Vivaldi-Gala begeistert in Stetternicher Kirche

Chöre und Orchester : Vivaldi-Gala begeistert in Stetternicher Kirche

Ein vorweihnachtliches Fest der Barockmusik mit Chor- und Orchester erlebten zahlreiche Konzertbesucher in der St. Martinus-Kirche. Das Programm war anspruchsvoll, die Darbietenden boten hervorragende Leistungen.

Eine voluminöse Eröffnung des Konzertabends erklang mit „Magnificat animea mea“, der ersten Zeile aus dem Lobgesang Marias nach dem Lukasevangelium. In dieser Vertonung des venezianischen Meisters wurden die Chorstimmen beider Stetternicher Chöre ebenso wie in der folgenden „Gloria“ von mehreren Stimmen des Kammerchores „Camerata“ aus Düren und dessen Leiterin Andrea Eich auf der Continuo-Orgel unterstützt. Die exzellente Leistung der traditionsreichen Kirchenchöre und der Mitglieder des Dürener „Meisterchores“ (Prädikat verliehen vom Chorverband NRW) untermalte instrumental das erstklassige Kammerorchester unter Leitung von Susanne Trinkhaus.

Musikalische Bereicherung

Für eine musikalische Bereicherung sorgten Susanne Duwe (Sopran), Melanie Boving (Sopran) und Ricarda Hilber (Alt) in den vokalen Soloparts. Im „Magnificat“ preist Maria auf Grund ihres Glaubens Gott als den, der sich ihr und allen benachteiligten Menschen zuwendet, um sie aufzurichten, und die Mächtigen und Hochmütigen von ihren Thronen stürzt. Bereits im Teil „Et Exsultavit“ wurde diese Verehrung von den Solostimmen der Sopranistinnen und starken Choreinsätzen meisterhaft zu Gehör gebracht.

Mehrstimmiger Kanon

Zunächst melancholisch, dann stets verheißender erklang die mehrstimmige im Kanon gesungene „Et Misericordia“ in der Aufführung der Chöre.

In dem Abschnitt „Esurientes“ brillierten Susanne Duwe und Melanie Boving mit kristallklaren Koloraturen, gefühlvoll vom Continuo der Bassinstrumente begleitet.

Leicht und beschwingt ertönte das „Sicut locutus est“ in der Interpretation für Chor und Orchester, um im abschließenden „Gloria patri“ das „Magnificat“ mit einem mächtigen harmonischen Klang der Stimmen und der Instrumente zu beenden.

Vivaldis „Concerto in a-Moll für zwei Violinen, Streicher und Basso Continuo“ bescherte dem Publikum ein musikalisches Erlebnis der besonderen Art. In die hochkarätige Darbietung des Orchesters fügten sich in einem musikalischen Zwiegespräch die temporeichen Solopartien für Violinen ein, von Susanne Trinkaus und Hans-Otto Horch virtuos interpretiert. Als bekanntestes geistliches Werk Vivaldis entstand „Gloria“ für das Ospedale della Pietà, eines der Waisenhäuser Venedigs, in denen junge Mädchen eine intensive musikalische Ausbildung erhielten.

Zwölfteiliges Meisterwerk

Festlich und besinnlich führte das Orchester in das in zwölf Teile gegliederte Meisterwerk ein. Zunächst verträumt, fast melodisch singend wurde das Tempo in der Solopartie auf zwei Violinen und Generalbass gesteigert, um eine heitere Harmonie mit den einsteigenden Chorstimmen zu entwickeln. Im Satz „Domine Deus“ erzielten die solistischen Darbietungen einer für die barocke Musik repräsentativen Piccolo Trompete und zwei Oboen eine glanzvolle Wirkung. Einfühlsam und klangvoll führte die Altstimme von Ricarda Hilber die Chorsänger in das Gebet „Domine Deus, agnus Dei“ ein.

Im letzten Satz des Werkes wurden tiefe Basstöne, helle Sopranstimmen und ein gewaltiger, triumphaler Klang des Orchesters in einem finalen „Amen“ zu einer vollkommenen musikalischen Einheit geführt.

Unter der Gesamtleitung und kunstfertigen Dirigate von Christian Werres erlebte das Publikum einen Konzertabend, der in der St. Martinus-Kirche durch frenetischen Applaus gewürdigt wurde – und so auch auch in den größten Konzertsälen gewürdigt worden wäre.

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