Wasserverband: Rur-Hochwasser im Jülicher Land war nicht zu vermeiden

Wasserverband Eifel Rur bezieht Stellung : Hochwasser war nicht zu vermeiden

Der Wasserverband Eifel Rur (WVER) hat Stellung bezogen zu dem Vorwurf, die Ablassmenge an der Talsperre Schwammenauel nicht vorausschauend geplant zu haben. Demnach sei das Hochwasser der Rur nicht zu vermeiden gewesen, das am Wochenende Auswirkungen auf das Jülicher Land hatte.

Die betroffenen Anwohner an Gut Hasenfeld bleiben dabei: Der Wasserverband hat mit den Talsperren schlecht taktiert. „Es kann doch nicht sein, dass sie davon überrascht werden, dass zu dieser Jahreszeit mehr Wasser in die Talsperren fließt“, sagte Sascha Erkens. Noch am Montag kämpften die Freiwillige Feuerwehr und die Familie darum, dass das Wasser nicht in die Wohnräume eindringt.

Land war aber in Sicht, weil die Rur zwar immer noch stark angeschwollen ist, aber nicht mehr so wie am Samstag. Da führte sie in der Spitze 138 Kubikmeter Wasser pro Sekunde, am Montag waren es noch 99,5. Rekord war das übrigens nicht. 2011 seien es laut Wasserverband Eifel Rur (WVER) 144 Kubikmeter gewesen, 1963 stehen in den Aufzeichnungen sogar 163 Kubikmeter.

Der WVER hat Stellung bezogen zu dem Vorwurf, die Ablassmenge an der Talsperre Schwammenauel nicht vorausschauend geplant zu haben. „Wir sind an behördlich genehmigte Betriebspläne gebunden“, erklärte WVER-Sprecher Markus Seiler, warum der Verband nicht vorsorglich Wasser ablassen könne aus dem fast randvoll gefüllten Rursee. Die Betriebspläne seien vor dem Hintergrund eines Jahrhunderts Erfahrung mit der Wasserwirtschaft an der Rur erstellt. „Danach richten wir uns. Dass es kurzfristig zu Problemen kommen kann, lässt sich nie ganz ausschließen.“

Dauerregen sorgt für Überschwemmungen in der Region

Am Wochenende sah der WVER die Notwendigkeit, erstmals seit 2011 wieder 60 Kubikmeter Wasser pro Sekunde aus dem Rursee abzulassen. 7,6 Kubikmeter sind es im Ruhepuls. In Jülich führte das am Samstag zu bis zu 138 Kubikmetern Wasser pro Sekunde in der Rur, oder einem Pegelstand von 3,08 Metern. Das ist mehr als der zehnfache Wert des normalen Abflusses. Mehr als die Hälfte der Wassermassen sei damit nicht aus dem Rursee gekommen, sondern aus der Kall und der Inde, die am Samstag bis zu 30 beziehungsweise 50 Kubikmeter pro Sekunde führten.

Die Inde war am Montag auf 12,5 Kubikmeter geschrumpft, bei der Kall waren es noch etwa 17. „Die Wassermenge in Kall und Inde können wir nicht kontrollieren“, erklärte Seiler. Die Inde habe keine Sperre, die Kalltalsperre diene nicht dem Hochwasserschutz, sondern der Trinkwassergewinnung und läge zudem nicht in WVER-Verantwortung.

Bis auf weiteres wird die Rur laut Seiler viel Wasser führen, die Ablassmenge von 60 Kubikmetern pro Sekunde in Schwammenauel soll beibehalten werden. Das habe mit den Wassermengen der vergangenen Tage zu tun, die den Rursee bis zur Oberkante gefüllt haben. „Wenn wir am Samstag nicht auf 60 Kubikmeter Ablass erhöht hätten, dann hätte der Rursee in die Wasserschutzzonen gestaut und möglicherweise wäre die Talsperre übergelaufen. Dann hätten wir die Wassermenge nicht mehr kontrollieren können“, sagte Seiler.

Wasser, wo normalerweise kein Wasser ist: die Ruraue in der Nähe von Gut Hasenfeld. Foto: Guido Jansen

Das habe aber immer noch geklappt. Der Spitzenwert an Wasser, das pro Sekunde in den Rursee geflossen sei, habe am Wochenende bei über 150 Kubikmetern gelegen. „So gesehen hat die Talsperre 90 Kubikmeter geschluckt, die sonst noch zusätzlich in der Rur gewesen wären“, sagte Seiler. Das hätte eine Flutwelle von bisher unbekanntem Ausmaß zur Folge gehabt.

Jetzt gelte es, Platz zu schaffen im Rursee. Der sei nach dem Zustrom der vergangenen Tage so stark gefüllt, dass die Wassermenge für den Sommer ausreichend sei. Deswegen gehe das Ablassen mit 60 Kubikmetern pro Sekunde ab Schwammenauel weiter. Damit soll Vorsorge getroffen werden, dass die Talsperre beim nächsten Starkregen nicht überläuft.

Darauf hofft auch Familie Erkens. Die richtete sich am Montag auf die nächste Nacht ein, in der sie gegen das Wasser kämpft. Zwar war der Druck weniger geworden, gebannt war die Gefahr aber noch nicht. „Wenn wir aufhören, abzupumpen, dann läuft der Hof wieder mit Wasser voll“, sagte Sascha Erkens. Die zweite Nachtschicht haben Mitarbeiter der Stadtverwaltung übernommen als Ablösung für die Feuerwehr. Die abgepumpte Menge Wasser wird weniger. Samstag waren es mehrere Tausend pro Minute, Sonntag 800, Montag 300. Land in Sicht also? „Wenn sich das Wasser aus den Überschwemmungsgebieten zurückzieht, dann könnte es so sein“, sagte Erkens.

Das Unverständnis für den WVER allerdings bleibt. „Wenn wir als Laien doch schon Tage vorher über eine Wettervorhersage sehen, dass viel Regen kommt, dann sollten die Profis dazu auch in der Lage sein.“

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