Linnich: Wiebke Harbeck als Pfarrerin in Linnich eingeführt

Linnich: Wiebke Harbeck als Pfarrerin in Linnich eingeführt

Die ersten Gespräche sind geführt, Kontakte geknüpft und neue Bekanntschaften geschlossen. Die ersten Gottesdienste und Predigten sind gehalten und so langsam hat sich die Familie im frisch renovierten Pfarrhaus eingelebt. Seit dem 1. August lebt und arbeitet die neue Pfarrerin der evangelischen Kirchengemeinde, Wiebke Harbeck, in Linnich. Bisher, so sagt sie, sei ihr Eindruck durchweg positiv.

Herzlich und liebevoll wurde sie mit ihrem Ehemann und den beiden Töchtern aufgenommen. Große Unterstützung fanden sie beim Umzug und der Eingewöhnungsphase. Harbeck hat auch den Eindruck, dass die Gemeinde mit ihrem engagierten Presbyterium die fast einjährige Zeit ohne Pfarrer gut verkraftet hat und das Gemeindeleben lebendig gehalten wurde. Dennoch stellt sie auch fest, dass die Gemeinde allgemein froh und erleichtert ist, dass die Pfarrstelle wieder besetzt ist.

Am kommenden Sonntag um 14 Uhr wird die neue Pfarrerin in einem festlichen Gottesdienst in ihr Amt eingeführt. Dann, so sagt sie, will sie sich an die konzeptionelle Arbeit machen, allerdings mit Bedacht. „Ich denke, ich brauche ein ganzes Jahr, um mich zurecht zu finden. Schauen, kennenlernen und Traditionen verstehen, hat zunächst einmal Vorrang“, sagt sie.

Sie weiß indes schon, dass sie sich verstärkt den jungen Familien widmen möchte, um sie an die Gemeinde zu binden. Weiterhin wurde der Wunsch an sie herangetragen, eine Art ehrenamtliche Hilfsbörse aufzubauen. Ihr Herz schlägt zudem ganz besonders für die Kirchenmusik und einer guten musikalischen Gestaltung der Gottesdienste. Kein Wunder, trug sie sich doch auch schon einmal mit dem Gedanken, Musik zu studieren und spielt selbst Querflöte.

In Linnich glaubt sie sich da am richtigen Ort. Zum einen ist sie ganz begeistert von der schönen Barockorgel und in der neuen Kantorin Youna Park, die nahezu zeitgleich hier ihre Arbeit aufnahm, denkt sie die entsprechende Unterstützung zu finden. So ganz neu ist für die Pfarrerin die Region übrigens nicht.1970 in Münster geboren, kam sie mit sechs Jahren nach Bonn, besuchte dort die Schule und legte am St. Adelheid Gymnasium in Pützchen ihr Abitur ab.

Zunächst entschloss sie sich, Deutsch und evangelische Religion auf Lehramt zu studieren. Letzteres war nicht zuletzt bedingt durch ihr frühes Engagement in ihrer Heimatgemeinde. Auch ihre Mutter war Religionslehrerin und so waren Kirche und Glaube stets Thema bei ihr zu Hause. Dann entdeckte sie ihre Begeisterung für das Alte Testament, lernte in einem Ferienkurs in Bethel hebräisch und entschloss sich, zusätzlich Theologie auf Pfarramt zu belegen.

Zunächst legte sie ihr kirchliches Examen ab und verzichtete aufs Staatsexamen, als sie gleich eine Vikarsstelle in Mönchengladbach-Eicken erhielt. Nach dem zweiten Examen absolvierte sie den Probedienst in Wegberg. Während dieser Zeit betreute sie für den Kirchenkreis Jülich den Kirchengarten bei der Landesgartenschau in Jülich, von der Vorbereitungsphase bis zur abschließende Dokumentation.

Am 1. März 2001 erhielt sie eine Anstellung an der Luthergemeinde Remscheid und kehrt nun in den Kirchenkreis zurück. „Vieles ist mir hier bekannt, viele Pfarrerskollegen kenne ich auch noch. Es ist kein absolutes Neuland, das ich hier betrete, obwohl sich in den vergangenen zwölf Jahren einiges verändert hat. Auch das Leben auf dem Land habe ich schon kennen gelernt und ich freue mich darauf“, erklärt sie.

Selbstbewusstes Auftreten

Positiv an der Linnicher Gemeinde ist ihr aufgefallen, dass sie trotz der Diasporasituation sehr selbstbewusst auftritt. „Die Gemeinde hat Profil. Auf der anderen Seit wirkt sie sehr einladend und versteht sich als Bestandteil dieser Stadt. Das konnte ich auch beim Gemeindefest kennenlernen, bei dem sich ganz Linnich im Pfarrgarten einfand“, sagt sie.

So ist sie mit Blick auf Ökumene sehr optimistisch. „Wir glauben an einen Herrgott und sind alle Christen. Als solche stehen wir uns nahe und auf dieser Basis lässt sich mit gegenseitiger Toleranz und Akzeptanz eine Menge machen, ohne sich zu verbiegen. Das, was möglich ist, muss in Ruhe ausgelotet werden“, betont sie. So sieht sie ihrer Arbeit in Ruhe und mit Freude entgegen, zumal Wiebke Harbeck sich nicht nur durch ihre Familie gestützt sieht. „Es ist zwar eine Einzelpfarrstelle, die ich hier bekleide, doch die Pfarrerinnen und Pfarrer in der Region arbeiten zusammen. Hier findet man Unterstützung und Austausch und ich verstehe mich nicht als Einzelkämpferin.“

(Kr.)
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