verträumten Gesichter der Kinder während der „Hundevorlesung“ zeugten von der Aktualität dieser Empfehlung.

Auch die kleine Border-Terrier-Dame Abby schien im siebten Hundehimmel zu sein, während sie auf dem Rücken lag und von mehreren kleinen Verehrern gleichzeitig verwöhnt wurde. Die äußerst kinderliebe Paula, eine Labradorhündin, fand einen Ruhepol auf den Beinen eines nicht minder entspannten Mädchens.

Für die kleinen Tierliebhaber war es ein großes Erlebnis, am Ende der Vorlesestunde mit einem Hund spazieren zu gehen. Viele taten das zum ersten Mal. So wurden alle Hunde mit höchster Konzentration durch die Räume der Stadtbücherei an der Leine geführt. Bella, die Königspudelhündin, war zwar viel größer als ihre kleine menschliche Begleiterin, befolgte jedoch alle Anweisungen des Mädchens gleichermaßen, wie der winzige, wuschelige Havanese Buddy es für seinen, ihn um einige Zentimeter überragenden, Leinenführer tat.

In der Gesprächsrunde mit den Hundeerziehern versuchten die Kinder sich vorzustellen, wovon die Hunde nachts träumen mögen. Ihre Fantasie lieferte unzählige abenteuerliche Ideen. Die Menschen werden dies womöglich niemals erfahren, aber wovon die Mädchen und Jungs in der Nacht nach der Begegnung mit den liebenswerten Vierbeinen träumten, ist wohl kein großes Rätsel.

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