Jülich: „Welttag des Stotterns“ wirbt für mehr Toleranz

Jülich: „Welttag des Stotterns“ wirbt für mehr Toleranz

Wer stottert, braucht zum Reden etwas länger. „Gelassen bleiben“, rät dann die Jülicher Logopädin Corinna Reitz, sie empfiehlt Geduld im Umgang mit stotternden Menschen. Am 22. Oktober, ist der „Welttag des Stotterns“, er wirbt für Toleranz und dem Abbau von Vorurteilen.

Der Tag wird seit 1998 jährlich von weltweiten Verbänden der Betroffenen, Fachleuten und Angehörigen begangen und findet in diesem Jahr unter dem Motto „Wir sprechen mit einer Stimme“ statt. In Jülich gibt Sprachtherapeutin Corinna Reitz unserer Zeitung Einblicke in die Therapiemöglichkeiten.

„Manche Kinder fallen früh mit Unflüssigkeiten auf“, erklärt Reitz. Sie machen Sprechpausen, überlegen lange, fangen noch mal neu an, suchen nach Wörtern. Dieses Phänomen trete auf, wenn das Kind mehr Gedanken im Kopf habe, als es sprachlich ausdrücken könne. Das bewege sich aber im normalen Rahmen. Ein stotterndes Kind fällt anders auf. Es wiederholt einzelne Laute und Silben. Der Sprechfluss stockt. Der Zuhörer spüre förmlich, dass das Kinder weiter sprechen möchte, aber nicht kann. Natürlich sorgen sich die Eltern dann. Was kann getan werden? Da die Auffälligkeiten entwicklungsbedingt sein können, heißt es erst einmal abwarten, antwortet Reitz, erst recht, wenn das Kind unter fünf Jahren alt ist.

Bleiben die Probleme über Monate bestehen, sollte der Kinderarzt hinzugezogen werden, der dann eventuell Logopädie verordnet. In der sprachtherapeutischen Behandlung lernen die Kinder, mit dem Stottern umzugehen. Den Kindern soll der Druck genommen, die Kinder lernen, zum Stottern zu stehen. Aufklärende Gespräche mit Schule und Eltern unterstützen das Kind, wie spielerische Wahrnehmumgsübungen. Registrieren kleine Kinder ihr Stottern überhaupt nicht, arbeitet die Logopädin vor allem mit dem Umfeld. Damit vermeidet sie die Entstehen eines frühen Störungsbewusstseins.

Kommt „Bella“ zum Einsatz sind die Kinder besonders motiviert, sagt Reitz. Der junge Mischlings Labrador ist ein Therapiebegleithund, angewendet wird die tiergestüzte Therapie. Der Hund erleichtere die Kontaktaufnahme zu den Kindern, die Atmosphäre sei entspannter, er werde in spielerische Übungen mit einbezogen, könne sogar würfeln. Für Kinder sei es eine tolle Erfahrung dem Hund Anweisungen geben zu dürfen, die üblich Rollenverteilung umzukehren. Denn sonst seien es immer die Kinder die Anweisungen erhalten, erklärt Reitz.

Mit zunehmenden Alter der Kinder vermittelt die Therapeutin Techniken um die Spannung im Redefluss zu reduzieren. Grundlage ist die zuvor erlernte Wahrnehmung des Stotterablaufs. Wegzaubern lässt sich das Stottern allerdings nicht. Die sprachlichen Wiederholungen, das „hängenbleiben“ auf einer Silbe und die Dehnungen, ließen sich gut behandeln, informiert Reitz, hartnäckig seien die „Blockaden“, die erst durch das entwickelte Störungsbewusstsein entstehen. „ Heilen kann man das Stottern nicht“, sagt Reitz deutlich, „man kann nur lernen, damit umzugehen“. Die Therapiesitzungen dauern meist 45 Minuten. Bei Kindern verschwinde das Stottern manchmal im Grundschulalter, manchmal später. Desto älter die Kinder sind , desto geringer die Wahrscheinlichkeit, dass es wieder verschwindet.

In der Erwachsenentherapie vermittelt die Sprachtherapeutin Techniken, wie der Betroffene möglichst unauffällig seinen Alltag meistern kann. Trainiert wird eine größtmögliche Kontrolle über das Sprechen.