Lustig sein für „Imis“: Von A wie „Alaaf“ bis Z wie „Zoch“

Lustig sein für „Imis“ : Von A wie „Alaaf“ bis Z wie „Zoch“

Im Karneval geht es um gute Laune, Lust und Leben. Bereits alte Kulturen wie Kelten und Römer feierten in der heimischen Region vergleichbare Feste, um den Frühling willkommen zu heißen und die Fruchtbarkeitsgötter zu ehren. Mit der Dauer der Zeit entwickelten sich elementare Bräuche rund um die „Fünfte Jahreszeit“.

Karnevalsvereine gründeten sich – auch im Jülicher Rurgebiet – zur Verbreitung der Tradition. Ebenso gehört der Erhalt der rheinischen Mundart bis heute dazu. Ein kleines Fastelovends-ABC hilft den Uneingeweihten auf die Sprünge:

A wie „Alaaf“. So lautet der rheinische Narrenruf von Körrenzig bis Köln, von Ameln bis Aachen. Der Ursprung liegt vermutlich beim mittelalterlichen Begriff „all-ab“ (mundartlich „all-af“), was so viel heißt wie „über alles“, wie etwa „Koslar über alles“.

B wie „Bützje“, ist ein Küsschen, eine beliebte Lippenstift-Trophäe auf der Wange besonders an Weiberfastnacht.

C wie „Carne vale“. Der lateinische Begriff bedeutet „Fleisch lebe wohl“. Früher läutete dieser Ausspruch die Fastenzeit ein.

D wie „Dreijjestier“. Jungfrau, Bauer und Prinz, auch „Trifolium“ genannt, bilden das Dreigestirn. Das Trio ist das Gegenteil von Politikern. – dat Dreijjestier wird umjubelt.

E wie „Ellef“. Eine vorgeblich närrische Zahl. Die Session beginnt am 11.11. um 11.11 Uhr. Vergessen darf man nicht den „Elleferroot“. Der Karnevalsrat besteht immer aus elf Personen. Böse Zungen lästern schon mal, die Ratshonorationen seien unendlich durstige, verträumte Stützen der Gesellschaft.

F wie „Fisternöllche“. So ein Techtelmechtel ist besonders an den jecken Tagen beliebt, sollte aber Aschermittwoch vorbei sein.

G wird im Rheinland vorwiegend „J“ gesprochen. Sogar die karnevalistischen Garden heißen „Jarden“.

H wie „Helau“, ist ein Jeckenruf, womit im Mittelrheinischen Karnevalstouris in ein böses Fettnäpfchen treten.

I wie „Imi“. Weder ein Scheuerpulver noch ein Immigrant ist hiermit gemeint. Als Imi wird jemand bezeichnet, der das Pech hat, nicht im Rheinland geboren zu sein, der als Zugereister die Lebensart der Urgesteine „imitiert“.

J wie „Jeck“. Als jeck, Jeck oder Jeckin benennt man die aktiven KarnevalistInnen im Fasteleer.

K wie „Kamelle“. Der Begriff kommt von Karamell bzw. den Karamellbonbons. Wenn die Jecken am Zugweg „Kamelle“ brüllen, meinen sie allerdings jeglichen Süßkram. In Niedermerz steht das K zudem groß für „Kutt erop“. Nach dem Willi Ostermann-Ohrwurm „Kutt erop, kutt erop, beij Palms do es dä Pief verstopp…“ haben 1927 jecke „Meezer“ die Karnevalsgesellschaft unter dem Namen gegründet.

L wie „Lappekostüm“. Ein echter Karnevalsklassiker sind Clowns in bunten Flickenklamotten. Die Lucherberger Karnevalisten verweisen in ihrem Vereinsnamen sogar auf zwei L: Lukkebömmelte Lü. Lucherberger heißen auf Platt „Lukkebömmelte“ und Leute sind „Lü“. Die Lü us Lukkebömmele haben sich seit 1980 dem Frohsinn verschrieben.

M wie „Muuzemandele“ oder „Muuzemändelsches“ sind in Fett ausgebackene Teigmandeln. Insbesondere an den jecken Tagen schmecken die „Muuze“ paradiesisch. Kenner behaupten, Eva hätte Adam in den Rurauen mit einer Muuze verführt.

