Deutsches Glasmalereimuseum: Wechsel an der Spitze nach mehr als zwölf Jahren

Deutsches Glasmalereimuseum : Wechsel an der Spitze nach mehr als zwölf Jahren

Das Deutsche Glasmalereimuseum hat schon einige Menschen an der Spitze gesehen. Mit dem Ausscheiden von Leiterin Dr. Myriam Wierschowski endet nun die bislang längste Ära nach mehr als zwölf Jahren.

Das Kuratorium der Trägerstiftung wählte Luzia Schlösser als Nachfolgerin, die künftig in einer Doppelrolle an der Spitze der Linnicher Einrichtung und des Burgenmuseums Nideggen stehen wird.

Die Kuratoriumssitzung der Stiftung Deutsches Glasmalerei-Museum am Nikolaustag war passenderweise mit einer Bescherung verbunden: Das von Landrat Wolfgang Spelthahn geführte Gremium bestätigte einstimmig die vom Stiftungsvorstand nominierte Luzia Schlösser als neue Leiterin des Linnicher Hauses. Auf eigenen Wunsch verlässt Dr. Myriam Wierschowski zum Jahresende das renommierte Spezialmuseum, das sie seit 1. Februar 2006 leitet.

Bevor es zu der Wahl kam, erläuterte Luzia Schlösser dem Kuratorium ihr Konzept für die weitere Entwicklung in Linnich. Die Museumslandschaft ist der 56-Jährigen nicht fremd, denn sie ist bereits seit Jahren für das Burgenmuseum Nideggen verantwortlich und wird das auch weiterhin tun. Angestrebt wird künftig eine Verbundlösung der beiden Museen in Linnich und Nideggen, wobei Luzia Schlösser als Leiterin beider Häuser in eine Doppelrolle schlüpfen wird.

Diese Kooperation ist nicht ganz neu, denn über Jahre sind parallel Glasmalereien aus Linnicher Beständen im Burgenmuseum ausgestellt worden. Da die neue Museumsleiterin an Zeit und Raum gebunden ist und nicht gleichzeitig in beiden Häusern wirken kann, ist nach Aussage von Geschäftsführer Carlo Aretz vom Vorstand der Stiftung Glasmalerei-Museum in Linnich mit einer personellen Aufstockung zu rechnen.

Zunächst aber wird Luzia Schlösser mit dieser speziellen Konstruktion ein neues Kapitel in der gut 20-jährigen Geschichte des Glasmalerei-Museums aufschlagen, das in den ersten Jahren seines Bestehens eine starke Fluktuation an der Spitze erlebte. Erster Kurator und Mitvorbereiter der Eröffnungsausstellung „Lichtblicke“ war bis März 1998 Dr. Thomas Heyden, der jedoch – wie vorher schon angekündigt – in seine Heimatstadt Nürnberg zum dortigen „neuen Museum“ wechselte. Nur eine kurze Stippvisite von Mitte März bis Ende Juni ’98 war Dr. Dagmar Täube-Hufendiek in Linnich beschieden, da die Vorstellungen der ehrgeizigen Leiterin und die bescheidenen finanziellen Möglichkeiten des Museums weit auseinandergingen.

Knapp drei Jahre, vom 1. Oktober 1998 bis 31. März 2001, übernahm Dr. Ulrike Hoppe-Oehl die Museumsleitung, die für sie zum Sprungbrett für den Wechsel in das größere Museum der Ernsting-Stiftung in Coesfeld avancierte. Ein Stabilitätsanker in der Museumsarbeit war die Ägide von Dr. Iris Nestler, die von April 2001 bis Januar 2006 das Museum und seine Sonderausstellung auch mit diversen Publikationen bekannt gemacht hat.

Die Ära von Dr. Myriam Wierschowski ist dadurch geprägt, dass es ihr immer wieder gelang, trotz knappster finanzieller Möglichkeiten mit der Hilfe diverser Sponsoren hochkarätige Ausstellungen nach Linnich zu holen. Zudem ist das Jahresprogramm durch außergewöhnliche Konzerte, Schattentheater, Kabarett, Exkursionen und andere kulturelle Events stark ausgedehnt worden. Dazu kamen die regelmäßigen Workshops in der Museumswerkstatt, das Museumsfrühstück und spezielle Kulturangebote für Kinder und Senioren, die das Haus weiter geöffnet haben.

Am Ende ließ das Kuratorium Blumen sprechen: Der bunte Strauß an Dr. Myriam Wierschowski war Dank, Anerkennung und Abschiedsgruß zu werten ist, während Luzia Schlösser ein herzliches Willkommen zuteil geworden ist.