Inden: Waagmühle: „Modellprojekt fürs Indeland” im Visier

Inden: Waagmühle: „Modellprojekt fürs Indeland” im Visier

Die jüngste Studie des Club of Rome („Die Grenzen des Wachstums”) erwartet für die nächsten 40 Jahre Umweltzerstörung, Erderwärmung, Armut und Revolution, sofern die Erdbevölkerung weiter über ihre Verhältnisse lebt und den Ressourcen-Raubbau fortsetzt.

Ein lokaler Gegenpol wurde in der jüngsten Sitzung des Indener Ausschusses für Gemeindeplanung und -entwicklung vorgestellt, die so genannte Faktor X-Siedlung. Gemeint ist das nachhaltige Planen, Bauen und Nutzen von Gebäuden mit einem effizienten Einsatz von Ressourcen. Entstehen soll die Siedlung im Bereich des Baugebiets „Waagmühle”, dessen dritter Bauabschnitt gut zwei Hektar groß ist und Platz für etwa 25 Grundstücke bietet.

Bei der Entwicklung des Baugebietes mit im Boot sitzen die Gemeinde als Planungsträger, RWE Power als Erschließungsträger im Rahmen der Umsiedlung, die Aachener Stiftung Kathy Beys sowie die Deutsche Gesellschaft für nachhaltiges Bauen (DGNB). Nicht zuletzt hat das zukunftsweisende Projekt für den ländlichen Raum die Werthaltigkeit der dort entstehenden Immobilien im Blick.

Achim Löckoff (RWE) nannte im Ausschuss die attraktive Lage zum künftigen Indesee und zur Autobahn als weitere Pfunde, mit denen man wuchern wolle und versuche, ein modellhaftes Vorhaben zu exerzieren. Beim Ressourcenverbrauch gehe es nicht allein um eine innovative Energieversorgung, wie sie etwa in Niederziers Modellsiedlung „Neuer Mitte” angeboten werde, sondern um die Betrachtung des gesamten Lebenszyklus der Gebäude und der Materialien, die beim Bau eingesetzt und am Ende wiederverwertet werden können. Ziel sei es, so Löckoff, neue Bürger nach Inden zu holen.

Klaus Dosch (Kathy-Beys-Stiftung) machte mit einigen Diagrammen klar, was mit der Welt passiert, wenn Staaten wie China oder Indien den Lebensstandard der USA anstreben. Er propagierte ein Ressourceneffizienzprogramm, um weltweit zu Lösungen zu kommen.

Wie das konkret aussehen soll, deutete Harald Faerber vom Büro für Architektur an, der fünf Faktoren der Nachhaltigkeit auflistete: Neben Ökologie und Ökonomie sind das Prozessqualität, technische Qualität und sozio-kulturelle Faktoren. Faerber unterstrich den Vorbildcharakter des nachhaltigen Quartiers, der gleichzeitig das Image der Gemeinde verbessere und bei der Vermarktung helfe. Wichtig sei es, während der Planungsphase alle Beteiligten möglichst früh einzubeziehen.

„Wir wissen noch nicht, wohin wir uns bewegen”, wies Gemeindeplanerin Regina Dechering ausdrücklich auf das Neuland hin, das mit diesem Projekt beschritten werde. Sie bat den Ausschuss darum, den Prozess zur Entwicklung des Gebietes für zukunftssicheres Bauen zu starten. Fakten würden damit noch nicht geschaffen. Der weitere Zeitplan des Modellprojektes sieht vor, dass Ende des Jahres das städtebauliche Konzept für den Start des Bebauungsplanverfahrens vorgestellt wird. Die Realisierung soll im Sommer 2013 beginnen.

Bevor der gewünschte Beschluss den Ausschuss einstimmig passierte, wurden aus dem Ausschuss viele Fragen zur Wirtschaftlichkeit und Bürgerbeteiligung sowie Vorbehalte bezüglich einer „Insellösung” laut. „Die Kosten sind zweitrangig. Das Quartier ist finanziell durch die Umsiedlung abgedeckt”, warb Bürgermeister Ulrich Schuster erfolgreich für das „Modellprojekt fürs Indeland”. Mit dessen Umsetzung gehe die Gemeinde kein Risiko ein.