Schleiden: Von Schleiden mit dem Interrail-Ticket allein durch Europa

Schleiden : Von Schleiden mit dem Interrail-Ticket allein durch Europa

Maxine Rösner aus Schleiden gehört zu den 15.000 jungen Europäern, die ein kostenloses Interrail-Ticket für diesen Sommer ergattert haben.

„Ich wollte einfach mal die Erfahrung machen, alleine zu reisen“, erzählt die 18-Jährige und lächelt fröhlich.

Aus dem Radio erfuhr sie von der von der großen Aktion von „DiscoverEU“, einer Initiative der Europäischen Union, die es 18-Jährigen ermöglicht, einen Monat lang mit dem Zug, Fähren, Bussen und in Ausnahmefällen sogar mit dem Flugzeug den Kontinent zu erkunden.

Für Maxine geht die Reise am 26. August los. Ob sie Angst habe, sich alleine auf die Reise zu begeben? „Von mir aus eigentlich nicht. Hauptsächlich von meinen Eltern aus ist halt so die Angst da, dass mir etwas passieren könnte.“ Sie mache sich größere Sorgen darum, Züge zu verpassen. Denn nicht alle privaten Anbieter unterstützen Interrail und setzen somit der Freiheit des Tickets seine Grenzen.

Welche Länder sich die Jugendlichen aussuchen, legen sie vorher fest — bis zu vier verschiedene sind möglich. Maxine entschied sich für Großbritannien, Irland und Frankreich. Eine „alte Bekannte“ in Edinburgh, in Irland, Freunde in Frankreich — sie mag zwar alleine unterwegs sein, doch von Einsamkeit keine Spur. Auch viele neue Freunde möchte sie kennenlernen, Kontakte knüpfen, gemeinsam nicht nur das „oberflächliche Touristeneuropa“ entdecken, sondern in die wahre Kultur eintauchen. Doch sie muss sich ihre Zugfahrten gut einteilen: das Interrail-Ticket im Wert von 255 Euro erlaubt sieben Reisetage, also sieben Tage im Zug.

Das war nicht immer so. Als das der Interrail-Pass am 1. März 1972 ursprünglich als eine Art Werbegag auf den Markt kam, kostete er 235 Mark, heute ca. 118 Euro — ohne Einschränkungen, was Reisetage oder Zonen anging. Heute blättert man für die gleichen Konditionen (allerdings mit 30 statt 20 Ländern) 422 Euro hin.

Das Reisen mit Interrail oder per Anhalter wurde in den 80er- und 90er-Jahren regelrecht zum Massenphänomen. Es machte ganz Europa zugänglich und vor allem für die Jugendlichen und ihr Budget tragbar. Die dazugehörige Mentalität war von einer Sorglosigkeit geprägt, deren Konsequenzen wohl nicht allen Eltern einen entspannten Sommer beschert hätten. Doch ohne WhatsApp und Handy-Flatrates wogen sie sich lediglich in der Sicherheit, alle paar Wochen von ihren Zöglingen angerufen zu werden.

Europawissen und Glück

Seit dieser Zeit ist die Nachfrage nach dem Ticket deutlich zurückgegangen. Der Grund: Konkurrenz durch Billigflieger quer durch Europa. Auch wenn die Bahn noch keine Bewerberzahlen der diesjährigen Interrail-Aktion veröffentlicht hat, wird sie sich wohl zumindest über ein gesteigertes Interesse an dem ehemaligen Kult-Ticket freuen können.

Bis zur Frist am 26. Juli konnten die Bewerber ihr Glück versuchen und neben den persönlichen Daten Quizfragen über Europa und 2018 als das „European Year of Cultural Heritage“ (Europäisches Jahr des kulturellen Erbes) beantworten, die sich mit der Schätzfrage („Wie viele Menschen werden sich bewerben?“) auf das Ranking auswirkten, nach dem die Tickets vergeben wurden.

Das Kontingent für die einzelnen Länder wurde nach Bevölkerungsgröße festgelegt. Damit bekam Deutschland mit 2427 die meisten, Malta mit 13 die wenigsten Tickets.

Ziel sei es, laut der Website der Initiative, „die Jugend Europas mit der europäischen Identität zu verbinden und durch Reisen das Bewusstsein für die Grundwerte der Europäischen Union zu schärfen“. Die Jugendliche stimmt zu: Es gehe darum, sich gegenseitig seine Kultur zu zeigen, „und sei es im Kleinen, zum Beispiel eine Stadtführung zu geben“.

Als Empfängerin eines Tickets hat sich Maxine wie alle anderen Gewinner dazu bereiterklärt, von ihrer Reise zu berichten. Dies sei zum Beispiel über Social-Media-Plattformen, aber auch mit Reiseberichten in Form von Präsentationen möglich. Sie werde auf ihrem Instagram-Account Fotos von der Reise veröffentlichen. Dieser ist hier zu finden: www.instagram.com/macki_0405