Inden/Düren: Warnung vor Dioxin an der Inde

Inden/Düren: Warnung vor Dioxin an der Inde

Mehr Fragen besorgter Bürger als Antworten, ein „Worst-Case-Szenario“ und vorbeugende Empfehlungen durch das Gesundheitsamt prägten die Informationsveranstaltung in der Alten Schule Frenz. Veranstalter waren das Umwelt- und das Gesundheitsamt des Kreises Düren.

Anlass waren routinemäßige Futtermitteluntersuchungen durch die Ämter für Veterinärwesen und Verbraucherschutz im April/Mai, die erhöhte Dioxinwerte in Heuproben ermittelt hatten. Daraus resultierten flächendeckende Oberbodenmischproben der Grünland- und Ackerflächen von der Autobahn bis zum Tagebau im ehemaligen Überschwemmungsbereich der Inde. Getestet wurden zudem Vergleichsflächen außerhalb des Überschwemmungsgebietes.

Projektleiter Michael Krämer vom Kreisumweltamt präsentierte die Prüf- und Maßnahmenwerte von Dioxinen/Furanen und der Schwermetalle Blei, Cadmium und Quecksilber. Die Messwerte der landwirtschaftlichen Flächen werden — übertragen auf Kinderspielflächen — in fast allen Fällen teilweise oder deutlich überschritten. Die für Blei und Cadmium wären für Wohngebiete und Kinderspielplätze zu hoch. Krämer resümierte, die Bodenbelastungen seien auf den Überschwemmungseinfluss der Inde zurückzuführen, da Vergleichsflächen außerhalb unbelastet seien. Andere Quellen wie Kraftwerk und Müllverbrennungsanlage seien auszuschließen.

Zunächst sei „davon auszugehen, dass sich die Bodenbelastungssituation in den Wohngebieten im ehemaligen Überschwemmungsgebiet der Inde ähnlich darstellt“ — Messwerte aus den Wohngebieten liegen aber noch nicht vor.

Betroffen sind der „Frenzer Driesch“, Unterstraße und „Am hohen Ufer“ in Frenz, die Inde­straße in Lamersdorf sowie Rathausstraße und „Am Gutshof“ in Inden/Altdorf.

Das weitere Vorgehen sieht nach Kreisangaben so aus, dass Bodenproben auf Spielplätzen im ehemaligen Überschwemmungsgebiet genommen werden, vorsichtshalber auch im Kindergarten Frenz. Desweiteren beauftragt die Kreisverwaltung ein Gutachterbüro, um die örtliche Situation, die tatsächliche Nutzung und Gefährdungssituation zu erfassen, Proben zu entnehmen, konkrete Handlungsempfehlungen auszusprechen und gegebenenfalls Sicherungs- und Sanierungsmaßnahmen zu veranlassen. Krämer bat die Anwohner um ihre Unterstützung.

Die Bewertung möglicher gesundheitlicher Folgen der Schwermetall- und Dioxinbelastungen übernahm Dr. Norbert Schnitzer, Leiter des Kreisgesundheitsamtes. Bis die Messwerte vorliegen, sprach er Empfehlungen für den „vorbeugenden Schutz der Gesundheit“ aus. Entscheidend sei hier die Menge, denn in allen Industrieländern nähmen die Menschen durch Nahrung, Luft und Haut Dioxine und Schwermetalle auf. Dioxine, die Krebs und Fruchtschädigungen zur Folge haben können, werden durch Fleisch und Milch zugeführt.

Zu Schnitzlers Präventionsmaßnahmenkatalog zählte etwa die Kontaktvermeidung mit Erde, durch die Haut und durch Nutzpflanzen. Risiken bergen etwa der Genuss ungeschälter Gemüsesorten wie Kartoffeln oder Möhren oder bodennaher Pflanzen wie Grünkohl, Pflücksalat, Spinat oder Kräuter.

Die meisten Nutzpflanzen nähmen Dioxine „kaum“ über die Wurzel auf. Ausnahme seien Kürbisgewächse, Gurken, Melonen und Zucchini. Der Amtsleiter führte zwei zu vermeidende Sonderfälle auf: Tierfutter aus der Indeaue, also auch der Fleisch- oder Eierverzehr von dort grasenden Tieren, und das Spielen auf öffentlichen Kinderspielplätzen. Das Spiel auf dem Rasen oder im privaten Sandkasten mit Trennvlies zum Boden sei hingegen unbedenklich. Schnitzler warnte auch vor der Wassernutzung aus Hausbrunnen im Einzugsbereich.

Die Zuhörer bombardierten die Referenten natürlich mit Fragen:

Wer übernimmt die Kosten für Sanierungsmaßnahmen? „Die Untersuchung zahlt die Behörde, die eventuelle Sanierung auf dem eigenen Grundstück der Eigentümer“, sagte Krämer.

Bin ich als Eigentümer verpflichtet, die Sanierung durchzuführen? „Wenn das eine öffentliche Fläche ist, ja. Das muss man im Einzelfall sehen“, entschied Ralf Kreischer, Leiter des Umweltamtes.

Gibt es Tests, ob ich bereits Dioxine aufgenommen habe?

„Ja, das Umweltinstitut in Aachen untersucht für 600 bis 800 Euro auf Dioxin“, sagten die Experten.

Wie kann ich mich gegebenenfalls entgiften?

„Es gibt keine Entgiftung. Lassen Sie sich von Quacksalbern nichts aufschwatzen“, sagte Schnitzler.

Warum erfahren wir das alles erst jetzt?

Die Experten: „Seit mindestens 1890 weiß man von Schwermetallbelastungen an der Inde. Weiter hat man damals nicht gedacht. Ohne die Heuproben wüssten wir jetzt noch nichts von der Dioxinbelastung.“

Welche Konsequenzen hat das für das neue Baugebiet am Sportplatz?

Auf diese Frage antwortete Regina Dechering (Bauamt Inden): „Wir werden in Abstimmung mit den Fachbehörden wahrscheinlich mit Bodenüberdeckungen und Abdeckungen in Gärten arbeiten. Das ist ein Abwägungsprozess.“

„Sorgfalt geht vor Geschwindigkeit“, betonten Referenten und Gemeindemitarbeiterin unisono.

(-vpu-/ptj)