Aachen/Jülich/Eschweiler: Vergewaltigungsprozess: Angeklagter aus Jülich erscheint nicht

Aachen/Jülich/Eschweiler : Vergewaltigungsprozess: Angeklagter aus Jülich erscheint nicht

„Wenn einmal der Wurm drin ist, dann ist der Wurm drin!“ Das war am Dienstag die vernichtende Erkenntnis von Richter Hans Günter Görgen, dem Vorsitzenden der 8. Großen Strafkammer am Aachener Landgericht.

Denn im Fall eines wegen Vergewaltigung und Körperverletzung einer jungen Frau angeklagten Jülichers (58) war der erste gegen ihn gerichtete Prozess Ende 2017 geplatzt, ein Richter wurde krank, das Verfahren musste ausgesetzt werden, der Angeklagte blieb auf freiem Fuß. Jetzt beim Neustart des Verfahrens am Dienstag kämpfte die Kammer erneut mit Widrigkeiten, der größten überhaupt, es war kein Angeklagter da.

Denn der Handwerker aus Jülich war auch gegen 10 Uhr des Dienstagmorgens noch nicht erschienen, der Verteidiger ratlos, Staatsanwältin, Nebenkläger und Sachverständigen saßen gezwungenermaßen tatenlos auf ihren Stühlen, das Opfer musste Stunden draußen auf den Gerichtsflur warten.

Zum Tatvorwurf: Die heute 25-jährige Frau war in der Naht zum 1. Mai 2014 mit einer Gruppe anderer aus Jülich zu einer bekannten Disco in Eschweiler gefahren, es war schließlich die beliebte Mai-Nacht. Mit in der Fahrgemeinschaft befand sich unter anderem der Angeklagte, ein Bekannter der Tante des Opfers.

Im ersten Prozess hatte die Zeugin bereits ausgesagt, bis zum frühen Morgen in der Disco gestanzt zu haben. Dann wurde es eher nebulös.

Denn dann soll der 58-Jährige dem inzwischen betrunkenen Mädchen angeboten haben, sie wieder mit nach Jülich zu nehmen, sie scheint dem zugestimmt zu haben. Oder auch nicht, denn Genaueres wusste sie nicht mehr.

Jedenfalls sei sie am nächsten Morgen völlig nackt im Bett des Angeklagten in Jülich aufgewacht, er habe ihr möglicherweise sogenannte K.o.-Tropfen verabreicht, vermutete sie im ersten Prozess. Schemenhaft habe sie sich erinnern können, dass in dieser Nacht jemand auf ihr lag und in sie eingedrungen sei, sie sei aber völlig willenlos gewesen und habe sich nicht wehren können. In der Diskothek, so hatte sie berichtet, sei sie zwar angetrunken, aber beileibe nicht handlungsunfähig gewesen.

Nur der Hund hat gebellt

Am Dienstag suchte zunächst die Polizei nach dem Angeklagten in seinem Haus in Jülich. Niemand habe jedoch aufgemacht, berichtet Richter Görgen nach mehrerer Unterbrechungen über den Polizeieinsatz, nur ein Hund habe gebellt, also sei der Angeklagte vermutlich noch dort wohnhaft. Auch der Verteidiger gab an, noch vor drei Wochen Kontakt mit seinem Mandanten gehabt zu haben, jetzt aber konnte er ihn nicht erreichen.

Der 58-jährige bekommt eine letzte Chance, einem Haftbefehl zu entgehen. Er muss am kommenden Freitag ab 9 Uhr zur Stelle sein. Ansonsten droht ihm die sofortige Unterbringung in einem Aachener „Hotel“ mit vergitterten Fenstern.

Mehr von Aachener Nachrichten