Jülich: Wasserverbrauch sinkt und sorgt für Probleme

Jülich: Wasserverbrauch sinkt und sorgt für Probleme

Wenn der Wasserhahn aufgedreht wird, fließt frisches Wasser. Tätigen wir die Toilettenspülung, fließt das kostbare Nass ebenfalls, und verschmutztes Wasser verschwindet im Kanal. Gedanken über dieses Wasser entstehen häufig nur bei der Jahresabrechnung der Stadtwerke oder dem Gebührenbescheid der Stadt.

Die Stadtwerke Jülich holen das Lebensmittel aus 200 Metern Tiefe. Drei Brunnen pumpen klares, sauberes Wasser nach oben. Aber inzwischen macht der Tagebau den Stadtwerken Probleme. In einigen Jahres sind tiefere Bohrungen notwendig. Das größere Problem ist jedoch der sinkende Verbrauch, der in allen Rohrnetzen zusätzliche Spülungen aus hygienischen Gründen erfordert.

Kennen sich mit der Reinigung von Abwasserrohren bestens aus: Hubert Langen (l.) und Bernd Berg mit ihrem Spezialfahrzeug.

Viele Kilometer Rohrleitungen sind in Jülich und den angeschlossenen Ortschaften verlegt. Geplant und gebaut wurden sie teilweise vor Jahrzehnten. Für die Planungen verwendete man Prognosen über die Entwicklung der Bevölkerung und deren wahrscheinlichen Wasserverbrauch. Beides wurde damals steigend bewertet.

In der Zwischenzeit mussten diese Prognosen revidiert werden. Unsere Bevölkerung schrumpft, vor allem aber der Wasserverbrauch pro Kopf ging deutlich zurück. Verantwortlich dafür ist ein verändertes Umweltbewusstsein, das einen sparsamen Umgang mit den natürlichen Ressourcen fordert. Die für das Jahr 2000 prognostizierte Wassermenge von 193 Litern wurde nie erreicht. Gegenwärtig verbrauchen die Deutschen im Schnitt weniger als 140 Liter pro Tag. Und da beginnt für die Stadtwerke Jülich und die Bevölkerung gleichermaßen das Problem.

Teilweise überdimensioniert

Das Leitungsnetz — aufgebaut vor langer Zeit — ist nach heutiger Kenntnis teilweise überdimensioniert. Das bedeutet für das Versorgungsunternehmen, dass aus hygienischen Gründen zusätzliche Spülungen notwendig werden. Das dafür verwendete Frischwasser muss letztlich vom Verbraucher im Solidarprinzip mitbezahlt werden.

Als „Dilemma“ bezeichnete Sigrid Baum als Sprecherin der Stadtwerke diese Notwendigkeit. „Wenn wir ganze Straßenabschnitte neu legen oder erneuern, prüfen wir vorher sorgfältig, welcher Verbrauch hier zu erwarten sein könnte. Dazu haben wir ein eigenes Kalkulationsprogramm.“

„Wir sparen an der falschen Stelle“, betont Robert Helgers, Amtsleiter des Tiefbauamtes der Stadt. Er ist verantwortlich für das Abwasser, hat aber das gleiche Problem. Weniger Frischwasser bedeutet weniger Abwasser, was zusätzliche Spülungen erfordert. Das Tiefbauamt ist zuständig für fast 200 Kilometer Rohrleitungen in Jülich.

Bis zur Kläranlage ist die Stadt zuständig, ab dort übernimmt der Wasserverband Eifel-Rur die Verantwortung. „Je kleiner der Rohrdurchmesser, desto mehr Probleme haben wir“, fügte Stellvertreter Stefan Sistenich hinzu. Der Gesetzgeber schreibt einen Mindestdurchmesser von 30 Zentimetern vor, der aber immer wieder zu groß sei. Erschwerend kommt für das Tiefbauamt die Verordnung bei Neubaugebieten hinzu, die eine separate Regenwasserentsorgung vorschreibt. „Der Trennerlass des Gesetzgebers will das Wasser da lassen, wo es auftritt“, erklärte Helgers. Das Regenwasser steht dann für die Ausnutzung des Leitungssystems nicht zur Verfügung. Deshalb setzt das Amt ein Fahrzeug ein, dass abschnittsweise Abwasserleitungen reinigt und spült. Wenn bei längerer Trockenheit ein unangenehmer Geruch bemerkbar ist, rücken die Männer mit einem Spezialfahrzeug an und spülen und saugen. Aber nicht nur dann. „Wir haben den gesetzlichen Auftrag zur Reinigung der Abwasserleitungen“, betonte Helgers. Dazu werde jedoch nicht immer frisches Wasser verwendet. Das Fahrzeug verfügt über eine eigene Reinigungsanlage, außerdem nutzt die Stadt zwei Bäche.

„Das größte Problem des Abwassernetzes“, betonte Robert Helgers, „sind Essensreste. Die locken unweigerlich die Ratten an, die dann auch unsere Rohre freikratzen und annagen.“

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