Kabarettistisches Duo: Trockener Humor und Knalleffekte im KuBa Jülich

Kabarettistisches Duo : Trockener Humor und Knalleffekte im KuBa Jülich

Das kabarettistische Duo „Das Geld liegt auf der Fensterbank, Marie“ hat das Publikum im Kulturbahnhof mit dem Programm „Gleich knallt‘s“ auf eine Achterbahnfahrt entführt, die von dunklem, trockenem Humor in die Täler menschlicher Fassungslosigkeit führte.

Zu Beginn betrat Wiebke Eymess allein die Bühne. „Hallo“, sagte sie mit hoher Stimme und von einem zum anderen Ohr lächelnd. „Ich bin gerade aus der Vergangenheit hierhin gereist. Ihr wart so toll heute Abend.“ Der erste Lacher seitens der Zuschauer folgte.

Zwölf Lampen für zwölf Prozent

Dann die erste ernste Sequenz, bei der Eymess zusammen mit ihrem Kollegen Friedolin Müller ernüchternde Fakten vorstellte. „Ein Prozent der Weltbevölkerung besitzt so viel wie der Rest“, sagte Müller und drehte eine Glühlampe auf der Bühne in eine Fassung, so dass sie begann zu leuchten. Dann bei der zwölften und letzten Lampe: „Bei der letzten Bundestagswahl erhielt die AfD zwölf Prozent der Stimmen.“ Begleitet wurde dies durch eine monotone Melodie, die Eymess auf einer Ukulele spielte.

Im Anschluss begann das Gespräch der beiden Kabarettisten. Dabei mimten sie stets eine Diskussion, bei der Fakten eingestreut wurden. „Eine Betonmauer ist ökologisch wertvoller als Kirschlorbeer“, gab Müller nach einem Gespräch über die Vor- und Nachteile des Land- und Stadtlebens zum Besten. Das Problem: Auf dem immer beliebteren Kirschlorbeer kann kein Insekt überleben. Auch durch die Monokulturen der Landwirtschaft wird es für die kleinen Tierchen immer schwieriger.

Das untermalte „Das Geld liegt auf der Fensterbank, Marie“ auch mit Musik. Mit einem Haarreifen, an den kleine gelbe Kugeln angebracht sind, dichteten sie gesanglich und mit Gitarre sowie Ukulele ein Kinderlied um zu „Stumm, stumm, stumm, kein Bienchen summt herum“.

Auch der eheliche Alltag zwischen Mann und Frau wurde in Klischees verpackt dem Publikum präsentiert. „Weißt du, was ich gerne wüsste?“, sagte Eymess so und Müller weiter: „Die Frage verstehe ich nicht, bin ich das Orakel von Delphi?“

Nach einer Diskussion über Wortbedeutungen und Kleist kam Eymess wieder auf das vergangene Thema zurück: „Kleist konnte bestimmt besser zuhören als du.“ „Kleist hat sich auch erschossen“, antwortete Müller trocken. Wieder lachte das Publikum auf. „Wusstest du, dass ein Zusammenhang zwischen zu viel Testosteron im Mutterleib und Autismus besteht? Ihr Männer seid also quasi alles abgeschwächte Autisten“, gab Wiebke Eymess zurück.

„Eigentlich ist es ganz lustig“, sagte Zuschauerin Britta Heid, die zusammen Frank Heid das Kabarett besuchte, der „die Bezüge zur Realität“ gut fand. Auch Jutta Volkmann besuchte „Gleich knallt’s“. Sie sagte: „Ein schöner trockener Humor. Manchmal musste ich schlucken.“

Ein solcher Moment, in dem niemand mehr lachte und jeder Besucher ruhig war: Eymess trat nach vorne trat und trug einen Slam über ihr Mutterdasein und das Weltgeschehen vor. Dabei sagte sie, dass sie die Nachrichten emotional ausweiden würden, weil „die Wirklichkeit droht, in unseren Nestern zu wildern“. Sie beschrieb ihre Hilflosigkeit: „Wir sind schon zu müde, um uns die Beine zu rasieren. Wann sollen wir das System revolutionieren?“

Dann kehrte das Duo wieder in das neckende Gespräch zurück. So beispielsweise Eymess: „Ich weiß, du wirst mich immer lieben, aber nie so viel wie dein iPhone 7.“ „Schatz, vergleiche dich doch nicht mit einem Smartphone der neuesten Generation“, entgegnete Müller.

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