Broich: Wasserkissen in Broich sollen das Hochwasser bremsen

Broich: Wasserkissen in Broich sollen das Hochwasser bremsen

Wenn in Broich die Regenfälle heftiger ausfallen, beschleicht manchen Bewohner ein mulmiges Gefühl. Der Grund: Beim „Jahrhundertregen“ 2008 ist das Dorf förmlich abgesoffen. Nach einem Platzregen mit rund 50 Litern pro Quadratmeter innerhalb einer halben Stunde ergoss sich eine Schlammlawine von den Feldern in Hanglage Richtung Broich, wo die Keller reihenweise vollliefen.

Um die Konsequenzen solcher Extremwetterlagen wenigstens zu dämpfen, entschloss sich die Stadt Jülich Anfang 2009 zur Anschaffung so genannter Wasserkissen, die bei Bedarf vom städtischen Bauhof als etwa 80 Zentimeter hohe Barrieren in die Unterführungen der Rurtalbahn gelegt werden. Der Bahndamm liegt zwischen Hang und Dorf, so dass die Wassermassen diese Durchlässe benötigen, um dem Gefälle folgend ins Dorf zu strömen.

Bauhof wird alarmiert

Bei Unwetterwarnungen des Deutschen Wetterdienstes wird der Bauhof über die Leitstelle des Kreises in Stockheim bzw. die Feuerwehr alarmiert. Danach geht es ganz schnell: „Wir benötigen etwa zweieinhalb Stunden“, sagt Bauhofleiter Markus Danz zur Dauer der dann folgenden Arbeiten. Dabei werden die flexiblen Kissen aus Kunststoff mit Wasser aus dem Hydranten gefüllt und jeweils zwei Stück hintereinander in den Unterführungen installiert, die für solche Fälle für den Verkehr gesperrt werden.

„Das hat sich bewährt“, lobt der neue Ortsvorsteher Wolfgang Schiffer die seit Jahren mehrfach geübte Praxis, die einen verzögerten Wasserzufluss aus der Feldgemarkung gewährleisten und einen größeren Schlammeintrag verhindern soll. Nach dem Hochwasser von 2008 sei auch das Anbribngen von Fluttoren in den Unterführungen diskutiert worden, sagt Schiffer, dioch da habe der Betreiber der Rurtalbahn nicht mitgespielt, der mögliche Beschädigungen befürchtete. Eine echte Bewährungsprobe wie beim Sturzregen 2008 haben die Wasserkissen indes seither noch nicht bestehen müssen.

Aktuell sind sie seit Montagabend wieder installiert, da einmal mehr Unwetterwarnungen im Umlauf sind. Die Niederschlagsmengen sind zwar groß, doch über einen längeren Zeitraum verteilt, so dass die Mengen durch Kanäle und Straßeneinläufe bewältigt werden können.

Kissen herausgedrückt

Das war zu Pfingsten etwas anders, als große Wassermengen anstandeen und durch den Druck ein Kissen aus seiner Unterführung gedrückt wurde. Aus dieser Erfahrung habe man gelernt“, sagt Bauamtsleiter Danz. „Künfrtig werden Bypässe fest installiert“, beschreibt er die Taktik, unter den Kissen, die sich an die Betonseiten der Durchlässe schmiegen, Plastikrohren zu verlegen, die dafür sorgen, dass wenigstens ein Teil des Wassers abfließen kann und die Funktion der Kissen trotzdem erhalten bleibt.

Bei einer Kontrolle der mobilen Barrieren wurde zudem festgestellt, dass ein Wasserkissen platt war. Die Befürchtung, die Kunststoffhülle sei aufgeschlitzt worden, bewahrheitete sich zwar nicht, doch Unbekannte hatten den Stopfen herausgedreht. Danz hat deshalb bei der Polizei Anzeige gegen Unbekannt erstattet. Er ist ohnehin — trotz aller Meriten der Wasserkissen-Konstruktion — in Sachen Hochwasserschutz fest davon überzeugt: „Es gibt keine absolute Sicherheit.“

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