Gut Müllenark: Wechselvolle politische Geschichte

Gut Müllenark : Wechselvolle politische Geschichte

Das ganze Dorf war aktiv, als Schophoven erstmals die Türen seiner Sehenswürdigkeiten öffnete und sich damit an der bundesweiten Aktion zum Tag des offenen Denkmals beteiligte.

Während viele interessierte Gäste im Stundentakt durch Gut Müllenark geführt wurden, vergnügten sich die Kinder beim großen Familienfest auf dem Areal vor der ehemals mehrteiligen Wasserburganlage aus dem 12. Jahrhundert, deren einstige wirtschaftliche Bedeutung man heute nur erahnen kann.

Erhalten ist nur noch der Bereich der Vorburg. Belegt ist der Name „Molenark“ (Mühlenwehr) erstmals 1129 durch den damaligen Besitzer Gerhard von Molenark. Hubert Schleipen, Vorstandsmitglied im Geschichtsverein der Gemeinde Inden und Mitgestalter der Festschrift, startete seine Führung auf der Kuhweide an der Motte mit den Überresten der ersten, vermutlich hölzernen Burg Müllenark.

Herzog und Erzbischof streiten

Schleipen klärte auf über den geschichtlichen Kontext, im Laufe dessen Gut Müllenark in den Rivalitäten zwischen den Jülicher Herzögen und dem Kölner Erzbistum immer wieder zum Streitpunkt wurde. Kriegerische Unternehmen gegen Bischöfe waren nicht selten, weil die Diözesen mit zum Teil großen Grundbesitzen ausgestattet wurden und die Bischöfe in die Rolle eines Landesherrn hineinwuchsen.

So war zwischen 1161 und 1172 ein Vogt des Kölner Domstiftes, Herman von Molenark zugleich auch Verwalter des Gutes. 1185 wurde Burg Müllenark zur kurkölnischen Herrschaft. Als Heinrich von Molenark von 1226 bis 1238 als Heinrich I. von Köln den erzbischöflichen Stuhl bestieg, begannen die Auseinandersetzungen mit den Grafen von Jülich. 1234 griff Graf Wilhelm IV. von Jülich zu den Waffen, belagerte die Burg, konnte sie aber nicht erobern.

Später suchte man auf friedlichem Wege nach einer dauerhaften Konfliktlösung durch die Verlobung des Walram von Jülich mit Mathilde von Molenark, der Nichte des verstorbenen Erzbischofs Heinrich von Molenark. Per Vertrag sollte die Ehe erst vollzogen und die Mitgift fällig werden, wenn die Braut 14 Jahre alt war.

Weil die Jülicher aber sofort die Mitgift beanspruchten, besetzten sie kurzerhand die Burg. Auf vereinten Druck der Bistümer von Kleve und Köln gaben sie dann aber nach und erstatteten die Burganlage Cono von Molenark zurück, der sie als kölnisches Lehen behielt.

Wappen und derber Barock

Die Besuchergruppe umwanderte die einst so stolze Anlage und nahm die steinernen Spuren der ehemaligen Hochburg mit Brunnen und Batterieturm in Augenschein, ein Areal, das ein wenig an einen verwunschenen Garten erinnerte. Am besten erhalten war der östliche Eckturm.

Vom ehemaligen hoch aufgemauerten Herrscherhaus aus dem 15. bis 16. Jahrhundert mit Pächterwohnung, das 1911 abgerissen wurde, war nichts mehr übrig, wohl aber Teile der einstigen Zugbrücke, die die Hochburg und Vorburg verband. Der Weg zum Brunnen war weit, aber keiner konnte das Grundwasser vergiften, betonte Schleipen. Das Haupttor der Vorburg aus Ziegelmauerwerk zeigte das Wappen von Metternich und Orsbeck zwischen derben Barockfiguren.

Interessant waren die Nischen der Innenseite, vom Wirtschaftshof aus betrachtet. Dort war rechts die „Flora“ zu sehen, die altrömische Göttin der Blüte, der Pflanzenwelt und des jugendlichen Genusses, links „Silen“, die zweibeinige Mischgestalt aus Mensch und Pferd im Gefolge des Fruchtbarkeitsgottes Dioysos.

In den Tag des Offenen Denkmals einbezogen wurde die neuromanische Kirche St. Barbara. Ein Lichtspektakel um die illuminierten Denkmäler beschlossen am Abend den Tag.

(ptj)