Jülich: Umjubelte Premiere der „Bühne ‘80“ in Jülich

Jülich : Umjubelte Premiere der „Bühne ‘80“ in Jülich

Zwei spannende und vor allem amüsante Stunden Verwirrspiel erlebten zahlreiche Gäste in der Stadthalle bei der Premiere der Krimikomödie „Mordstheater“ (Murder in play) von Simon Brett, fabelhaft inszeniert von Regisseur Dr. Christoph Fischer und acht Schauspielern des Jülicher Ensembles „Bühne ‘80“.

Reizvolles Schlüsselelement war die doppelte Bühne, das Theater im Theater mit ineinanderfließenden Grenzen. Bereits nach fünf Minuten geschah ein Mord nach Drehbuch, ein zweiter ungeplanter am Ende des ersten Aktes. An Tatmotiven mangelt es keineswegs. Rollen wurden in der zweiten Spielhälfte neu besetzt, ein Mörder gesucht und gefunden.

Regisseur Dr. Christoph Fischer begrüßt zu seiner siebten Produktion der „Bühne 80“, die bisher 39. Aufführungen gespielt hat.

Boris Smolensky heißt der profilneurotische und geizige Theaterproduzent und Regisseur des Stücks „Mord im Schloss“ — mit viel Elan gespielt von Albert Junker — unter dessen Fuchtel ein drittklassiges Tourneetheaterensemble zu nicht endenden Proben kurz vor der Premiere gezwungen ist. Stets die Hauptrolle gebührt seiner Ehefrau Renee Savage, eine alternde Diva, souverän in Szene gesetzt von Claudia Cormann-Wiersch.

Weil Smolensky eine Affäre mit der naiven und talentfreien jungen Schauspielerin Ginette Vincent (Bettina Scheid) hat, sind Spannungen zwischen den Damen programmiert. Den beruflichen Gegenpart zu Renee besetzt die neidische Schauspielerin Christa d‘Amato (Birgit Bergk), deren Karriere abgeflaut ist.

Alternder Komödiant

Für weiteren Schwung sorgen der alternde Komödiant Harrison Bracewell (ein fabelhaft verwirrter Andreas Kupka), der seine Alkoholprobleme zu verheimlichen sucht, und der dynamische Beau Tim Fermor (Dieter Nießen). Den normalsten Charakter spielt die junge Schauspielerin Sophie Lawton (Nesthäkchen Jana Büchsenschütz). Die vermeintlich kleinste Nebenrolle der Inspizientin und Requisiteurin Pat (Stefanie Schneider) als „Mädchen für alles“ nimmt im Laufe der Handlung Fahrt auf.

Auf zweiter Bühne, nämlich in der Billigproduktion „Mord im Schloss“ dreht sich alles um Schlossherrin Lady Dorothy Cholmondley, dargestellt von Renee Savage (Claudia Cormann-Wiersch) und ihre Wochenendgäste, darunter ihre naive Tochter Virginia Cholmondley, gespielt von Ginette Vincent (Bettina Scheid). Ein prägender und immer wieder mit Zwischenapplaus bedachter Charakter unter ihnen ist Mr. Papadopoulos, der wie sein Darsteller Harrison Bracewell (Andreas Kupka) dem Alkohol nicht abgeneigt ist.

Oder der von Kriegsneurosen geplagte Major Rodney Pirbright, der unkontrolliert mit seiner Pistole herumfuchtelt, verkörpert von Tim Fermor (herrlich überzogen gespielt von Dieter Nießen). Mehr und mehr in den Vordergrund rücken Christa D‘Amato (Birgit Bergk) als Hausdame Mrs. Puttock und Sophie Lawton (Jana Büchsenschütz) als Dienstmädchen Triggs.

Klar ist auf jeden Fall: „Der Medienrummel (um den Mord) kurbelt den Vorverkauf an“. Eine wichtige Rolle spielen zudem eine Schranktür, deren Knarren Requisiteur Philipp Hardt treffend mit einer Geige (!) imitierte, eine Pistole mit Ausfällen, ein Tranchiermesser und eine Sherry-Karaffe. „Dann hätte ich sie überhaupt nicht umbringen müssen“, gesteht schließlich der oder die mit viel List überführte Mörder(-in).

Das Publikum, das bei jedem vermeintlichen Pistolenknall zusammenzuckte und viel Zwischenapplaus spendete, hatte jede Menge Spaß im Theater im Theater.

Dem ausdrucksstarken Ensemble, das den Spagat zwischen seinen glanzlosen Rollen im Tourneetheater und den prägenden Charakteren bei den Theaterproben fabelhaft meisterte, gebührte abschließend donnernder Applaus. Ein „mörderisches“ Ratespiel in der Pause mit Siegerehrung am Ende der Aufführung lockte viele Zuschauer.

(ptj)
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