Zuckerrüben hinken hinterher: Unbehagen plagt die Rübenbauern

Zuckerrüben hinken hinterher : Unbehagen plagt die Rübenbauern

Nach dem Dürrejahr 2018 mit teilweise katastrophalen Erträgen ist das Rübenjahr mit einer Hypothek in die neue Vegetationsperiode gestartet, denn die Winterniederschläge waren nicht so reichlich, dass sie die Flüssigkeitsspeicher der Ackerböden wieder aufgefüllt hätten.

Heinz Leipertz, Leiter Landwirtschaft der rheinischen Werke von Pfeifer & Langen, spricht hier von nutzbarer Feldkapazität (nFK), die normalerweise im Frühjahr bei 100 Prozent liegt. Nach der langen Trockenheit geht Leipertz nur noch von etwa 75 Prozent aus. Das deckt sich mit Beobachtungen eines Bekannten, zu dessen Tätigkeiten es gehört, regelmäßig Gräber auszuheben: Bis zur Tiefe von 1,50 m sei das Erdreich noch feucht, weich und mit dem Minibagger gut zu graben, doch wenn es noch tiefer geht, sei der Boden hart wie Beton.Das betrifft auch die Zuckerrüben, die auf der Suche nach Feuchtigkeit ihre Pfahlwurzel bis zwei Meter tief ins Erdreich treiben.

Das spielte indes bei der Aussaat noch keine Rolle, die erst ab Ende März erfolgt ist. Das Gros ist dabei Anfang April in die Erde gesenkt worden, was ein normal guter Termin ist. „Die Saat ist danach nett aufgelaufen“, beschreibt Heinz Leipertz die folgende Pflanzenentwicklung, wobei kühle Temperaturen das Wachstum verlangsamt haben. Erst die milden Temperaturen über Ostern verliehen den Zuckerrüben einen Wachstumsschub.

Auch momentan sehen die Bestände gut aus, allerdings ist der sogenannte Reihenschluss als einer der Frühindikatoren der Entwicklung etwas später dran als in beiden Vorjahren, als der Reihenschluss meist Ende Mai konstatiert wurde. „Wir liegen gut eine Woche hinterher gegenüber den Vorjahren“, lautet die Zwischenbilanz des Jülicher Rübenexperten. Ohnehin lässt der aktuelle Stand der Rübe kaum Aussagen auf die Ernte im Herbst zu: Dem Reihenschluss Ende Mai folgte vor zwei Jahren eine überdurchschnittlich gute Ernte, während diese im Vorjahr recht mager ausfiel. Den guten Voraussetzungen jetzt muss eben die passende Witterung folgen, um am Ende die gewünschten Erträge zu erzielen.

Schwarze Läuse, die an den jungen Rübenpflanzen zu Saugschäden führen, bereiten den Landwirten Sorge. Foto: Wolters

Abgesehen von solchen Unsicherheiten, die generell die Landwirtschaft betreffen, die in der freien Natur produziert, hat Heinz Leipertz bei vielen Berufskollegen, mit denen er momentan neue Lieferverträge aushandelt, eine tiefe Sorge und Verunsicherung in Sachen Acker- und Pflanzenbau festgestellt. Grund sind unter anderem die ungleichen Rahmenbedingungen, unter denen die Landwirtschaft aufgrund der politisch verordneten Wettbewerbsverzerrung leidet. Gemeint ist damit die Minimierung des Werkzeugskastens, der dem Landwirt zur Verfügung steht, während Berufskollegen aus dem Ausland durch Sondergenehmigung sehr viel mehr Spielraum besitzen.

Ein aktuelles Problem sind beispielsweise schwarze Läuse, die sich in Kolonien an den jungen Pflanzen ausbreiten. „Die Saugschäden haben uns zugesetzt“, haben die Berater der landwirtschaftlichen Abteilung mit einem intensiven Monitoring der Pflanzen zweimal wöchentlich auf den Befall reagiert. Die aktuelle Befallsituation und mögliche Handlungsempfehlungen vermitteln die Berater den Rübenbauern zeitnah über WhatsApp und andere Kommunikationskanäle.

Ein anderes Thema, das die Rübenbauern umtreibt, ist das schwierige Marktumfeld, das mit wenig verheißungsvollen Zuckerpreisen verbunden ist. Michael Schaupp, Geschäftsführer von Pfeifer & Langen, und Heinz Leipertz rechnen nach der jüngsten Dürrekampagne mit einer lokalen und temporären Verknappung, die den Preisen wieder auf die Beine helfen dürften.