Weltkriegsbombe in Aldenhoven erfolgreich entschärft

Bei Räumung hilflosen Mann entdeckt : Wie eine Bombe 70 Jahre später ein Leben rettete

Einen Schreck in der Abendstunde erlebten rund 3200 Menschen im Aldenhovener Zentrum, die nach einem Bombenfund am Pestalozziring ihre Wohnungen und Häuser verlassen mussten. Dabei wurde ein Mensch gerettet, der sich seit Tagen nicht aus seiner hilflosen Lage hatte befreien können.

Die Evakuierung verlief ebenso erfolgreich wie die Entschärfung des britischen Sprengkörpers gegen 22.30 Uhr am Donnerstag. Die größte Schwierigkeit der Einsatzkräfte, nämlich auch wirklich alle Menschen aus der Gefahrenzone zu bringen, hat einen Senior vermutlich vor dem Tod bewahrt.

Bei der Räumungsaktion stießen die Mitarbeiter von Feuerwehr, Ordnungsamt, Polizei und Katastrophenschutz nämlich auf einen Bürger, der schwer erkrankt war und sich schon seit Tagen weder bemerkbar machen konnte noch selbst aus seiner hilflosen Lage hätte befreien können. Das berichtete Gemeindebrandmeister Wilfried Thelen im Gespräch mit der Redaktion. „(Hilflose) Person hinter Tür“ heißt das im Fachjargon der Retter. Die Tür wurde geöffnet, der Senior versorgt und gerettet.

Thelen und viele andere konnten am späten Abend aufatmen, zuvor blieb nicht viel Zeit zum Nachdenken. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung des Zentralortes musste die Wohnungen und Häuser verlassen: „In Summe waren fast 3200 Einwohner betroffen“, sagt der Feuerwehrchef.

In Aldenhoven leben rund 7500 Menschen, davon entfallen aber etwa 1300 auf Neu-Pattern. Nach gut drei Stunden war die Räumung abgeschlossen. „Die Entschärfung der Bombe hat gerade begonnen ... Daumen drücken!“, schrieb Franz-Josef Krieger 15 Minuten später, der im Rathaus die Kommunikation der Großaktion sicherstellte und auch in den Sozialen Medien informierte.

Von den 3200 Menschen waren nur rund 230 in der Hauptschulaula, wo sie von 40 Helfern versorgt wurden. Also haben sich fast 3000 Frauen, Männer und Kinder zu Verwandten oder Freunden geflüchtet.

Bei der Räumung gingen Feuerwehr, Polizeikräfte aus Jülich, Ordnungsamt und Katastrophenschutz jede Wohnung ab, nachdem die Einwohner per Lautsprecherdurchsagen informiert worden waren. „Wir haben die Wohnungen, die leer sind, dann mit einem roten Klebeband als eine Art Siegel versehen“, erklärt Wilfried Thelen. Bei einer zweiten Runde wurde jede Eingangstür mit grünem Klebeband gekennzeichnet. Weitere laut Gemeindebrandmeister etwa 40 Beamte der Bereitschaftspolizei aus Aachen mussten Schaulustige von der Einsatzstelle fernhalten.

Bei der Räumung habe es zwar einige „renitente“ Bewohner gegeben und manche, die nicht gehen wollten, aber da mussten die Behörden durchgreifen. Schwierig war auch, dass viele pflegebedürftige oder nicht gehfähige Menschen zu evakuieren waren. „Sechs Personen wurden ins Krankenhaus gefahren, der Rest musste mit Rettungswagen in die Aula gebracht werden“, berichtet Thelen.

„Das war mal wieder eine Herausforderung“, sagt der Gemeindebrandmeister am Tag danach, „aber die Zusammenarbeit aller hat prima geklappt.“ Diese Einschätzung teilten viele Menschen in den Sozialen Medien und Bürgermeister Ralf Claßen (CDU), der den Einsatz ebenfalls begleitete. Er sagte gegenüber der Redaktion: „Wir hätten uns zwar sicher alle gern den Aufwand erspart, ich kann aber sagen, dass ich stolz bin auf alle Beteiligten. Das hat bemerkenswert professionell funktioniert.“

Der Kampfmittelräumdienst brauchte etwa 20 Minuten, um die 125-Kilogramm-Fliegerbombe britischer Herstellung zu entschärfen.