Veranstaltungen in Jülich 80 Jahre Reichspogromnacht

Andacht, Gedenken und Mahnung : Veranstaltungsreihe 80 Jahre Reichspogromnacht

„Wir richten den Blick nicht nur nach hinten, sondern wir senden auch eine Botschaft an die nächste Generation“. Das ist die Kernaussage der Pressekonferenz im Ratssaal zu den acht Veranstaltungen im Rahmen der Gedenkfeiern zum Themenkreis „80 Jahre Reichspogromnacht in Jülich“ unter der Überschrift „Gedenken – Erinnerung - Mahnung“.

Ein Programm, das „den einen oder anderen aufrütteln wird. Dieses Thema muss aufgerüttelt werden in der jetzigen Zeit“, wie Bürgermeister Axel Fuchs unterstrich. Die Veranstalterkooperative setzt sich zusammen aus der Stadt Jülich, der „Jülicher Gesellschaft gegen das Vergessen und für die Toleranz“, der katholischen und evangelischen Gemeinde, Jülicher Schulen und anderen Institutionen.

Wie Fuchs betonte, kann man bestimmte Daten nicht trennen, wie den 9. November (Reichspogromnacht), in der auch die Synagoge in Jülich geschändet, Juden verletzt und kaserniert wurden, und den 16. November (Zerstörung Jülichs). Der Veranstaltungsreigen beginnt in diesem „besonderen Jahr“ mit einem Vortrags- und Diskussionsabend am Mittwoch, 7. November, um 19 Uhr im KuBa.

Zum 80. Jahrestag der Reichspogromnacht referiert Guido von Büren zum Thema „Jülich im Jahr 1938“. Eine Podiumsdiskussion zur Erinnerungskultur an den Nationalsozialismus in Jülich schließt sich an. Die zentrale Gedenkveranstaltung zur Pogromnacht wird am Donnerstag, 8. November begangen. Der Abend beginnt um 18 Uhr mit der Ansprache des Bürgermeisters im Rathaus, im „Epizentrum der demokratischen Macht“, wie Fuchs es ausdrückte, also dort, „wo früher die Fehler gemacht worden sind“. Wie gewohnt versammeln sich die Gedenkenden im Anschluss (18.45 Uhr) „An der Synagoge“, am Standort des ehemaligen jüdischen Gotteshauses, um dort Andacht mit musikalischen Akzenten zu halten.

Die Gedenkfeier an die Opfer der Gewalt findet um 19.20 Uhr am Mahnmal für die ermordeten Juden des Jülicher Landes am Propst-Bechte-Platz statt. Das ausklingende Beisammensein mit Pianistin Elena Kelzenberg mit Start um 19.45 Uhr im Bonhoeffer-Haus beschließt den Tag. Wiederum einen Tag später, am Freitag, 9. November, bietet das Team der Literarischen Vesper der Evangelischen Erwachsenenbildung ab 17 Uhr einen Abend im Bonhoeffer-Haus.

Referatsthema von Elke Bennetreu ist das Leben und Werk der Lyrikerin Hilde Domin unter der Überschrift: „Man muss weggehen können und doch sein wie ein Baum“. Hier kostet der Eintritt inklusive einer kleinen Vespermahlzeit 7 Euro. Ferner wird um Anmeldung unter 02461/9966-0 oder eeb@kkrjuelich.de gebeten. Die Eröffnung der Blickpunktausstellung „PokalSieger – Der Jüdische Jugend-Verein und seine Sportabteilungen“ beginnt am Sonntag, 11. November, um 11 Uhr in der Schlosskapelle. Kurzvortrag und Kuratorenführung schließen sich an. Mit dem jüdischen Sport in Jülich nimmt das Museum Zitadelle einen Teil des vielfältigen kulturellen Lebens in den Blick, das 1938 abrupt beendet wurde.

Die Evangelische Erwachsenenbildung greift am Mittwoch, 14. November, ab 10 Uhr im Bonhoeffer-Haus auf ihr Thema zurück. Gezeigt wird „Hilde Domin im Film“. Eine Filmvorführung steht auch am darauffolgenden Tag, Donnerstag, 15. November, im KuBa auf dem Plan. „Jülich vor und nach dem Zweiten Weltkrieg“ läuft zweimal, jeweils um 15.30 Uhr und um 20 Uhr.

Gezeigt werden historische Filmaufnahmen aus dem lebendigen, noch friedlichen Jülich aus den ersten Kriegsjahren, dem zerstörten Jülich von 1945 und der neu entstandenen Stadt, rund 20 Jahre nach dem Bombenangriff 1944. Der Eintritt beträgt 3,50 Euro, die Reservierung erfolgt über www.kuba-juelich.de.

Das Gedenken an die Zerstörung Jülichs findet traditionell auf den Tag genau, nämlich Freitag, 16. November, am Denkmal auf dem Schlossplatz statt. Mit der besonderen Abschlussveranstaltung am Freitag, 23. November, die um 15 Uhr auf dem Propst-Bechte-Platz beginnt, schließt sich der Themenkreis. Die an der Aktion beteiligten, rund 260 Schüler aus sieben Jülicher Schulen pflanzen einen Amberbaum, der durch seine prächtige Herbstfärbung bekannt ist. Jede Schule versenkt zugleich um die Wurzeln des Baumes herum eine „Zeitkapsel“ in Form eines verschlossenen Rohres in die Erde, die ihre Botschaft zum Thema an die nächste Generation beinhaltet.

Die Wanderausstellung, die die gesamte Bandbreite der Thematik spiegelt, wird um 16 Uhr im Neuen Rathaus eröffnet. Die Motivation der Schüler für diese Projekte, über die Vertreter der Schulen gesondert berichteten, wurde durchweg als „sehr, sehr groß“ bezeichnet. Als Basis für ihre Auseinandersetzung mit dem Thema dient den Jülicher Schülern das Zitat des preußischen Gelehrten Wilhelm von Humboldt: „Nur wer die Vergangenheit kennt, der hat eine Zukunft“.

Bei zwei der acht Veranstaltungen wird um Reservierung beziehungsweise Voranmeldung gebeten: Für das Referat am 9. November im Bonhoeffer-Haus über Leben und Werk von Hilde Domin unter 02461/9966-0 oder eeb@kkrjuelich.de (Eintritt 7 Euro) und die Filmvorführung „Jülich vor und nach dem Zweiten Weltkrieg“ am 15. November unter www.kuba-juelich.de (Eintritt 3,50 Euro)

(ptj)