Wunderbaren Geschichten in Linnich neues Leben eingehaucht

Linnicher Kultursommer : Wunderbaren Geschichten neues Leben eingehaucht

„Die Erzähler dieser Welt haben Unmengen an Geschichten zusammengetragen“ – diesen hauchten die ausgebildeten Geschichtenerzählerinnen Cora Denninghoff, Trü Kobusch und Aliki Nalbantis in einer Selbstinszenierung neues Leben ein, völlig frei vorgetragen und reich an Gestik und Mimik im Rahmen des Linnicher Kultursommers.

Die zumeist alten Geschichten stammten aus Literatur und Mythologie, aus dem Buddhismus oder dem Judentum, aus Märchen oder Fabeln.

„Was passiert dann mit den Zuschauern? Sie lachen, bedauern oder bewundern uns“, brachten die Erzählerinnen die gewünschte Eingebundenheit des Publikums auf den Punkt.

Passend zu den Inhalten mit märchenhaftem Touch waren die Tische im Saal des Martinuszentrums mit Rosen, Rosenblättern und Kerzen gedeckt – dank der Mitarbeiter der Katholisch Öffentlichen Bücherei (KÖB).

Tonkrug und Kupferkessel

So lauschten die Gäste in lockerer Atmosphäre bei einem Gläschen Wein „Geschichten über die Lust und die Liebe und was passiert, wenn es schief geht“. „Schief“ ging es gleich in der ersten Erzählung, vorgetragen von Trü Kobusch. Es handelte sich um eine Fabel „von einem Tonkrug und einem Kupferkessel“, die sich zu lieben lernten, was aber wegen ihrer zu unterschiedlichen Natur nicht von Dauer sein konnte – der Tonkrug zerbrach.

Mächtig Spaß hatten die Gäste etwa mit einer Annekdote in blumiger Sprache aus den 20er Jahren in Köln, zum Leben erweckt von Aliki Nalbantis. Protagonisten waren der junge Doktorand Paul Andernach, der mit der Frau seines Professors, Klara, in seiner Dachkammer eine Liebschaft hatte. Als der Professor schließlich in der Kammer auftauchte, um Paul und seine Mitdoktoranden nach Königswinter einzuladen, ersann Paul in höchster Not eine List. Er schlug die Bettdecke über der verhüllten Klara zurück und entblößte ihren Körper, nicht aber ihren Kopf. Dem Professor „fielen vor Lüsternheit fast die Augen aus dem Kopf“, erkannte aber seine Frau nicht. Im Gegenteil erzählte er ihr später von der aufregenden Geliebten des Doktoranden, mit deren tollem Körper sie niemals mithalten könne.

Metzger Jakob schielt...

Ein weiteres Beispiel ist eine Geschichte in jüdischer Erzählweise mit dem typisch jüdischen Humor, aus dem vorletzten Jahrhundert in Wien. Es geht um den koscheren Metzger Jakob, der stets zugunsten der Käufer „schielt, wenn er das Fleisch auf die Waage legt“. Im Mittelpunkt steht der vermeintliche Diebstahl seines neuen Mantels. Verdächtigt wird die „saufende Linie“ seiner Frau Sarah. Auf den Rat des Rabbies, der bei allen Alltagsproblemen herangezogen wird, gibt er ein Essen, dem ein ausführliches Gebet inklusive der zehn Gebote vorausgeht. Beim Gebot „Du sollst nicht stehlen“ soll der vermeintliche Dieb an seinem roten Gesicht erkannt werden. Doch „als ich bei dem Gebot war, du sollst nicht ehebrechen, ist mir eingefallen, wo ich den Mantel hab‘ hängen lassen“.

Kräftiger Applaus belohnte die Geschichtenerzählerinnen.

(ptj)
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