Jülicher Zitadelle: Wann endet das Trauerspiel Dauerbaustelle im Zitadellenhof?

Jülicher Zitadelle : Wann endet das Trauerspiel Dauerbaustelle im Zitadellenhof?

Mit drei mindestens 120 Jahre alten Winterlinden fing vor gut vier Jahren alles an. Die stattlichen Bäume im Innenhof der Zitadelle mussten gefällt werden, weil sie von holzzersetzenden Pilzen befallen und laut Expertenmeinung nicht mehr standsicher waren. Der ursprüngliche Plan sah recht einfach aus: Fällen, ersetzen, fertig. Daraus wurde nichts, was gute Gründe hatte.

Im Zuge der Arbeiten sollte die Kellerräume außen freigelegt werden, um Feuchteschäden auf die Spur zu kommen. Dabei fanden Archäologen interessante Relikte aus der Vorzeit der Zitadelle, die wichtige Erkenntnisse lieferten. Aber seitdem ist ansonsten nicht viel passiert. Die Beseitigung der Feuchteschäden wurde noch nicht einmal in Angriff genommen.

Das war einmal: im Dezember 2013. Da standen die drei stattlichen und alten Winterlinden noch im Innenhof der Zitadelle. Sie mussten nach Experten-Meinung gefällt werden. Foto: Uerlings

„Wie lange dauert denn das Trauerspiel des Innenhofes noch?“, fragte Wolfgang Gunia vergangene Woche im Haupt- und Finanzausschuss, denn die einst schöne und nutzbare Fläche zeigt sich heute immer noch in „Bauzaun-Romantik“ mit offenen Grabungen — also wüst. Der Christdemokrat wunderte sich ebenfalls, dass der eigentliche Anlass der Maßnahme — die Abdichtung des Kellers — bei allen Arbeiten bislang überhaupt noch keine Rolle spielte. Insgesamt müsse aber langsam „eine Perspektive da sein“, wie lange der jetzige Zustand noch anhält.

Nach Einschätzung der Stadtverwaltung wird sich wohl in diesem Jahr mutmaßlich nichts ändern. Beigeordneter Martin Schulz sagte im Ausschuss, dass bei der Bezirksregierung nach seiner Kenntnis noch keine Haushaltsvorlage für entsprechende Sanierungsarbeiten an den Kelleraußenmauern erstellt worden sei, die aber notwendig wäre. „Das wird dieses Jahr nichts“, folgerte er.

Gebäude in Landesbesitz

Der Stadt sind hier die Hände gebunden, obwohl sie Schulträger des Gymnasiums Zitadelle ist, aber das denkmalgeschützte Gebäude selbst befindet sich in Landesbesitz. „Das ist sicher unerfreulich“, sagte Bürgermeister Axel Fuchs im Haupt- und Finanzausschuss auf den Einwand von Wolfgang Gunia.

Die Jülicher Archäologen haben in dem offenliegenden Bereich einiges aus den Vorzeiten entdeckt. So fanden sie eine Zisternenanlage in der Mitte des Platzes und einen künstlerisch gepflasterten Innenhof. Beide haben das Bild des Innenhofs im 19. Jahrhundert geprägt. Zuletzt kamen Zeugnisse aus der Zeit vor dem Bau und größerer Tiefe ans Licht.

Hier waren die Wissenschaftler überrascht, denn sie waren zuvor davon ausgegangen, dass die Zitadelle auf einer weitgehend freien Fläche erbaut worden ist. Die jüngsten Funde — große Pfähle, Fundamente und ein sogenannter Spitzgraben — werden aber so gedeutet, dass sich hier eine frühere Verteidigungseinrichtung befunden haben muss. Der Jülicher Museumsleiter Marcell Perse deutet das als Reste einer Motte oder einer sogenannten Niederungsburg.

Neue Erkenntnisse erwartet Perse nicht mehr aus dem Zentrum der Zitadelle. Auf einen Wunsch mit Bezug auf die Baustelle angesprochen sprach Perse von der Möglichkeit, die Baustelle nicht wieder zu verfüllen, sondern einem unterirdischem Parkdeck gleich mit einer Decke abzuschließen. Unter der würden Hohlräume entstehen, die genutzt werden könnten, um Ergebnisse der Archäologie zu zeigen, beispielsweise ein ein konserviertes Profil des Bodens, dass die verschiedenen Epochen wiedergibt.

Vor Ort in Jülich stimmen alle dem stellvertretenden Schulleiter an der Zitadelle, Stefan Rüping, zu. „Das war früher mal ein schöner, repräsentativer Ort. Und jetzt ist es seit vier Jahren das, was Eltern als erstes sehen, die ihre Kinder bei uns anmelden wollen“, sagte Rüping, der die Baustelle aber noch mit einem abschließenden Satz zusammenfasste: „Das nervt.“

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