Wolfgang Willingshofer mit Goldenem Meisterbrief geehrt

Goldener Meisterbrief : Den Beruf gibt es so nicht mehr

Wohin ihn die Reise seines Lebens einmal führen würde, nur weil er den Beruf des Radio- und Fernsehtechnikers gelernt hat – das konnte sich Wolfgang Willigshofer im Jahre 1953 mit Sicherheit nicht vorstellen.

Damals begann er seine Lehre bei der Firma Dahmen in Höllen, später war er bei Radio Müller und zum Schluss 24 Jahre lang bei EP Loevenich beschäftigt.

„Ich war damals übrigens der erste Radio- und Fernsehtechniklehrling in Jülich“, erinnert der 80-Jährige sich. Vor kurzem erhielt Willingshofer, der am 9. April 1938 im Sudetenland (Teplice-Schönau) geboren wurde, dann nach Thüringen evakuiert wurde und 1948 nach Jülich kam, den Goldenen Meisterbrief von der Handwerkskammer Aachen. Denn dort legte er vor 50 Jahren, am 7. Oktober 1968, die Meisterprüfung ab.

Durch verschiedene Lehrtätigkeiten, die er für die Handwerkskammer übernahm, kam er auch als Dozent für den Berufsförderungsdienst der Bundeswehr nach Nörvenich. „Damals konnten die Berufssoldaten nebenher noch einen zivilen Beruf erlernen“, erklärt er. Und so kam es auch, dass er als Prüfer der Innung insgesamt drei Mal nach El Paso, Texas, reiste. „Dort gab es einen Bundeswehrstützpunkt“, erzäühlt Willingshofer. Jeweils drei Wochen blieb er mit seinen Kollegen vor Ort und nahm die offizielle Prüfung der in den USA zu Radio- und Fernsehtechnikern ausgebildeten deutschen Berufssoldaten vor. „Vom Land haben wir allerdings nicht allzu viel gesehen, aber nach Mexiko sind wir schon mal rübergefahren“, erinnert sich der Rentner.

Darüber hinaus leitete Willingshofer bei der Handwerkskammer einen Meisterlehrgang und war mehr als 20 Jahre Mitglied des Gesellenprüfungsausschusses und auch Vorsitzender des Gesellenausschusses für Nicht-Selbständige bei der Innung. 1975 heiratete der mittlerweile verwitwete 80-Jährige und wurde Vater eines Sohnes.

Noch heute beschäftigt Wolfgang Willingshofer sich gerne mit jedweder Technik. „Das habe ich im Blut – durch meine Lehrtätigkeit war ich immer gezwungen, mich mit der jeweils neuesten Technik auseinanderzusetzen.“ So sitzt er gerne am Computer und befasst sich mit Bildbearbeitung. Außerdem besucht er regelmäßig seinen ehemaligen Arbeitgeber EP Loevenich auf ein Pläuschchen.

Die Ausbildung zum „Radio- und Fernsehtechniker“ gibt es übrigens heute nicht mehr, heute heißt der Beruf Informationstechniker. „Die modernen Smart-TVs heutzutage könnte ich wohl nicht mehr reparieren“, schmunzelt der Rentner.

(dol)
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