N wie „Nonnefötzje“. Das Karnevalsgebäck aus Brandteig in Schmalz ausgebacken mundet ähnlich unwiderstehlich wie eine „Muuze“. Der Begriff kommt von Nunnenfurt und ist kein Nonnenfurz, sondern wurde von selbigen nur besonders lecker gebacken.

O wie „Orden“. Ordensverleihungen auf Prunksitzungen sind Tradition. Ursprünglich verlieh sie der Geringschätzung gegenüber dem preußischen Militär und deren Besatzung Ausdruck.

P wie „Prinz“ oder „Pappnas“. Der Prinz ist der Chef des Dreigestirns. Die typische Pappnase glänzt rot und gehört ins Gesicht – nicht beim Prinzen.

Q wie „Quetschkommod“, auch Quetsch oder Quetschbüggel genannt. Das Akkordeon oder Schifferklavier war früher das prägende Instrument und Element für die gute Stimmung im Kneipenkarneval.

R wie „Ruesemondaach“. Für eingefleischte Fastelovendsjecke zählt der Rosenmontag als höchster Feiertag im Jahr, der heilige Höhepunkt der Session.  Der Name kommt entweder wirklich von Rosen oder Rosenmontag stammt von Rasenmontag, dem rasenden Montag.

S wie „Session“, umfasst die Karnevalssaison vom 11.11. bis Aschermittwoch. Mit dem Buchstaben S fangen aber auch ungewöhnlich viele Bezeichnungen von närrischen Vereinen an: „Schlemmännchere“ aus Dürboslar, wobei der Name auf „schlimme Männchen“ zurückzuführen ist. Da sind ferner die „Bärmer Sankhase“, die Broicher „Stopp dä Mutz“, die Schleidener „Schleer Kloes“ oder die „Schnapskännchen“ aus Güsten sowie die „Schanzeremmele“ aus Stetternich. Wie viele Schanzeremmele – Holzarbeiter – heute noch tatkräftig Schanzen bauen, ist nicht bekannt.

T wie „Tanzmariechen“ und „Tusch“. Mariechen tanzen durch die närrischen Tage, sind der akrobatische Augenschmaus der Jeckenzeit. Der Applaus bleibt als Tusch nicht aus. Süßer die Tröten nie klingen, wenn das musikalische Signal ertönt: Tätää,tätää,tätää!

U wie „uuze“. U steht sowohl für Uniform, als auch kaum weniger für „uuze“, was das Markenzeichen der Büttenredner ist: ulken, spotten oder foppen.

V wie „Veilchen-“ oder „Vielschesdengsdaach“. Der Karneval wird beerdigt – meist in Form einer Strohpuppe. In Jülich etwa heißt der Sündenbock fürs Saufen, Fremdgehen und jeden Spaß in der Jeckenzeit „Lazarus Strohmanus“; in Dürboslar findet das „Mooswiev“ sein tragisches Ende.

W wie „Wieverfastelovend“. Am Fettdonnerstag übernehmen lecker Mädchen und „Möhne“ – alte Weiber – die Macht in Stadt und Gemeinde, schneiden den Männern die Schlipse ab und erknutschen sich dann ein Bier nach dem anderen.

X wie „Xanthippe“. Sollte ein zänkisches Weib wie die Ehefrau des griechischen Philosophen Sokrates der jecken Tollerei böse gegenüberstehen, dem Gemahl mit dem Nudelholz drohen, ist das „en Xanthipp“, „en Hipp“ oder „ene Muuzepuckel“.

Y wie „Ying und Yang“. Die Gegensätze, die scheinbar nichts mit Fastnacht am Hut haben. Rheinische Frohnaturen denken dabei aber sofort an die Paare „Tünnes on Schäl“, „Dotz on Dötzje“, „Labbes on Drickes“, „Schlabber on Latz“, „Strunz on Büggel“ und „Hoot on Höötche“.

Z wie „Zoch“. Sobald der Ruf laut wird „Dä Zoch kütt“, naht der bunte Karnevalszug – meist pünktlicher als jeder ICE.

Das Fastnachts-ABC erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Dazu müssten noch etliche Begriffe wie „Bütt“ für die Redetonne, „Leedches“ für Lieder oder etwa „Tollitäten“ für die Regenten an den tollen Tagen hinzugefügt werden. Und eine der wichtigsten Errungenschaften des regionalen Karnevals stärkt auch in Zukunft das Gemeinschaftserlebnis: das „Schunkeln“.

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